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14. Juli 2020

Sprechstunde: Magenprobleme

Neue Frage: Mein Lebenspartner – er ist 60 Jahre alt und hat seit 10 Jahren Parkinson – hat seit einiger Zeit Magenprobleme. Er erbricht und fühlt sich unwohl. Zudem wird er gegen einen tiefen Blutdruck behandelt. Seine Magenprobleme haben sich nicht gebessert, obwohl er Motilium® nimmt. Was sollen wir tun?


Magenprobleme oder Verdauungsprobleme sind ein häufiges und wichtiges Thema bei Parkinsonpatienten. Es gilt, eine gewisse Systematik bei der Abklärung und Behandlung zu verfolgen. Als Erstes sollten andere Ursachen im Magen ausgeschlossen werden, welche die Übelkeit und die Magenschmerzen erklären könnten. Hier sollte eine Magenspiegelung ins Auge gefasst werden. Bei der Magenspiegelung wird auch das Vorhandensein eines Infekts mit Helicobacter pylori abgeklärt. Ein solcher Infekt kann gut behandelt werden und wird in neuester Zeit mit einer schlechteren Aufnahme von L-Dopa in Verbindung gebracht.

Wenn diese Untersuchung keine Erklärung liefert, gilt das Augenmerk den Medikamenten und deren Nebenwirkungen. In dieser Situation ist die beste Strategie, bei einer Substanz (L-Dopa) zu bleiben und gegebenenfalls andere Parkinsonmedikamente durch L-Dopa zu ersetzen. L-Dopa hat hier sicherlich das beste Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil. Die Zugabe von Domperidon (Motilium®) in ausreichender Dosierung (3 x 10 mg/d) ist eine gute Idee, da es die Magenmotilität fördert. Die Maximaldosis von Motilium® gemäss Compendium ist 30 mg pro Tag. Im Kontext einer Gastroparese (Bewegungseinschränkung des Magens) sind teilweise auch höhere Dosen nötig (3 x 20 mg/d). Die Gastroparese ist Ausdruck der Beteiligung des vegetativen Nervensystems. Ein weiterer Hinweis, dass bei Ihrem Lebenspartner das vegetative Nervensystem relevant beeinträchtigt ist, sind die Blutdruckprobleme.

Man sollte grundsätzlich auch die Option einer Tiefen Hirnstimulation prüfen. Mit 60 Jahren und 10-jährigem Krankheitsverlauf wäre die Indikation wahrscheinlich gegeben. Der Nutzen der Tiefen Hirnstimulation wäre, dass die Medikamente reduziert werden könnten, und damit – zumindest teilweise – auch die Gastroparese. PD Dr. med. Georg Kägi, Juni 2020


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