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26. Juli 2019

Sprechstunde: Impulskontrollstörungen

Neue Frage: Begriffe wie Sucht und Rausch finden dabei reichlich und undifferenziert Verwendung. Könnte man die Nebenwirkungen nicht weniger negativ benennen? Aus Betroffenensicht müssen diese nicht nur negativ sein, oder?


Im Magazin 131 (S. 13) erschien ein Bericht über die Nebenwirkungen bei der Einnahme von Dopaminagonisten. Die zitierte Studie bestätigt die etablierte Lehrmeinung, die auch in der Auflistung von Nebenwirkungen auf den Beipackzetteln der diversen Hersteller erkennbar ist. Begriffe wie Sucht und Rausch finden dabei reichlich und undifferenziert Verwendung. Könnte man die Nebenwirkungen nicht weniger negativ benennen? Aus Betroffenensicht müssen diese nicht nur negativ sein, oder?

Spielsucht und Kaufrausch können finanziell unangenehme Folgen haben. Nicht selten verschulden sich Patienten und Patientinnen. Kreditkarten müssen gesperrt werden. Auch die Steigerung der Libido in einer Partnerschaft kann störend sein. Weil schambehaftet, werden diese unerwünschten Wirkungen der Dopaminagonisten von Betroffenen oft nicht spontan berichtet. In der Sprechstunde muss deshalb aktiv danach gefragt werden. Doch der Einwand, dass diese psychischen Nebenwirkungen auch positiv sein können, ist berechtigt.

Wenn Betroffene unter Unlust und Apathie leiden, ist die stimulierende Wirkung von Dopaminagonisten willkommen, um Unternehmenslust und Energie zu verbessern. Das ist insbesondere für diejenigen Angehörigen wichtig, für die der Interessen- und Antriebsmangel stärker belastend ist, als für die Betroffenen selbst, was häufig der Fall ist. Auch die Steigerung der sexuellen Lust kann eine Partnerschaft positiv beleben. Zudem ist die Verbesserung des Appetits bei Betroffenen mit niedrigem Körpergewicht wünschenswert. Nicht zuletzt wird die antidepressive Wirkung von Dopaminagonisten genutzt, um gezielt die Stimmung zu verbessern.

(Antwort von Prof. Dr. med. Stephan Bohlhalter)

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