Appetit, Geschmack und Feinmotorik: Was bei Parkinson anders ist
Parkinson kann die Freude am Essen dämpfen und die Ernährung erschweren. Wer die Auswirkungen der Erkrankung kennt, kann eigene Essgewohnheiten anpassen. Und so Mangelernährung oder auch Übergewicht vorbeugen.
Sich ausgewogen zu ernähren, ist auch für Menschen mit Parkinson empfehlenswert. Allerdings können die Erkrankung und die damit verbundenen motorischen und nicht-motorischen Symptome die Ernährung erschweren. Das führt im Verlauf der Erkrankung häufig zu Mangelernährung. Gewisse Parkinsonmedikamente können auch zu Essanfällen und in der Folge zu Übergewicht führen. Deshalb ist es wertvoll, wenn jemand die Auswirkungen der Erkrankung kennt und die eigenen Essgewohnheiten anpassen kann.
Geschmacksverlust und Appetitlosigkeit
Viele Betroffene erleben mit Fortschreiten ihrer Erkrankung, dass ihr Geschmacks- und Geruchempfinden nachlässt. Dies kann die Lust am Essen einschränken. Appetitlosigkeit tritt auch im Zusammenhang mit Depressionen und anderen psychischen Belastungen auf. Und schliesslich fördern die Parkinsonmedikamente den Appetit nicht. Vielmehr kann die Behandlung, gerade zu Beginn, Übelkeit auslösen.
Tipps:
- Bei eingeschränktem Geschmacksempfinden neigen Betroffene dazu, nachzuwürzen. Doch Salz sollte nur zurückhaltend eingesetzt werden, denn zu viel davon kann Ernährungs- und Verdauungsstörungen auslösen. Um Speisen nachzuwürzen, sind Küchenkräuter zu empfehlen.
- Pilze, Tomatenmark, Sojasauce oder andere Lebensmittel verstärken den Geschmack.
- Nur kleine, dafür vier bis sechs Mahlzeiten über den Tag verteilt einnehmen.
- Vor dem Essen nicht zu viel Flüssigkeit zu trinken, weil dies zu einem rascheren Sättigungsgefühl führen kann.
- Lösen die Parkinsonmedikamente Übelkeit aus, können Hausmittel oder auch Tabletten gegen Reisekrankheit Abhilfe schaffen. Falls das Unwohlsein über längere Zeit anhält, sind weitere medizinischen Abklärungen sinnvoll.
Motorische Einschränkungen
Im Verlauf der Parkinsonerkrankung können motorische Symptome das selbstständige Kochen und Essen für Betroffene erheblich erschweren. Zittern, Bewegungsverlangsamungen oder übermässige Bewegungen können die Handhabung von Messer und Gabel zur Herausforderung machen. Das Essen wird anstrengender, die Betroffenen essen langsamer, die Freude am Essen wird beeinträchtigt. Bei langsamem Essen kühlt das Essen zudem häufig stark aus. Bei vielen kommen im Verlauf der Erkrankung Schluckbeschwerden hinzu (siehe Schluckstörungen).
Tipps:
- Mit einer guten Einstellung der Parkinsonmedikamente lassen sich motorische Symptome reduzieren.
- Handliches, leichtes und bruchfestes Geschirr macht das Essen einfacher (siehe Broschüre Alltagstipps).
- Es ist ratsam, Gläser und Trinkbecher zu verwenden, die sich gut greifen lassen. Praktisch sind auch Becher mit Deckel und Röhrchen sowie Schnabeltassen.
- Allgemein können Fachleute der Ergotherapie wertvolle Unterstützung bei der Wahl von Hilfsmitteln bieten.
Mangelernährung frühzeitig erkennen
Personen, deren Geschmack- und Geruchsinn eingeschränkt sind, bei denen mangelndem Appetit oder motorische Schwierigkeiten auftreten, fällt es schwer, ausreichend Kalorien zu sich zu nehmen. Zu beobachten ist auch, dass ausgeprägter Tremor zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führen kann. Entsprechend gross ist das Risiko für Mangelernährung. Anzeichen dafür sind ein ungewollter Gewichtsverlust sowie ein Mangel an Kraft und Antrieb. Das Sturzrisiko steigt, und auch die Lebensqualität nimmt ab, was den Verlauf der Parkinsonerkrankung beschleunigen kann.
Tipps:
- Wer regelmässig auf die Waage steht, kann Gewichtsverlust frühzeitig erkennen.
- Die oben aufgeführten Tipps können helfen, das Essen wieder lustvoller und einfacher zu gestalten.
- Ein ungewollter Gewichtsverlust sollte mit der behandelnden neurologischen Fachperson besprochen werden.
Impulsive Appetitsteigerung und Übergewicht
Auch dazu kann Parkinson und dessen Therapie führen: Dass Betroffene einen übersteigerten Appetit verspüren. Dieses impulsive Verhalten ist meist mit einer deutlichen Gewichtszunahme verbunden.
Übergewicht ist für Betroffene ungünstig: Es kann zu Tagesmüdigkeit führen, Gelenke, Bänder und Sehnen werden stärker belastet. Und die bereits reduzierte Beweglichkeit wird zusätzlich eingeschränkt. Dies kann die Parkinsonsymptome verstärken.
Bei solchen Essanfällen handelt es sich häufig um Impulskontrollstörungen. Sie werden durch Parkinsonmedikamente ausgelöst, meist Dopamin-Agonisten, und können sich auch in Form von Spiel- und Kaufsucht oder einer erhöhten Libido äussern.
Tipps:
- Bei Essattacken lohnt es sich, die Medikamente und deren Dosis zu überprüfen.
- Falls die Anpassung der Medikamente nicht hilft, kann eine psychologische Verhaltenstherapie erwogen werden.
Auf einen Blick
Die wichtigsten Informationen zur Ernährung bei Parkinson können hier heruntergeladen werden.
Faktenblatt ErnährungParkinfon
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