Es werden immer wieder invasive Therapiemethoden diskutiert und vorgeschlagen, die nicht respektive noch nicht etabliert sind. Es muss daher ausdrücklich vor experimentellen Behandlungen, die für die Patienten potenzielle, häufig nicht abwägbare Risiken bergen, gewarnt werden, wenn diese ausserhalb von seriös geplanten und durchgeführten wissenschaftlichen Studien angewendet werden sollen. Es ist ethisch nicht vertretbar, wenn solche Behandlungen auf kommerzieller Basis angepriesen werden!

Zelltransplantation

Lange Zeit ruhten grosse Hoffnungen auf Methoden, bei denen Zellen, welche Dopamin erzeugen können, ins Gehirn Betroffener implantiert werden sollten. Bei einem dieser experimentellen Verfahren wurden Zellen aus dem Nebennierenmark der Patienten ins Gehirn verpflanzt, bei einem anderen wurden Zellen aus dem Mittelhirn von Embryonen implantiert.
Für diese Form der Zellersatztherapie konnten drei für den grundlegenden Erfolg wichtige Punkte bewiesen werden: Erstens wurde gezeigt, dass das transplantierte Gewebe überlebt. Zweitens wurde belegt, dass die transplantierten Zellen wie erhofft auch weiterhin Dopamin produzieren. Drittens nahmen die transplantierten Zellen mit anderen Hirnzellen des Transplantatempfängers (Parkinsonpatient) Kontakt auf (Vernetzung).
Allerdings zeigten zwei sehr aufwendig angelegte Studien, die in den Jahren 2001 und 2003 in den USA durchgeführt wurden, auch auf, dass diese Operation keinen eindeutigen, klinisch erkennbaren Nutzen (auch nicht im längeren Zeitverlauf) für die operierten Parkinsonpatienten bringt. Zudem zeigten die engmaschigen Kontrolluntersuchungen der in diesen beiden Studien operierten Parkinsonpatienten, dass es zu schwerwiegenden unerwünschten Effekten kommen kann. So kam es zu Fehlvernetzungen der transplantierten Zellen, es traten Abstossungsreaktionen auf und es wurden mit dieser Methode auch andere Zellen transplantiert. Nicht zuletzt gab es grosse ethische Bedenken, weil bei den Operationen verhältnismässig viel Gewebe (Zellmenge) transplantiert wurde, weshalb eine entsprechend grosse Zahl an Embryonen benötigt wurde.
Diese vielen offenen Fragen und ungelösten Probleme führten dazu, dass diese Therapieform «auf Eis gelegt» wurde.
Trotz dieser teils sehr kontroversen Meinungen der Forscher sollte aber dennoch nicht übersehen werden, dass die Medizin anhand der Erfahrungen mit der Transplantation von embryonalem Gewebe bereits viele wichtige Erkenntnisse über den Umgang mit Zellen und deren Verhalten gewonnen hat und dass mit den Transplantationsversuchen der Grundstein zur Stammzelltherapie gelegt wurde.

Stammzelltherapie

Der menschliche Körper mit seiner ganzen Vielzahl von Organen und den darin enthaltenen spezialisierten Zellen (Leber, Niere, Muskel, Knochen, Blut, Hirn etc.) entsteht aus der Verbindung von lediglich zwei Zellen (Eizelle und Samenzelle). Daher ist klar, dass die Spezialisierung der aus diesen beiden Ursprungszellen im Fortschreiten der embryonalen Entwicklung entstehenden Zellen laufend zunimmt. Je «jünger» eine Zelle im Verlauf der menschlichen Entwicklung ist, umso kleiner ist ihre Spezialisierung und in umso mehr verschiedene Organzellen kann sie sich noch entwickeln (sog. Totipotenz). Je «älter» die Zelle wird, desto stärker schwindet ihre Variabilität, bis sie letztlich vollständig spezialisiert ist, beispielsweise zu einer Netzhautzelle.
In einer noch sehr frühen Entwicklungsphase stehende Zellen, die sogenannten Stammzellen, können sich überdies selbst regenerieren. Interessant für die therapeutische Forschung ist die Tatsache, dass Stammzellen aber nicht nur im embryonalen Organismus vorkommen (embryonale, totipotente Stammzellen), sondern auch in jedem Organ des erwachsenen Menschen – sogar im Gehirn. Solche sogenannten «adulten» Stammzellen können sich ebenfalls noch in mehrere (aber eben nicht mehr in alle) Richtungen entwickeln.
Der grosse Vorteil der adulten Stammzellen ist, dass sie im Labor mit bestimmten Techniken in quasi unbeschränkter Menge vermehrt werden können. Zudem gibt es Techniken, mit denen aus solchen adulten Stammzellen ganz verschiedene Zelltypen hergestellt werden können. Adulte Stammzellen sind überdies genetisch «programmierbar» und zeigen plastische Eigenschaften, sind also sehr anpassungsfähig. Zu guter Letzt sind sie transplantierbar und dabei ethisch viel weniger bedenklich als fötale Stammzellen, weil es für ihre Herstellung und Vermehrung (wenn überhaupt) nur noch minimale Mengen embryonales Gewebe braucht.
Die denkbaren Möglichkeiten sind gewaltig. Genauso gross sind aber auch die möglichen Gefahren adulter Stammzellen.
In Bezug auf den Einsatz in der Parkinsontherapie sind überdies noch (zu) viele Fragen offen. Einerseits sterben bei Parkinson ja nicht nur die dopaminergen Neurone ab, sondern – im fortschreitenden Verlauf – auch andere Nervenzellen inner- und ausserhalb des Gehirns. Andererseits ist die Biologie der Stammzellen noch in weiten Zügen unbekannt. Wir wissen nur wenig über die Lebensdauer und das Langzeitverhalten der Zellen. Es ist weiterhin unklar, ob sie sich im Hirn der Betroffenen wirklich so vernetzen würden wie erwünscht. In Tierversuchen kam es zur unkontrollierten Vermehrung der Zellen (Tumorbildung!). Zu guter Letzt sind auch noch viele Fragen von Seiten der Transplantatempfänger unbeantwortet, etwa, ob solche Zellen andere Krankheiten übertragen oder Abstossungsreaktionen auslösen können.
Ganz wichtig zu bedenken ist aber insbesondere, dass der Ersatz der Dopamin produzierenden Stammzellen bezüglich der nicht motorischen Symptome (Verdauungsstörungen, Blasenstörungen, Depression, Schlafstörungen etc.) nutzlos ist. Ebenso wirkt die Methode nicht gegen motorische Symptome, die erfahrungsgemäss nicht auf eine Dopaminersatztherapie ansprechen (Gleichgewichtsstörungen, Sprechstörungen etc.).
Diese Therapieoption befindet sich daher noch immer in einem experimentellen Stadium, ist also für die Anwendung am Patienten noch nicht zugelassen! Gerade auf diesem Gebiet finden sich leider kommerzielle Anbieter, deren Versprechungen kaum begründet werden können, weshalb entsprechende «Angebote» sehr kritisch zu betrachten sind!

