Darmgesundheit und Parkinson: Auf den Bauch hören
Die Darmflora beeinflusst die Entstehung und die Entwicklung von Parkinson. Und die Erkrankung wirkt sich direkt auf den Darm aus und kann zu Verstopfung führen. Es lohnt sich also, auf die Darmgesundheit zu achten.
Unsere Darmflora hat einen wesentlichen Einfluss auf das Immunsystem und kann an der Entstehung oder dem Fortschreiten von neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson beteiligt sein. Das zeigen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen. Bereits Jahre, bevor erste Parkinsonsymptome auftreten, können in den Nervenzellen der Darmwand und der Darmbakterien degenerative Veränderungen erkennbar sein.
Die Veränderungen der Darmnerven beeinflusst die Verdauung. Sie gehören zum vegetativen Nervensystem und steuern die inneren Organe autonom, ohne dass wir dies mit unserem Willen beeinflussen können. Bei Parkinson kann dies dazu führen, dass sich die Aktivität der Magen-Darm-Muskulatur verringert. Dadurch wird der Darminhalt nur verzögert weitertransportiert, was häufig zu Verstopfung führt. Zum Zeitpunkt der Parkinsondiagnose leidet bereits eine von vier Personen darunter, im weiteren Verlauf sind es drei von vier.
Kommt Parkinson vom Darm?
Darm und Gehirn sind eng miteinander verbunden. Nerven im Darm können auf das Hirn einwirken und umgekehrt. Studien mit Versuchstieren haben gezeigt, dass die für Parkinson typischen fehlgefalteten Proteinansammlungen vom Darm ins Gehirn wandern können. Als Verbindung dient dabei der Vagusnerv, eine Art Datenautobahn zwischen Darm und Hirn.
Ein Zusammenhang zeigt sich auch bei Menschen: Wem aufgrund schwerer Magengeschwüre der Vagusnerv durchgetrennt werden musste, hatte daraufhin ein geringeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Allerdings gibt es dazu noch viele offene Fragen. So weisen andere Tierversuche darauf hin, dass die fehlgefalteten Proteine auch in die umgekehrte Richtung, also vom Hirn zum Darm wandern können.
Wann spricht man von Verstopfung?
Von einer Verstopfung spricht man, wenn jemand weniger als drei Stuhlgänge pro Woche hat. Chronisch ist sie, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern. Dies führt dazu, dass der Stuhl sehr hart ist, weil dem Darminhalt durch die lange Verweilzeit viel Wasser entzogen wurde. Oft müssen die Betroffene stark pressen, und der Stuhlgang ist schmerzhaft. Dabei ist die Entleerung unregelmässig und nicht vollständig.
Medikamente und mangelnde Bewegung
Es gibt noch weitere Gründe für die Darmträgheit. So können gewisse Parkinsonmedikamente, vor allem sogenannte Anticholinergika, die Beweglichkeit des Darms hemmen. Bewegungsmangel, häufig als Reaktion auf motorische Einschränkung, verschärft das Problem. Hinzu kommt die Ernährung: Wer zu wenig trinkt und nicht ausreichend Ballaststoffe zu sich nimmt, ist stärker von Verstopfung betroffen (siehe Ernährungstipps).
Was bei Verstopfung hilft
Gegen einen trägen Darm können Betroffene selbst etwas tun: indem sie sich ausgewogen und mit genügend Ballaststoffen ernähren sowie ausreichend trinken und sich bewegen.
Ballaststoffen, auch Präbiotika genannt, kommen dabei eine Schlüsselrolle zu. Das sind faserreiche Pflanzenteile, die im Dünndarm nicht verdaut werden können. Den Begriff Ballaststoff tragen diese Nahrungsfasern deshalb, weil früher die Ansicht verbreitet war, dass sie den Darm belasten würden. Heute wissen wir: Das Gegenteil der Fall. Sie tragen wesentlich zu einer gesunden Verdauung bei und versorgen die gesundheitsfördernden Darmbakterien mit Energie.
Zudem binden Ballaststoffe Wasser und quellen so auf. Dadurch erhöhen sie das Volumen des Darminhalts und folglich den Druck auf die Darmwände und der Stuhl wird schneller durch den Darm transportiert. Zudem machen die Nahrungsfasern den Stuhl weicher und erleichtern so den Stuhlgang.
Genügend trinken
Damit Ballaststoffe ihre Wirkung entfalten können, ist die Aufnahme von genügend Flüssigkeit unentbehrlich. Ausreichend zu trinken, ist im Alter auch deshalb wichtig, weil dann häufig das Durstgefühl ausbleibt.
Fachleute empfehlen eine tägliche Menge von 1.5 - 2 Litern, gleichmässig über den Tag verteilt. Die Getränke sollten möglichst ungezuckert sein, am besten Hahnenwasser, Mineralwasser sowie Kräuter- und Früchtetee. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee und Schwarztee können zur Flüssigkeitszufuhr beitragen, wobei ein moderater Konsum empfohlen wird.
