Sprechstunde

Parkinson im Alltag

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Was tun bei Feinmotorikstörungen im Alltag?

Trotz meiner gut eingestellten medikamentösen Therapie bereiten mir diverse manuelle Tätigkeiten im Alltag (z.B. Hemd zuknöpfen, Tastatur meines Natels benützen) Mühe. Gibt es spezifische Übungen, um die Feinmotorik zu verbessern?

Die dopaminerge Behandlung ist sicher primär die richtige Therapie. Sie wirkt gezielt auf die primären motorischen Parkinsonsymptome, wie die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese), den Rigor (Steifheit) und das Zittern (Tremor). Jedoch ist die medikamentöse Behandlung nicht immer ausreichend, um die bestehenden Störungen der Feinmotorik aufzuheben – sowohl für die weniger betroffene als auch für die mehr betroffene Körperseite.
In der Ergotherapie werden feinmotorische Schwierigkeiten im Alltag gezielt analysiert und behandelt. In der Evaluation wird geprüft, inwieweit die Handkraft und auch die feinen alternierenden, koordinierten Fingerbewegungen vorhanden sind. Anhand dieser Analyse können dann spezifische Feinmotorikübungen instruiert werden, die auch später zu Hause durchgeführt werden können. Das typische Kleinerwerden der Handschrift (Mikrografie) kann mittels visueller Hilfen (vorgegebene, auseinanderlaufende Linien auf einem Blatt Papier) trainiert werden. Zudem können verschiedene Hilfsmittel den Alltag erleichtern.    Dr. phil. Tim Vanbellingen

Reisen mit Parkinson

Mein Mann leidet seit sechs Jahren an Parkinson und ist medikamentös gut eingestellt. Nun wollen wir in die USA (Ostküste) reisen. Was müssen wir bezüglich der Medikamenteneinnahme-Zeiten (Zeitverschiebung) beachten?

Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, wie häufig die Medikamenten-Einnahmezeiten sind und damit verbunden wie regelmässig die Medikamentenwirkung ist. Nach sechs Jahren Erkrankung ist zu erwarten, dass die Wirkung der Medikamente bereits schwankt, das heisst, die Beweglichkeit vor der nächsten Einnahme jeweils nachlässt. Die Zeitverschiebung an der Ostküste der USA beträgt sechs Stunden. Die Bettzeit verschiebt sich entsprechend nach hinten. Bei relativ geringen Schwankungen der Beweglichkeit mit drei bis vier Einnahmezeiten pro Tag reicht es deshalb wahrscheinlich aus, am Reiseort einmalig vor dem späteren Zubettgehen eine zusätzliche Dosis einzunehmen. Danach können die Medikamenten-Zeiten mit dem gewohnten, an die Zeitzone angepassten Rhythmus fortgeführt werden.

Bei der Rückkehr ist die Nacht kurz, sodass die Einnahme der ersten Dosis einfach früher erfolgt als gewohnt. Sind die Intervalle der Einnahmezeiten kürzer (alle 2–3 h), ist eine Anpassung an die Zeitzone weniger entscheidend. Die Einnahmezeiten folgen unverändert vor allem den Schwankungen der Beweglichkeit. Eine Absprache mit dem behandelnden Arzt ist gegebenenfalls zu empfehlen. Die Medikamente (inkl. rasch wirksame in löslicher Form) sollten auf Reisen griffbereit im Handgepäck mitgeführt werden. PD Dr. med. Stephan Bohlhalter

Zweitmeinung eines anderen Arztes einholen

Ich habe seit sieben Jahren Parkinson und komme einigermassen zurecht. Dennoch habe ich bei meinem Neurologen das Gefühl, er tue nicht genug. Ich habe nichts Konkretes gegen ihn, aber denke darüber nach, eine zweite Meinung einzuholen. Was meinen Sie als Arzt dazu? Wäre unser Vertrauensverhältnis damit zerstört?

