«Humor ist ein Spiel mit Ideen»
Willibald Ruch, emeritierter Psychologieprofessor der Universität Zürich, hat sich sein ganzes Forscherleben lang mit Humor beschäftigt. Er weiss, wie Humor bei Erkrankungen hilft, wie sich das Verständnis von Humor trainieren lässt. Und wer Witze über Parkinson machen darf.
Herr Ruch, seit Ihrer Dissertation von 1980 beschäftigen Sie sich Humor. Was weiss man heute über den Zusammenhang von Humor und chronischen Erkrankungen wie Parkinson?
Die Haltung, die man der Krankheit gegenüber hat, ist sehr wichtig. Wer die Erkrankung akzeptiert, geht leichter durchs Leben. Wer Einschränkungen annehmen kann, ist in der Lage, diesen eine komische Seite abzugewinnen. Wer damit hadert, wird mehr Symptome haben. Auch nicht hilfreich ist es, wer es vermeidet, darüber zu sprechen.
Bei welchen Krankheiten ist dies wirksam?
Bei Altersbeschwerden etwa. Allgemein überall da, wo es zu Einschränkungen kommt. Wenn Dinge, die man früher machte, nicht mehr möglich sind. Das trifft auch auf Parkinson zu.
Darf man Witze über Parkinson machen?
Ja, aber nur die Betroffenen selbst. Witze von anderen sind nicht lustig, sondern werden schnell verletzend.
Gibt es eine Grenze, wenn man über sich selbst lacht?
Das spüren Betroffene in der Regel selbst. Wenn sie dabei fröhlich bleiben, ist die Grenze nicht überschritten. Aber wenn jemand das Gefühl hat, er müsse unbedingt witzig sein, obwohl ihm nicht danach zumute ist, der geht zu weit.
Woher kommt eigentlich Humor?
Humor ist ein Spiel mit Ideen. Damit spielen alle Lebewesen. Sie lernen dadurch Dinge, die wichtig sind für ihr späteres Leben. Junge Savannentiere springen zum Beispiel scheinbar übermütig und zweckfrei in die Luft und drehen dabei den Kopf. Das hilft ihnen später, einen Feind frühzeitig zu erkennen. Und auch wenn Kinder spielen, üben sie Dinge fürs Erwachsenenalter ein.
Kann Humor trainiert werden?
Ja. Es gibt etablierte Humortrainings, die gut funktionieren. Wir haben erfolgreiche Untersuchungen mit dem Training von Paul McGee gemacht. Dieses besteht aus acht Terminen mit aufbauenden Aufgaben für die Teilnehmenden. Das fängt damit an, sich an lustige Erlebnisse in der Kindheit zu erinnern, an Schulstreiche zum Beispiel. Später geht es darum, auch unter Stress Humor zu erkennen, über sich selbst zu lachen und schliesslich über Dinge, die einem peinlich sind.
Und das hilft?
Ja. Wir haben viele Trainings gemacht und die Wirkung gemessen. Die Teilnehmenden beurteilen sich danach humorvoller als vorher. Das haben die Partner oder Partnerinnen, die wir ebenfalls befragten, bestätigt. Zudem stellten wir fest, dass die Lebenszufriedenheit stieg. Das ist bemerkenswert. Wir haben nur die Humorfähigkeit trainiert, und dennoch waren die Teilnehmenden nachher auch mit ihrem Leben zufriedener.
Wie kann Humor im Alltag geübt werden?
Ein gutes Instrument ist das Humortagebuch. Darin lassen sich lustige Situationen festhalten, die man tagsüber erlebt hat. Da kommt ein Schatz an Dingen zusammen, den man dann immer wieder anschauen kann. So lassen sich positive Emotionen anregen. Das ist das Praktische an Humor: Es braucht sehr wenig, um ihn zu aktivieren. Man muss kein neues Buch lesen. Wir alle tragen Humor mit uns herum.
Wie können Angehörige oder Gesundheitsfachleute Humor einsetzen?
Da stellt sich zuerst die Frage, was sie damit erreichen wollen. Geht es darum, die Stimmung zu verbessern? Hier können sogenannte Humorinterventionen helfen. Auch wenn es darum geht, dass Betroffene sich an Therapiepläne halten oder Medikamente regelmässig einnehmen, kann Humor wirksam sein. Die Symptome zu verbessern, ist hingegen schwierig. Meist wirken Clowns, Lachseminare oder andere Aktivitäten nur kurzfristig. Was nicht heisst, dass darauf verzichtet werden soll, wenn sie vorübergehend Erleichterung verschaffen.
Dem Thema Humor und Gesundheit ist das Schwerpunktthema des Journals 1/2026 gewidmet. Der Beitrag ist auf unserer Webseite verfügbar.
Zum Schwerpunkt-ArtikelMitglied werden
Mit Ihrem Beitritt leisten Sie einen wertvollen Beitrag an unser Engagement für Betroffene und Angehörige. Unter anderem erhalten dreimal jährlich das Journal von Parkinson Schweiz.
Jetzt Mitglied werden