Levodopa und Eiweiss: Was zu beachten ist
Eisweissreiche Mahlzeiten können die Wirkung von Levodopa einschränken. Was ist dabei zu beobachten? Und wie kann verhindert werden, dass Betroffene eine Abneigung gegen Proteine entwickeln?
Damit Levodopa in das Gehirn gelangt und dort seine Wirkung entfaltet, muss es mehrere Hürden überwinden. Zuerst muss die Person die Tablette schlucken, was durch Schluckbeschwerden (siehe Schluckstörungen) erschwert sein kann. Danach muss der Wirkstoff vom Magen in den Dünndarm gelangen. Weil es mit Fortschreiten der Parkinsonerkrankung häufig zu einer verzögerten Magenentleerung kommt (siehe Darmgesundheit und Parkinson), kann dieser Transport mehr Zeit beanspruchen.
Konkurrenz zwischen L-Dopa und Proteinen
Schliesslich, um ins Blut zu gelangen, muss das Parkinsonmedikament vom Dünndarm aufgenommen werden. Hier stellt sich eine weitere Schwierigkeit: Die Kapazität für diesen Transport ist begrenzt. Wollen gleichzeitig ähnliche Moleküle in die Blutbahn gelangen, verzögert sich die Aufnahme. Eine solche Konkurrenzsituation liegt zwischen Levodopa und Proteinen vor. Beide bestehen aus Aminosäuren und nutzen denselben Transportmechanismus. Das führt dazu, dass eine eiweissreiche Mahlzeit die Aufnahme von L-Dopa verzögert. Und das Gleiche stellt sich auch später ein, wenn Levodopa und Eiweisse gleichzeitig vom Blut ins Gehirn gelangen sollen.
Die Faustregel und ihre Grenzen
Deshalb hat sich die Empfehlung durchgesetzt, die Parkinsonmedikamente mindestens eine halbe Stunde vor einer eiweissreichen Mahlzeit und nicht früher als eineinhalb Stunden danach einzunehmen. Für viele Betroffene, die unter Wirkungsschwankungen leiden, ist diese Regel hilfreich.
Doch sie hat ihre Grenzen. Wer fünfmal täglich Levodopa einnehmen muss, kann diese Regel nicht mehr umsetzen, denn die Pausen zum Essen dazwischen werden zu kurz. Und sie kann bei verzögerter Magenentleerung, vor allem nach einer fettreichen Mahlzeit, nicht verhindern, dass der Wirkstoff verzögert ins Gehirn gelangt.
Auf den Körper hören
Zu beachten ist auch, dass viele Menschen mit Parkinson gerade zu Beginn der Erkrankung keine ausgeprägten Wirkungsschwankungen haben. Für sie kann die Einhaltung der Regel eine Belastung darstellen. Hier empfehlen Fachleute den Betroffenen, den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Levodopa und Eiweissaufnahme zu beobachten. So können sie herausfinden, wie sie mit den Empfehlungen umgehen können.
Was auch wichtig ist: Wer nach einem eiweisshaltigen, fettreichen Essen in eine OFF-Phase gerät, schadet sich damit nicht längerfristig. Die betroffene Person muss sich einfach bewusst sein, dass sie dann für ein paar Stunden eingeschränkt ist.
Proteine sind wichtig
Häufig entwickeln Betroffene, die sich strikt an die Faustregel halten, auch eine Abneigung gegen Proteine. Doch Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fleisch und Fisch grundsätzlich zu meiden, ist nicht ratsam. Denn zentrale Körperfunktionen wie der Zellaufbau, das Immunsystem oder das Bereitstellen von Hormonen sind auf Proteine angewiesen (siehe Wie eine gesunde Ernährung gelingt). Werden über längere Zeit zu wenig dieser wichtigen Bausteine zugeführt, kommt es zu Gewichtsverlust und Mangelernährung. Die Muskeln verlieren an Kraft, die Mobilität wird eingeschränkt und das Risiko für Stürze wächst.
Medikamentenpumpen
Bei hartnäckigen Wirkungsschwankungen können Medikamentenpumpen helfen. Dabei wird der Magen-Darm-Trakt umgangen, denn der Wirkstoff gelangt über einen dünnen Schlauch kontinuierlich direkt ins Hautgewebe und so in den Körper.
Tipps
- auf den Körper hören und beobachten, ob und wie Einnahme von Proteinen die Symptome verändert.
- wenn sich die Wirkung von Levodopa durch Proteinkonsum verzögert, kann es helfen, kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
- sich von einer Ernährungsfachkraft unterstützen lassen
Prof. Dr. Andrés Ceballos-Baumann, 2026
Autor
Chefarzt der Parkinson-Fachklinik an der Schön Klinik München Schwabing
Auf einen Blick
Die wichtigsten Informationen zur Ernährung bei Parkinson können hier heruntergeladen werden.
Faktenblatt ErnährungReferenzen
Nervenheilkunde, Vol. 44 / 03 (2025)
Ernährung bei der Parkinson-Krankheit
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