Gegenseitiger Respekt und Vertrauen zwischen Arzt und Patient sind für den Behandlungserfolg unabdingbar. Die Beziehung mit Ihrem Neurologen – wie auch die Resultate der Behandlung – sind offensichtlich gut. In diesem Fall plagen Sie sich vielleicht mit der Frage, ob Sie genug gegen Ihre Krankheit tun (... und ob eine andere Medikation nicht besser wäre?). Dieses Gefühl entspricht einer normalen psychologischen Reaktion auf die Krankheit, die wir Ärzte gut kennen. Ich bin überzeugt, dass Ihr Neurologe das Bedürfnis nach einer Zweitmeinung verstehen wird, wenn Sie das Thema offen diskutieren.  Dr. med. Fabio Baronti

Medikamenteneinnahme verschieben

Ich (68) habe seit meinem 63. Lebensjahr Parkinson. Ich will abends gelegentlich ausgehen, traue mich aber nicht, weil sich abends mein Zustand manchmal verschlechtert. Könnte ich eventuell die Medikamente später nehmen oder die Dosis leicht erhöhen?

Tageszeitliche Fluktuationen der Beweglichkeit mit Verlangsamung (Bradykinese) oder verstärktem Zittern sind umso häufiger und ausgeprägter, je länger die Krankheit dauert. Bei Ihnen, nach fünf Jahren Krankheit, sind sie also nicht ungewöhnlich. Abendliche Verschlechterungen können sehr wohl mit dem Einnahmemodus der Medikamente zusammenhängen. Zur genauen Beurteilung müsste ich wissen, welche Medikamente sie wann am Tag einnehmen und welche Symptome die abendlichen Verschlechterungen hervorrufen. Es sollte nach erst 5 Jahren Krankheitsdauer möglich sein, die abendliche Symptomzunahme positiv zu beeinflussen – sei es durch Veränderung des Einnahme-Rhythmus, durch eine zusätzliche abendliche Medikamentendosis, oder durch abendliche Dosiserhöhung. Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Auto fahren mit Parkinson

Ich bin kürzlich mit dem Auto in eine Polizeikontrolle geraten. Der Polizist sah meine – durch den Stress verstärkten – Dyskinesien und liess mich nicht mehr weiterfahren. Jetzt muss ich eine Fahrtauglichkeitsprüfung ablegen. Ich fahre seit über 30 Jahren unfallfrei. Kann man mir wegen Parkinson die Fahrerlaubnis entziehen?

Es gibt in der Schweiz meines Wissens keine gesetzlichen Bestimmungen oder Gerichtsurteile, die sich allgemein mit der Fahrtauglichkeit von Parkinsonpatienten befassen. Das Schweizerische Strassenverkehrsgesetz sagt lediglich aus, dass der Führer eines Motorfahrzeugs über eine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügen muss, die zum Führen eines Motorfahrzeugs ausreicht.
Die parkinsonsche Krankheit kann aus verschiedenen Gründen zu einer Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit führen. Als Beispiele seien die verlangsamten Bewegungen, ein starkes Zittern, ausgeprägte Überbewegungen (Dyskinesien) oder eine Verminderung der geistigen Fähigkeiten erwähnt. Ausserdem können die Medikamente zum Auftreten von Schlafattacken führen, die sich am Steuer verheerend auswirken können. Im Einzelfall ist es manchmal schwierig zu entscheiden, ob die Fahrtauglichkeit noch gegeben ist oder nicht. Gelegentlich können dann eine Untersuchung am Fahrsimulator und/oder eine Probefahrt mit einem erfahrenen Fahrlehrer oder mit einem Experten weiterhelfen.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Magnetfelder

Ich habe mir eine Magnetfeldmatratze gegen meine Rückenschmerzen gekauft. Die sind jetzt besser geworden, aber ich habe den Eindruck, mein Parkinson verschlechtert sich. Hat das Magnetfeld einen Einfluss auf das Gehirn?

Mir sind keine Studien bekannt, die einen Einfluss der Magnetfeldmatratze auf das Parkinsonsyndrom, sei er in positiver oder in negativer Richtung, beweisen. Persönlich halte ich eine Wirkung auf die Parkinsonsymptomatik für unwahrscheinlich.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Alkoholgenuss

Hat moderater Genuss von Alkohol einen Einfluss auf die Wirksamkeit meiner Medikamente und auf die allgemeine Befindlichkeit?

