Physiotherapie bei Parkinson

Interview mit Susanne Brühlmann, Physiotherapeutin in der Rehaklinik Zihlschlacht und Vorstandsmitglied von Parkinson Schweiz. Susanne Brühlmann betrieb einst Leistungssport. Nun trainiert sie Parkinsonbetroffene. Sie sagt: «Mobil bleiben heisst selbstbestimmt bleiben.»


Frau Brühlmann, welches Ziel verfolgt die Physiotherapie ganz allgemein?
Die Physiotherapie will die Bewegungsfähigkeit eines Menschen erhalten, fördern und verbessern. Dies nach Befragung und Untersuch mit passiven und aktiven Massnahmen, je nach Beschwerde und Symptombild.

Was müssen Physiotherapeutinnen und -therapeuten speziell beachten, wenn sie Parkinsonbetroffene behandeln?
Speziell ist, dass jeder Parkinsonbetroffene ein anderes Symptombild zeigt und die Symptome sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Alltagsaktivitäten und die Lebensqualität haben. Neben der konventionellen Physiotherapie gibt es weitere Ansätze, etwa die LSVT (Lee Silverman Voice Treatment).

Was sind die Unterschiede?
Methoden der konventionellen Therapie sind Gelenkmobilisation, Dehnen, Ausdauer- und Krafttraining. Das LSVT-Big-Programm ist ein vierwöchiges intensives Training. Bewegungen sollen gross und mit spürbarer Anstrengung ausgeführt werden. So werden etwa lange Schritte trainiert. Zihlschlacht integriert diese Grundidee in die Einzel- und Gruppentherapien, und das Pflege- und Begleitpersonal setzt sie im Alltag um.

Viele Studien belegen die positive Wirkung der Physiotherapie. Sehen Sie die Erfolge Ihrer Arbeit?
Ja, deutlich. Die Gehstrecke wird länger und die Haltung besser. Auch werden die Transfers sicherer. Eine grössere Mobilität steigert die Lebensqualität und verbessert oder erhält die Selbstständigkeit. Daher ist auch das Hinführen zum selbstständigen Eigentraining ein entscheidender Erfolg der Therapie.

Wann ist es für Parkinsonbetroffene sinnvoll, mit der Physiotherapie zu beginnen?
Parkinsonbetroffene sollten direkt nach der Diagnosestellung mit der Physiotherapie beginnen, um ein individuelles Programm zusammenzustellen. So können sie durch einen aktiven Lebensstil und geeignete Übungen den Krankheitsverlauf positiv mitbestimmen. Je nach Krankheitsverlauf und Symptomänderungen können sie später erneut einen Physiotherapeuten aufsuchen, um das Programm anzupassen.

Was sind Ihre speziellen Tipps für Parkinsonbetroffene?
Ganz klar: aktiv bleiben. Dies sowohl auf der Bewegungsebene als auch auf der sozio-kulturellen Ebene, d. h., den Freundeskreis pflegen, jassen oder auch mal ins Kino gehen, je nachdem, was Freude macht. Wichtig ist, den Tagesverlauf aktiv zu gestalten und kleine Übungen einzubauen.Mobil bleiben heisst selbstbestimmt bleiben.

Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen? Und wieso mit Parkinsonbetroffenen?
Ich habe früher Leistungssport betrieben und war dadurch immer wieder mit der Massage oder der Physiotherapie in Kontakt. Während meiner Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass ich mich in der Neurologie zu Hause fühle. In der Rehaklinik Zihlschlacht durfte ich am Aufbau des Parkinsonzentrums mithelfen und mich im Bereich Parkinson weiterbilden. Die Erfolge der Betroffenen sind für mich sehr motivierend.


Mit Susanne Brühlmann sprach Dr. phil. Eva Robmann. Publikation: Magazin Parkinson 123.

«Wir bleiben in Bewegung»

DVD mit rund 70 Bewegungsübungen für Parkinsonbetroffene. Susanne Brühlmann und zwei Parkinsonbetroffene machen die Übungen vor. Sie können zu Hause gemacht werden. Zur Auswahl stehen leichte bis schwierige Übungen im Stehen, Sitzen oder Liegen.

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Parkinson – Das Übungsbuch

Aktiv bleiben mit Bewegungs-Übungen
Autor: Elmar Trutt

A5, 144 Seiten, 2017
Trias Verlag, Stuttgart

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