Wo sich viele Ballaststoffe finden
Einen hohen Anteil an Ballaststoffen haben frisches Gemüse und Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und auch Kartoffeln (vor allem wenn sie nicht geschält werden). Reich an den wertvollen Nahrungsfasern sind weiter Kerne, Nüsse, Samen und Trockenfrüchte.
Diese Nahrungsmittel enthalten besonders viele Ballaststoffe:
- Früchte wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Aprikosen
- Beeren
- Gemüse: etwa Rosenkohl, Grünkohl, Brokkoli, Artischocke, Knollensellerie oder Süsskartoffeln
- Vollkorngetreide wie Hafer, Quinoa, Couscous und Vollkornreis und auch Brot und Teigwaren aus Vollkorngetreide
- Hülsenfrüchte wie Bohnen, Kichererbsen, Linsen
- Nüsse, Kerne und Samen, etwa Lein- und Chiasamen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Mandeln, Walnüsse
- Kleie und Flohsamenschalen
Resistente Stärke
Es gibt noch eine besondere, für die Verdauung vorteilhafte Form von Ballaststoffen: resistente Stärke. Diese entsteht, wenn gekochte stärkehaltiger Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln stehen gelassen werden. Nach 12 bis 24 Stunden verändert sich die chemische Struktur der Stärke und sie wird für den Dünndarm unverdaulich (also resistent). Im Dickdarm dient sie dann den nützlichen Bakterien als Nahrung. Werden die Nahrungsmittel nochmals erhitzt, bleibt die resistente Stärke erhalten. Erste Studien belegen, dass die regelmässige Einnahme Parkinsonsymptome und auch Entzündungswerte im Blut positiv beeinflusst. Zudem nehmen die gesundheitsfördernden Bakterien im Darm zu.
Probiotika
Die Darmflora kann auch mit sogenannten Probiotika unterstützt werden. Es handelt sich dabei um lebende Bakterien. Diese für die Verdauung und das Immunsystem vorteilhaften Stoffe finden sich in Joghurts, Kefir, Sauerkraut und anderen fermentierten Nahrungsmitteln. Damit sie wirken, müssen sie allerdings regelmässig und in ausreichender Menge eingenommen werden.
Zusätzliche Massnahmen
Bei lang anhaltender, schwerwiegender Verstopfung kann die Anpassung der Ernährung nicht ausreichen. Wer sich mit Abführmitteln Linderung verschaffen will, sollte etwas bedenken: An Mittel, welche die Darmbewegung anregen, kann sich der Darm gewöhnen und die Wirkung nimmt ab. Kein Gewöhnungseffekt ist bei Mitteln zu erwarten, die aufquellen und das Stuhlvolumen erhöhen. Eine vorgängige Besprechung mit der behandelnden Fachperson ist sinnvoll.
Verzögerte Magenentleerung
Viele Menschen mit Parkinson sind noch mit einem anderen Verdauungsproblem konfrontiert: der verzögerten Magenentleerung. Dabei gelangt die Nahrung nur verlangsamt aus dem Magen in den Dünndarm. Das führt dazu, dass ein Teil der Nahrung über Stunden im Magen verbleibt. Die Folge ist ein unangenehmes Vollgefühl, und die eingenommenen Parkinsonmedikamente wirken nicht oder nur beschränkt (siehe Levodopa und Eiweiss). Wie lange die Nahrung im Magen verbleibt, hängt auch von der Zusammensetzung ab. Diese Zeit ist umso länger, je fettreicher eine Mahlzeit ist.
Wie bei Verstopfung ist auch bei einer verzögerten Darmentleerung eine ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen. Bringt eine Anpassung der Ernährung nicht den gewünschten Erfolg, können nach Absprache mit dem Neurologen oder der Neurologin Medikamente eingesetzt werden, welche die Magenentleerung beschleunigen. In schweren Fällen kann auf eine Pumpentherapie ausgewichen werden, bei der gelförmiges Levodopa über eine dünne Sonde direkt in den Dünndarm appliziert wird.
Tipps
- ballaststoffreich essen (Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte)
- 1.5 - 2 Liter pro Tag trinken (die effektive Trinkmenge von Zeit zu Zeit überprüfen)
- die Nahrung gut kauen
- fettreiches Essen nur in kleineren Mengen, um die Magenentleerung nicht zu verzögern
- ein Spaziergang nach dem Essen, weil das die Magenentleerung beschleunigt
Auf einen Blick
Die wichtigsten Informationen zur Ernährung bei Parkinson können hier heruntergeladen werden.
Faktenblatt ErnährungReferenzen
Brain, Behavior, and Immunity, Vol. 132 (2026)
Intestinal macrophages modulate synucleinopathy along the gut–brain axis
Parkinfon
Ein Team erfahrener Neurologinnen und Neurologen beantwortet ehrenamtlich Ihre medizinischen Fragen zur Parkinsonkrankheit.
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