Die Wirkung der Parkinsonmedikamente wird durch Alkohol etwas reduziert. Es scheint aber, dass dieser Effekt individuell stark verschieden ist. Viele Patienten berichten, dass sie auch kleine Alkoholmengen nicht mehr ertragen, während andere keine Änderung gegenüber früher bemerken.
Alkohol kann dazu führen, dass unsere Bewegungen ungeschickter werden. Am deutlichsten wird dies in einer Unsicherheit beim Gehen und Stehen oder in einer undeutlicheren Sprache erkennbar. Bei Parkinsonpatienten, die ohnehin schon Probleme mit dem Gleichgewicht haben, können schon kleine Alkoholmengen zu einer Zunahme der Sturzgefahr führen. Dies kann auch zunehmen, weil die nötige Vorsicht beim Gehen vergessen wird. Im Weiteren führt Alkohol zu einer Verlangsamung der Reaktionen, was sich bei Parkinsonpatienten besonders stark auswirken kann.
Daraus soll nicht auf ein generelles Alkoholverbot für alle Parkinsonpatienten geschlossen werden. Der Alkoholgenuss soll sich aber je nach Verträglichkeit in engen Grenzen halten und vor dem Führen eines Motorfahrzeugs soll er ganz unterlassen werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Leichter Umdrehen im Bett

Ich habe nachts, besonders in den frühen Morgenstunden, grosse Mühe, mich im Bett zu drehen. Manchmal kann ich auch nicht aufstehen. Gibt es da Hilfe?

Besprechen Sie sich mit Ihrem Neurologen, da lässt sich vermutlich mit einer Anpassung der Medikamente abends die Situation entschärfen. Viele Parkinsonbetroffene klagen über dieses Übel. Probieren Sie es mit einem seidenen Pyjama oder betten Sie ein Stück Seide als Unterlage ein. Vermeiden sie Kunstfasern als Unterlage, da sie sonst nur mehr schwitzen. Gute Dienste könnte auch eine Ausstiegshilfe (Foto), in Form einer Stange, an der Seitenkante des Bettes montiert, leisten. Üben Sie das Drehen im Bett, in Phasen guter Beweglichkeit, nach folgendem Ablauf: Aus der Rückenlage ziehen Sie die Beine an und lassen diese zur Seite hin kippen; geben Sie nun den Arm zur selben Seite wie Ihre Knie, die Drehung wird nun einfacher. Visualisieren Sie diesen Bewegungsablauf immer wieder.  Helen Fuchser Möhl, diplomierte Pflegefachfrau

Ergotherapie

Bei Parkinson ist immer wieder von Ergotherapie die Rede. Was ist das genau und was kann es bei Parkinson leisten?

Ergotherapie will durch gezielt ausgeübte und eintrainierte Aktivitäten eine Verbesserung verschiedener, vor allem motorischer Funktionen und evtl. auch eine Schmerzlinderung erzielen. Diplomierte Ergotherapeutinnen sind Experten für Alltagsaktivitäten. Sie analysieren die Tätigkeiten und den Behinderungsschwerpunkt von Patienten im Alltag, stimmen die Tätigkeiten auf die erhaltenen Funktionen ab und trainieren Handlungsabläufe. Je nach Notwendigkeit unterstützen sie diese Aktivitäten durch Anpassung der Umgebung (Stühle, Tische, Werkzeuge, Bett etc.) und/oder spezifische Hilfsmittel. Durch Einsatz verschiedener Behandlungskonzepte auf neurophysiologischer, neuropsychologischer und/oder psychosozialer Grundlage und unter Anwendung handwerklicher, gestalterischer sowie spielerischer Techniken werden Patienten aller Altersstufen gefördert. Elementar ist das Üben lebenspraktischer Tätigkeiten. Durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten soll dem Patienten eine möglichst grosse Selbstständigkeit und Handlungsfreiheit im Alltag ermöglicht werden. (z.B.: Wasch-Anziehtraining mit Schlaganfallpatienten oder Förderung der Wahrnehmung bei entwicklungsverzögerten Kindern). Gerade auch bei Parkinsonpatienten kann durch spezifische Übungstherapie die individuell sehr unterschiedlich gelagerte Behinderung reduziert werden.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Atmungsorgane

