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Schluckstörungen: Wie das Essen mehr Freude macht

Schluckstörungen erhöhen das Risiko, eine Mangelernährung zu entwickeln. Auch die Wirkung von Parkinsonmedikamenten kann eingeschränkt werden. Was lässt sich dagegen tun? Und wie kann die Freude am Essen bewahrt werden?

Schluckstörungen bei Parkinson sind weit verbreitet, vor allem mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Doch auch in früheren bis mittleren Krankheitsphasen können die Beeinträchtigungen auftreten und für die Betroffenen zu einem der Hauptprobleme der Erkrankung werden.

Der Mangel an Dopamin wirkt sich auch auf die Hirnzentren aus, welche die Schluckfunktion steuern. Die zeigt sich daran, dass sich Betroffene beim Essen häufiger verschlucken. Sie leiden unter Hustenanfällen, benötigen deutlich mehr Zeit für die Nahrungsaufnahme und räuspern sich ständig. Auch die Stimme kann sich verändern und belegt klingen. Und es kann zu einer Schwächung des natürlichen Hustenreflexes kommen.

Effizienz und Sicherheit

Es werden zwei Arten von Schluckstörungen unterschieden, und beide können die Gesundheit von Menschen mit Parkinson beeinträchtigen. Zum einen nimmt die Schluckeffizienz ab, also die Fähigkeit, Nahrung oder auch Medikamente vollständig zu schlucken. In diesem Fall fällt es den Betroffenen schwer, den Körper ausreichend mit Nährstoffen und den benötigen Parkinsonmedikamenten zu versorgen.

Zum anderen kann der Schluckvorgang die Atemwege nicht mehr richtig schützen. Fehlt es an Schlucksicherheit, können Speichel, Flüssigkeiten oder Nahrungsreste in die Luftröhre gelangen. Das kann zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führen. Besonders gefährlich ist die sogenannte stille Aspiration. Dabei nimmt die betroffene Person das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege nicht wahr und reagiert in der Folge nicht mit Husten oder Räuspern darauf.

Frühzeitige Abklärung

Deshalb ist es wichtig, dass Schluckstörungen möglichst frühzeitig durch Fachleute aus Neurologie und Logopädie abgeklärt werden. Dazu kann der Schluckvorgang mit einem dünnen, flexiblen Endoskop (einer Sonde mit einer Kamera) untersucht werden. Wird eine Schluckstörung diagnostiziert, hilft eine Therapie, um beim Schluckvorgang beteiligten Muskeln gezielt zu kräftigen. So ist es möglich, die Schlucksicherheit und deren Häufigkeit zu verbessern. 

Speichelfluss

Gesunde Personen schlucken täglich Hunderte von Malen, meist ohne daran zu denken oder es wahrzunehmen. Bei Parkinson ist diese Fähigkeit eingeschränkt. Wenn Betroffene seltener schlucken, sammelt sich mehr Speichel im Mund. Und wenn der Kopf oder der Rumpf nach vorne gebeugt sind und der Mund etwas offen steht, kann dies dazu führen, dass Speichel aus dem Mund läuft (Sialorrhoe). Vielen meinen, die Ursache dafür sei eine vermehrte Speichelproduktion. Tatsächlich produzieren Menschen mit Parkinson aber eher weniger Speichel.

Die Ernährung anpassen

Je nach Stadium der Erkrankung ist es ratsam, die Ernährung zu überprüfen. Dabei steht die Konsistenz der Nahrung im Vordergrund. Bei einer fortgeschrittenen Schluckstörung fällt die Aufnahme fester Nahrung schwer, und auch das Trinken bereitet oft Schwierigkeiten. Abhilfe kann das Pürieren schaffen oder wenn Flüssigkeiten eingedickt werden. 

Dass auch pürierte Gerichte ansprechend aussehen können, zeigen verschiedene Rezeptbücher, die in den letzten Jahren erschienen sind. Ein Buch ist hervorzuheben: «Make food soft». Erarbeitet hat es der Küchenchef der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung in Zürich, zusammen mit Fachleuten aus Medizin, Ernährungsberatung und Logopädie. Es umfasst über 80 Rezepte, darunter etwa gebratenen Lachs mit Spinatflan oder Hirschpfeffer mit Rotkraut und Spätzli, Fotzelschnitten oder Milchreis. Die kleine Auswahl zeigt: Bei vielen der Gerichte handelt es sich um Lieblingsspeisen von Betroffenen. Diese waren für das Kochbuch befragt worden.

Kochen, pürieren und in Form bringen

Damit die Speisen ästhetisch ansprechend auf dem Teller serviert werden können, müssen die Nahrungsmittel zuerst gekocht, püriert und durch ein Sieb gestrichen werden. Dann werden sie mithilfe von Pürformen wieder in die ursprüngliche Form zurückgebracht. Das Buch liefert eine Reihe von Tipps zu Binde- und Eindickungsmitteln und darüber, die Speisen vorzukochen, einzufrieren und erneut zu erhitzen.

Das Buch wurde weltweit mehrfach ausgezeichnet und ist auch in Englisch erhältlich. Es ist als Standardwerk konzipiert und enthält zudem Grundlagenwissen über Schluckstörungen sowie Hinweise zu Ess- und Trinkhilfen. Das Kochbuch richtet sich nicht nur an Fachleute aus Spitälern und sozialen Institutionen, sondern gezielt auch an Menschen mit Parkinson und solche, die für sie kochen.

Tipps

  • beim Essen möglichst nicht sprechen
  • sich beim Essen genügend Zeit lassen
  • keine Ablenkung durch TV, Radio oder Lesen
  • nur kleine Bissen zu sich nehmen
  • gut kauen und den Mund beim Schlucken schliessen
  • bevor eine neue Portion eingenommen wird, sollte der Mund leer sein; dazu allenfalls mehrmals nachschlucken
  • auf die Mundhygiene achten; Nahrungsreste in der Mundhöhle entfernen

Auf einen Blick

Die wichtigsten Informationen zur Ernährung bei Parkinson können hier heruntergeladen werden.

Faktenblatt Ernährung

Referenzen

npj Parkinson’s Disease, Vol. 156 (2022)

Dysphagia for medication in Parkinson’s disease 

Nature

Parkinfon

Ein Team erfahrener Neurologinnen und Neurologen beantwortet ehrenamtlich Ihre medizinischen Fragen zur Parkinsonkrankheit.

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