13. März 2018

Angehörige - Wenn es plötzlich zu viel wird

Magazin Parkinson 129/2018


Die Diagnose Parkinson betrifft mehr als eine Person. Das Umfeld, hauptsächlich der Partner oder die Partnerin, ist mitbetroffen. Bei drohender Überforderung gilt es, frühzeitig Unterstützung zu suchen.

Die Parkinsonkrankheit ist eine Herausforderung, nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen. Lebt der Betroffene in einer Partnerschaft, erleben beide den Schock der Diagnose. Die oft langsam fortschreitende Krankheit lässt den Betroffenen und Angehörigen in der Regel jedoch Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. In einer ersten Phase gilt es abzuklären, was der Parkinsonbetroffene braucht. Kann der Betroffene noch voll arbeiten? Stimmt die Einstellung der  Medikamente? Braucht er Physiotherapie? Der Fokus liegt vor allem auf den Bedürfnissen des Betroffenen.

Angehörige gefordert

Mit fortschreitender Krankheit ändert sich dieser Blickwinkel. In dieser zweiten Phase steigen mit zunehmenden Symptomen die Anforderungen an den Angehörigen; meist der Partner oder die Partnerin. Die angehörige Person übernimmt immer mehr Aufgaben, die dem Betroffenen zunehmend schwerfallen. Das Einkaufen, Kochen, Putzen. In vielen Fällen kommen Administrationsaufgaben hinzu wie Rechnungen einzahlen, Steuerformulare ausfüllen. Auch verlagert sich die Pflege der sozialen Kontakte vermehrt zum Angehörigen. Diesem obliegt es bald, das gesamte Freundesnetz zu pflegen. Irgendwann ist die stete Bereitschaft der angehörigen Person für die Bewältigung des Alltags des betroffenen Partners gefragt. Das birgt Konfliktpotenzial für die Partnerschaft.

Das tägliche Abwägen, wo die Unterstützung durch den Angehörigen nötig beziehungsweise erwünscht ist und wo nicht, ist anstrengend und anspruchsvoll. Beratungsfachleute hören von Angehörigen oft: «Ich kann eigentlich alles machen, aber alles zusammen wird mir einfach zu viel.»

Unterstützung durch Umfeld

Es ist schwierig für das nähere Umfeld von Angehörigen, die Belastung einzuschätzen und festzustellen, wann eine Erschöpfung droht. Ein Mann erzählt: «Mein Schwiegervater hat seit 30 Jahren Parkinson. Meine Schwiegermutter schafft die ganze Arbeit in letzter Zeit fast nicht mehr alleine. Wir müssen etwas ändern, wissen aber nicht wie.» Von Verwandten und Freunden gibt es unendlich viele Ratschläge. Doch den direkten Angehörigen helfen diese gut gemeinten Tipps selten. Wichtig ist es, im Einzelfall hinzuschauen: Was ist die Überlastung? Und anschliessend festzustellen: Wie kann die angehörige Person entlastet werden? Die vom Beraterteam von Parkinson Schweiz gefundenen Lösungen sind jeweils auf den einzelnen Fall zugeschnitten. Einer Angehörigen hilft beispielsweise ein freier Tag pro Woche, an dem sie unternehmen kann, was sie möchte. Ein anderer Angehöriger fühlt sich durch eine Haushalthilfe entlastet. In einem dritten Fall ist die Spitex ein Lösungsansatz. Kinder, Freunde oder Nachbarn von Angehörigen können diese bestärken, Hilfe anzufordern, oder selber konkrete Hilfe anbieten. Denn ohne Unterstützung droht einem zunehmend überlasteten Angehörigen die Erschöpfung. In dieser Situation kann es vorkommen, dass ein Angehöriger dem Betroffenen gegenüber ungeduldig wird, was die Partnerschaft stark belastet. Zudem kann die Erschöpfung zu Krankheit oder Unfall des Angehörigen führen. Je länger die Parkinsonkrankheit fortschreitet, desto mehr gilt es für Angehörige, sich selber gegenüber achtsam zu sein und die nötige professionelle Hilfezu suchen und anzunehmen. Darin kann sie ihr Umfeld bestärken.       Eva Robmann

Dateien:
magazin_129_8-10.pdf(2.28 Mi)

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