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Geruchssinn

Ich habe seit einem Jahr Parkinson. In letzter Zeit merke ich, dass sich mein Geruchssinn immer mehr reduziert. Hat das mit Parkinson zu tun und kann man das behandeln?

Die bei Morbus Parkinson bereits 1975 beschriebenen Geruchssinnstörungen haben bis vor kurzem wenig Aufmerksamkeit erhalten. Heute wissen wir aber, dass ca. 90  Prozent der Patienten davon betroffen sind – auch wenn sich nur jeder Fünfte dessen bewusst ist. Sie treten sehr früh im Verlauf auf und werden von den Medikamenten kaum beeinflusst. Da die Zunge lediglich süss, salzig, sauer und bitter erkennen kann, verursacht ein Verlust des Geruchssinns auch eine deutliche Abnahme des Geschmackssinns. Dies kann zu einer ungenügenden Nahrungsaufnahme führen. Zudem sind manche Betroffene kaum motiviert, ein Restaurant zu besuchen, was ihr soziales Leben ungünstig beeinflusst. Leider sind mir keine wirksamen Massnahmen bekannt.  Dr. med. Fabio Baronti

Asthma

Mein Gatte, 75, leidet seit 2002 an Parkinson, dazu an einer chronischen Bronchitis mit Asthma. Dieses hat sich seit Mai 2004 drastisch verschlechtert, mit zunehmenden akuten Anfällen. Im Februar hatte er erneut eine Broncho-Pulmonitis, seitdem ist das Asthma noch schlimmer geworden. Kann dies mit Parkinson zusammen hängen?

Die parkinsonsche Krankheit verursacht in der Regel keine asthmatischen Störungen. Wie oben erwähnt, kann Parkinson ähnliche Beschwerden verursachen. Das ist aber wahrscheinlich bei Ihrem Ehemann, der seit längerer Zeit unter Asthma leidet, nicht der Fall.
Die krankheitsbedingte Verminderung der Brustkorbmobilität kann das Risiko von wiederauftretenden Lungenentzündungen erhöhen. Mit Abstand die häufigste Ursache sind jedoch Schluckstörungen. Beobachten Sie Ihren Mann beim Essen und Trinken: verschluckt er sich, so könnte eine Abklärung und evtl. Behandlung bei einer guten Logopädin oder einem HNO-Spezialisten hilfreich sein. Es muss erwähnt werden, dass einige Antiparkinsonmedikamente (vor allem die Ergot-Derivate: Parlodel, Cripar, Dopergin, Permax und Cabaser) sehr selten zu Atemschwierigkeiten führen können. Diese Möglichkeit sollte mit dem behandelnden Arzt diskutiert werden.  Dr. med. Fabio Baronti

Erstickungsangst

Meine Mutter hat seit einiger Zeit Probleme mit der Atmung. Ihr Herz ist in Ordnung, aber sie schläft schlecht und hat Erstickungsangst. Sie ist 73 und lebt im Altersheim.  Was können wir für sie tun?

Erstickungsängste sind leider bei Parkinsonbetroffenen nicht selten. Atemschwierigkeiten können im Rahmen der parkinsonbedingten Starre auftreten. In diesem Fall sollte eine Verbesserung nach jeder Einnahme der Antiparkinsonmedikamente beobachtet werden können. Die Steifheit der Atemmuskulatur ist nicht gefährlich, aber äusserst unangenehm und verursacht oft Todesängste, die in einem Teufelskreis die ursprünglichen Beschwerden verstärken können.
In enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt sollte die Möglichkeit diskutiert werden, bei einer solchen «Krise» probeweise die Wirkung einer kleinen Dosierung Levodopa (z.B. Madopar Liq. 62,5 mg – 125 mg) oder eventuell von Benzodiazepinen (Beruhigungsmittel) zu beobachten. Selbstverständlich müssen vor einem solchen Prozedere internistische – insbesondere das Herz betreffende – Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen werden.  Dr. med. Fabio Baronti

Bewegung und Sport

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Nordic Walking

Ich – weiblich, 68 Jahre alt, seit sechs Jahren an Parkinson erkrankt – lese immer wieder, dass Laufen / Nordic Walking für Parkinsonpatienten besonders gut sei.  Gibt es hierzu auch Studien?

