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Axiale Symptome

Die Körperachse in «Schieflage»

Probleme mit Körperhaltung, Gehen, Sprechen und Schlucken treten in unterschiedlicher Ausprägung im Laufe der Erkrankung auf. Der Einfluss auf die Mobilität und die Lebensqualität kann gross sein.

Sogenannt «axiale Symptome», wenn die Körperachse aus der Balance gerät, kommen sowohl bei Patientinnen und Patienten mit Morbus Parkinson als auch mit atypischen Parkinsonsyndromen vor. Beim Morbus Parkinson treten sie eher im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf. Deren Ursache ist noch nicht abschliessend geklärt. Es handelt sich meist um eine Störung komplexer Hirnfunktionen, bei denen verschiedene Netzwerke beteiligt sind. Hierbei spielt nicht nur der Verlust der Dopamin produzierenden Zellen, sondern auch anderer Botenstoffe des Nervensystems eine wichtige Rolle. 

Gangstörungen und Freezing

Gangstörungen sind ein zentrales axiales Symptom bei Parkinsonsyndromen. Erste Veränderungen des Gangbildes sind meist schon zu Beginn der Erkrankung zu beobachten und äussern sich in Form von kürzeren Schritten, verminderter Schritthöhe oder einem geringeren Mitschwingen eines Armes. 

Nicht selten führt eine Gangstörung zur ersten Vorstellung bei einer Neurologin oder einem Neurologen. Im weiteren Krankheitsverlauf können hierzu auch episodische, das heisst kurzzeitig auftretende Gangstörungen wie ein „Festkleben“ am Boden bzw. abruptes Stehenbleiben (Freezing), oder Festinationen (hastige kleiner und schneller werdende Schritte) hinzukommen. Diese vorübergehenden Probleme treten besonders bei Veränderungen des Bewegungsablaufs beim Gehen wie beim Überqueren einer Schwelle, Einsteigen in einen Lift, oder Betreten einer Rolltreppe etc. auf.
Im Krankheitsverlauf kann zudem als erschwerender Faktor eine Einschränkung des Gleichgewichts auftreten.

Sprechen und Schlucken

Kommunikation und die Nahrungsaufnahme können in unterschiedlichen Ausmassen erschwert sein. Als störend empfunden wird zum Beispiel der ungewollte Verlust von Speichel über die Mundwinkel, eine leisere Stimme, eine verlangsamte Zungenbeweglichkeit, aber auch ein erschwerter Kau- oder Schluckvorgang. 

Nicht immer wird eine Schluckstörung sofort bemerkt, Indizien hierfür können vermehrtes Husten, Räuspern, aber auch gehäufte Infekte der Lunge sein. Störender Speichelfluss oder eine verminderte Verständlichkeit der Sprache können einen sozialen Rückzug bedingen, mit negativer Auswirkung auf körperliche Aktivität, soziale Teilhabe und Gedächtnis.

Bedingt durch das vermehrte Verschlucken kann es zu einer eingeschränkten Nahrungsaufnahme und in der Folge zu einer Mangelernährung kommen. Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist jedoch grundsätzlich wichtig für den Erhalt beispielsweise der Muskelfunktion oder Knochenstruktur. Ursächlich für diese Probleme sind eine allgemeine Verlangsamung der Bewegungen und eine gestörte Koordination der Muskulatur im Kiefer- und Rachenbereich.

Körperhaltung

Die Beschreibung axialer Symptome richtet sich nach der Neigung der Körperachse. Dazu kann gehören, dass der Oberkörper und der Kopf nach vorne geneigt werden (Kamptokormie) oder dass der Oberkörper zu einer Seite geneigt wird. Letzteres Symptom wird anschaulich auch als Pisa-Syndrom bezeichnet (nach dem bekannten Turm in der Toskana). Die Veränderung der Körperhaltung kann zu vermehrtem Auftreten von Schmerzen führen sowie die Mobilität und das Gleichgewicht beeinträchtigen.

Behandlung

Diese Schilderungen zeigen, dass axiale Symptome teils grossen Einfluss auf die Lebensqualität und Mobilität haben können. Im Rahmen neurologischer Kontrollen wird deren Auftreten regelmässig abgefragt und untersucht. In Anbetracht der Vielfältigkeit der axialen Symptome wird klar, dass es ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept braucht.
Ein Ansprechen auf Parkinson-Medikamente wie Levodopa wird teilweise beobachtet. Eine gute Wirkung zeigt sich vor allem auf das Gangbild, teils auch auf die Sprache und das Schlucken. Mittels Einsatzes von tiefer Hirnstimulation können erwartungsgemäss nur jene Symptome, welche bereits gut auf Levodopa ansprechen, behandelt werden. 

Daneben existieren weitere Behandlungsstrategien. Diese umfassen speziell entwickelte Physio- und Logotherapieprogramme, medizinische Trainingstherapie, Einsatz von Injektionen von Botulinumtoxin.

Für das Freezing können kleine Hilfsmittel wie ein Metronom, Tennisball oder Rollator mit auf den Boden projizierte Laserlinie, so genannte Cueing Strategien, hilfreich sein. Darüber hinaus kann der Einsatz von Vibration, beispielsweise integriert in einen Schuh hilfreich sein. Weitere innovative Therapieansätze mit am Körper angebrachten Sensoren und Konstruktionen zur Unterstützung der Haltung und des Gangbildes werden aktuell entwickelt. 

Orthopädische Operationen werden bei Rumpffehlhaltungen nur in sehr seltenen Fällen erwogen und äusserst zurückhaltend eingesetzt. 

Nicht unerwähnt bleiben soll hier der Stellenwert einer Ernährungsberatung in fortgeschritteneren Stadien einer Schluckstörung. Hierbei ist der Erhalt der Nährstoffzufuhr wichtig, um eine gesunde Knochenstruktur und Muskulatur zu gewährleisten. 

Nicht zu unterschätzen ist der frühzeitige Einsatz von Hilfsmitteln und die Anpassung des häuslichen Umfeldes durch zum Beispiel Entfernung von Teppichen, um Stürze zu vermeiden. 

Therapieansätze können gemeinsam mit einem interprofessionellen Behandlungsteam erarbeitet und auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt werden. Wichtig ist dabei eine offene Kommunikation, um realistische Therapieziele festzulegen. 


 

Quellen:

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Autoren

Dr. med. univ. Lisa Maria Zünd-Hofer

Oberärztin i.V. Neurologie KSSG (HOCH)

PD Dr. med. Florian Brugger

Leiter des Zentrums für Bewegungsstörungen Neurologie KSSG (HOCH)

Tricks gegen Freezing

Die Broschüre bietet Menschen mit Blockadeproblemen 12 wirkungsvolle Tricks zur Überwindung von Freezing. Ein Beispiel dafür ist das laute Zählen.

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