Berühmter Leidensgenosse

Wilhelm von Humboldt

Wussten Sie, dass Wilhelm von Humboldt (1767–1835) der erste Parkinsonpatient war, über dessen Krankheitsgeschichte schriftliche Unterlagen bekannt sind?

Der deutsche Philosoph und Diplomat Wilhelm von Humboldt litt gegen Ende seines Lebens an einer Krankheit, die wir heute als Parkinson kennen. Bilder aus seinem Alter zeigen die typischen maskenartigen Gesichtszüge, in einer Statuette und selbst auf dem Denkmal vor der Universität in Berlin sind die für diese Krankheit charakteristischen Gesichtszüge und die vornübergebeugte Körperhaltung zu erkennen. In seinen «Briefen an eine Freundin», die er zwischen 1788 und 1835 an Charlotte Diede, geborene Hildebrand, schrieb (und die 1850 bei F. A. Brockhaus erschienen), schildert er seine Krankengeschichte und die Symptome, die ihn zunehmend plagten. Neben der detaillierten Beschreibung der Parkinson-typischen Akinese beeindrucken insbesondere seine Notizen über seine zunehmend kleiner werdende Handschrift (Mikrografie), die er im Februar 1831 mit den Worten beschreibt: «Mit dem Fehler der Hand ist es ordentlich komisch. Mein Schreiben ist eigentlich ein beständiges Bestreben, grosse Buchstaben zu machen, und das Resultat sind, wie Sie sehen, ganz kleine. Die Hand tut mir nicht weh, sie zittert nicht, aber sie gehorcht nicht dem Willen. Es liegt an den Nerven. Die kleine, aber bestimmte Bewegung, welche deutliche Schriftzüge erfordert, verlangt mehr Stärke und greift besonders die Nerven mehr an als grobe und schwere Arbeiten. Hätte ich nicht den richtigen Grundsatz gefasst, dass die einzige Möglichkeit, kleinen und stumpfen Buchstaben noch einen Grad der Deutlichkeit zu verleihen, darin liegt, möglichst jeden allein und abgesondert hinzustellen, so könnte mich schon längst niemand mehr lesen. Ich weiss nicht, ob Sie finden, dass die Schlechtigkeit meiner Hand zunimmt, ich aber bemerke es an unverkennbaren Zeichen. Es wird mir schwerer, das Lesbare hervorzubringen, und kostet immer mehr Zeit. Die Mühe würde ich schon daran wenden, aber die Zeit ist so kostbar und edel. Ich schreibe schon sehr wenig mehr, und nimmt die Schwierigkeit zu, mit der Langsamkeit verbunden, so gebe ich das eigene Schreiben ganz auf und diktiere … Was Ihnen den Eindruck gemacht, schreibe ich mehr der Methode zu, die ich angenommen habe, wie die Kinder auf Linien zu schreiben, dies hält die Züge und die Hand mehr in Ordnung. Mein Arzt schliesst aus der Wirkung der verordneten Mittel, dass die Ursache der Schwäche im Rückgrat liegt, und rät zum Gebrauch eines kräftigen Seebades… Bin sehr zufrieden, wenn die Verhinderung nicht zunimmt und nicht lästiger wird. Ebenso mit den Augen. Die meisten Leute machen sich selbst bloss durch übertriebene Forderungen an das Schicksal unzufrieden.»