Fast alle Parkinsonpatienten bekunden Probleme beim Gehen: Die Bewegung verläuft nicht mehr flüssig, die Schritte werden kleiner, der Gang «schlurfend» und manchmal können die Betroffenen einen Schritt überhaupt nicht beginnen: Sie bleiben dann wie angewurzelt stehen (Freezing). Da bei Parkinson zudem das Gleichgewicht gestört ist (posturale Instabilität) haben die Betroffenen ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko.
Eine Möglichkeit, die Beinkoordination zu verbessern und die Ganghypokinese zu lindern, sind regelmässige Gehübungen. Dies kann auf einem normalen Spaziergang erfolgen, beim Nordic Walking – wobei die Stöcke zusätzliche Sicherheit verleihen – oder auf dem Laufband. Erst kürzlich analysierte ein Team um Professor Jan Mehrholz von der Klinik Bavaria in Kreischa für die Cochrane Library (Cochrane Database 1/2010) acht Studien zum Laufbandtraining bei Parkinson. Gesamthaft nahmen daran rund 200 moderat betroffene Patienten teil. Diese trainierten während vier bis acht Wochen je vier bis fünf Mal wöchentlich. 
Resultat der Analyse: In fünf Studien verbesserte sich die Schrittlänge um 6 cm. In ebenfalls fünf Studien stieg die Schrittgeschwindigkeit um 15 cm pro Sekunde. In zwei Studien nahm die Wegstrecke pro Trainingseinheit um 360 Meter zu. Keine der acht Studien konnte einen Effekt auf die Schrittfrequenz nachweisen und über die Dauer der insgesamt recht bescheidenen Effekte liegen keine Daten vor. Andrerseits förderte aber auch keine der Studien negative (schädliche) Effekte des Lauftrainings zutage.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin 

Wie wichtig ist regelmässige Bewegung?

Wie bedeutsam ist regelmässige Bewegung für eine Person mit Parkinson? Hat sie einen positiven Effekt auf die Wirkung irgendwelcher Medikamente und hilft sie, die Mobilität zu verbessern?

Sie können sich sicher gut vorstellen, dass das Motto der Schweizerischen Parkinsonvereinigung nicht umsonst lautet: ”Wir bleiben in Bewegung”. Regelmässige, tägliche, besser mehrmals tägliche Bewegung (Spaziergänge, Turnen, Heimgymnastik, Treppensteigen, usw.) gehören zu den wichtigsten Massnahmen der „Langzeittherapie¨ bei der Parkinsonkrankheit. Sie verbessert die Mobilität, verhindert Gelenk-, Sehnen- und Muskelkontrakturen, verbessert die Blutzirkulation, beugt Thrombosen vor und verbessert die Hautelastizität. Schlussendlich “befreit und beflügelt Bewegung auch den Geist”. Direkten Einfluss auf die Wirkung der Medikamente hat sie wahrscheinlich nicht – was aber deren Bedeutung keineswegs schmälert!  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Wieviel Sport ist noch gut?

Ich lese immer wieder, Bewegung und Sport seien bei Parkinson ganz wichtig. Nun sagte der Neurologe zu meinem Vater (59, seit drei Jahren erkrankt), der sich im Fitnesscenter, mit Nordic Walking und Schwimmen fit hält, er solle nicht zu viel Sport treiben, weil dadurch die Dopaminspeicher entleert würden. Was stimmt denn nun?