Gentherapie

Aufgrund der vielen ungelösten Probleme bei der Zelltransplantation und in der Stammzellforschung konzentriert sich eine dritte Gruppe von Forschern auf die Entwicklung gentherapeutischer Methoden. Die Idee dahinter: Durch das Einschleusen spezieller Gene kann die Funktion körpereigener Zellen, die bestimmte Stoffwechselvorgänge steuern, verändert werden. Mit anderen Worten: Mithilfe der Gentechnik sollen kranke Zellen «umprogrammiert» werden. So wäre es etwa denkbar, dass durch das Einbringen von Wachstumsfaktoren in das Gewebe der Basalganglien das Wachstum und das Überleben der dort befindlichen Nervenzellen verbessert werden könnte. Überdies ist es möglich, gesunde körpereigene Zellen so umzuprogrammieren, dass sie Dopamin produzieren. Dies ist ausgehend von Hautzellen im experimentellen Stadium bereits geglückt (sog. induzierte, pluripotente Stammzellen oder iPS-Zellen). Grösster Vorteil dieser Methode: Weil dabei körpereigene Zellen des Erkrankten verwendet werden, besteht praktisch kein Abstossungsrisiko.
Auch die Gentherapie befindet sich noch immer in einem experimentellen Stadium, ist also für die Anwendung am Patienten noch nicht zugelassen! Bis die therapeutische Wirkung der Therapien zweifelsfrei belegt ist und die entsprechenden Methoden sicher genug sind, um beim Menschen eingesetzt werden zu können, wird es noch Jahre dauern.

Gamma-Knife und fokussierter Ultraschall

Wie im Fall der Zelltransplantationen ist es auch um die während geraumer Zeit vielfach diskutierte Behandlung von Parkinsonpatienten mit dem Gamma-Knife («Gamma-Messer»), mit dem ohne Eröffnen des Schädels mithilfehoch dosierter Gammastrahlen Gewebe in präzise umschriebenen Hirngebieten zerstört werden kann, wieder ruhig geworden. Indes macht neuerdings die Behandlung mit fokussiertem Hochenergie-Ultraschall von sich reden. Dabei können ohne Narkose, ohne Eröffnen des Schädels und ohne ionisierende Strahlen ebenfalls kleine Hirnareale, die mittels Magnetresonanztomografie angesteuert werden, durch Wärme zerstört (koaguliert) werden. Auch diese Methode befindet sich aber aktuell noch im Stadium der experimentellen Forschung und sollte nur im Rahmen seriöser Studien an universitären Zentren und durch interdisziplinäre Teams durchgeführt werden. Ob sich diese Methode in der Therapie des IPS durchsetzen wird, ist derzeit noch offen – insbesondere, weil die mit dem fokussierten Ultraschall erzeugten Läsionen irreversibel sind, was einen gewichtigen Nachteil zur reversiblen THS darstellt. Überdies fehlen im Gegensatz zur THS auch noch Studien zur Langzeitwirkung und zu möglichen langfristigen Nebenwirkungen dieser Methode.