Die Argumentation mit den Dopaminspeichern ist sicher zu simpel und so nicht haltbar. Der Mensch wird ja auch nicht umso dümmer, je mehr er denkt. Ich habe in meiner jahrzehntelangen Beobachtung von Parkinsonpatienten noch nie erlebt, dass mehr Bewegung die Symptomatik verschlechtert – im Gegenteil. Und auch die Forschung zeigt, dass regelmässige Bewegung bei Parkinsonpatienten die Beweglichkeit und damit Selbstständigkeit, Stimmung und Wohlbefinden verbessern.
Die Geriatrieforschung zeigt zudem, dass ältere Menschen (auch gesunde) mehr tun müssen als Junge, um dem mit dem Älterwerden eintretenden Knochen- (Osteoporose) und Muskelschwund (Sarkopenie) zu begegnen bzw. vorzubeugen. Bewegung schützt vor Osteoporose, Muskelschwäche (Sturzgefahr!), Arteriosklerose, Demenz und wirkt antidepressiv. Gerade bei Parkinson wo die Bewegungsautomatismen «eingefroren» sind und immer wieder angekurbelt, trainiert werden müssen ist regelmässige, konsequente Bewegung enorm wichtig. Daher soll sich Ihr Vater weiterhin fit halten. Wie weit er bei seinem Training  gehen darf, sagt ihm sein Körper selbst: Solange er sich wohlfühlt und keine Schmerzen hat, ist alles gut.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Hilft die Power Plate gegen Parkinson?

Mein Vater erhielt vor einigen Monaten die Diagnose Parkinson. Ein Kollege empfahl ihm, sich eine «Power Plate» anzuschaffen. Gibt es Erfahrungen damit? Ist die Anschaffung eines solchen Gerätes sinnvoll?

Meines Wissens gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine Wirksamkeit des Geräts bei Parkinson nachgewiesen hätten. Es ist zwar durchaus möglich, dass einzelne Patienten die Anwendung eines solchen Geräts als angenehm und wohltuend empfinden. Dies ist aber kein Beweis dafür, dass die Krankheit dadurch positiv beeinflusst wird. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass es, wenn es auch nichts nützen sollte, doch sehr wahrscheinlich auch keinen Schaden anrichtet. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er bereit ist, für eine unsichere Sache einen finanziellen Aufwand zu riskieren.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Power Plate

Ich erhielt im September 2007 die Diagnose Parkinson. Nun möchte ich wöchentlich zweimal für 10 Minuten auf die «Power Plate» gehen, um die Muskelkraft zu stärken. Bestehen bei Parkinson in dieser Anwendung Erfahrungswerte?

Das «Power Plate» ist ein Gerät, das nicht selten in Schönheits- und Fitnesszentren angewendet wird. Es ist eine Vibrationsplattform, deren dreidimensionale (nach oben, unten und seitwärts) Schwingungen Muskelkraft und Haltereflexe verbessern und den Körperfettanteil reduzieren sollten. Das Gerät hat guten Erfolg: Laut Hersteller wurde es als «bestes Schönheitsgerät» und als «bestes Antialterungsgerät» gekrönt!
Es gibt aber keinerlei Beweise, dass es Vorteile bei Parkinsonbetroffenen ausübt – bei Frauen besteht vielleicht aber die Hoffnung, durch das Training der Cellulitis entgegenzuwirken. Es gibt andererseits keine bekannten Kontraindikationen bei Parkinson, sodass das Anwenden dieses Geräts unbedenklich sein sollte. In der Schweiz wird seit einigen Jahren eine andere Vibrationsplattform (Zeptor) in Kliniken und anderen medizinischen Institutionen angewendet, die spezifische Vorteile bei Parkinson haben soll, vor allem bei der Verbesserung der Haltereflexe. 2009 wurde eine kontrollierte Studie durchgeführt: Zwei Gruppen von Parkinsonpatienten wurden gefragt, auf die Plattform zu stehen; nur bei einer der Plattformen wurde aber die Vibration eingeschaltet. Leider war die Auswirkung dieser «Übung» in beiden Gruppen identisch, was gegen eine therapeutische Wirkung der Vibration auf die Parkinsonsymptomatik spricht. Nach Meinung der Studienautoren entspricht der wohltuende Effekt, den einige Betroffene nach der Vibrationstherapie beschreiben, lediglich einem Placeboeffekt.  Dr. med. Fabio Baronti 

Schwimmen mit Parkinson

Ich leide seit 12 Jahren an Parkinson und würde gerne schwimmen, traue mich aber nicht. Eigentlich geht es mir einigermassen gut, ich habe keine schwerwiegenden Blockaden. Ist Schwimmen für Parkinsonkranke gefährlich?

Eigentlich nicht mehr als für Gesunde. Falls Sie des Schwimmens kundig sind, gibt es keinen Grund dies nicht zu tun. Im Gegenteil. Sie wissen ja: Bewegen ist einer der wichtigsten Therapiegrundsätze der Parkinsonkrankheit («Wir bleiben in Bewegung»). Sie können in geringer Wassertiefe schwimmen, wo Sie jederzeit abstehen können, wenn Sie ermüden. Sie sollten aber in Begleitung einer schwimmkundigen Person Ihre Schwimmübungen machen.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Hobbys aufgeben wegen Parkinson?

Einer meiner Freunde hat mir geraten, jetzt, da ich Parkinson habe, alle meine geliebten Aktivitäten, wie Tanzen, Wandern, Radfahren und Gartenarbeit, aufzugeben. Ich müsse mich schonen. Ein anderer Freund widerspricht vehement und meint, es wäre im Gegenteil besser für mich, meine Hobbys auch weiterhin aktiv zu pflegen. Wer hat recht?

Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, Ihre Hobbys aufgrund Ihrer 
Parkinson­erkrankung aufzugeben! Nahezu jede Form von körperlicher Aktivität, die Sie ausüben und offensichtlich auch geniessen, fördert Ihre Beweglichkeit und verleiht Ihnen ein gutes Lebensgefühl. Wichtig ist, dass Sie die Aktivitäten gefahrlos und ohne unnötigen Kraftaufwand betreiben. Sie ziehen Nutzen daraus auf verschiedenen Ebenen: Physisch halten Sie Ihren Körper fit, Muskeln und Gelenke in gutem Zustand. Psychisch gewinnen Sie den Genuss und das Erfolgserlebnis. Sozial kommen Sie unter Menschen, raus aus den eigenen vier Wänden. So können Sie sich – neben der Beschäftigung mit Ihrem Parkinson – auch über andere Dinge Gedanken machen, über anderes als nur die Krankheit sprechen. Wenn Sie irgendwelche Zweifel bezüglich einer Ihrer Aktivitäten haben, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.  Elisabeth Ostler

Übelkeit beim Sport - was kann ich tun?

Schon seit langer Zeit wird mir beim Skifahren oft übel. Die Einnahme des «Seekrankheitsmittels» Stugeron half mir. Seit 4 Jahren habe ich aber Parkinson – und laut der Packungsbeilage darf Stugeron bei Parkinson nicht eingenommen werden. Was soll ich tun?

In der Tat können die Kalziumantagonisten Cinnarizin (Arlevert, Cinnageron, Stugeron) und Flunarizin (Sibelium) als Nebenwirkung die Parkinsonsymptomatik verstärken oder, etwa bei Dauereinnahme, sogar erst eine solche auslösen. Ein solcher «medikamentöser Parkinson» ist zwar meist reversibel – aber nicht immer! Ich rate Ihnen daher ab, Stugeron einzunehmen – auch nicht gelegentlich, etwa nur beim Sport.
Was sind die Alternativen? Es gibt natürlich andere Medikamente gegen Reisekrankheit, sogenannte «Antihistaminika», die auch als Kaugummi erhältlich (Trawell) sind und teils mit anderen Substanzen (Vitamin B6, Koffein) kombiniert werden. Sie alle haben aber Kontraindikationen und Interaktionen, die Sie ausführlich mit Ihrem Arzt besprechen sollten. Wichtig: Antihistaminika können Müdigkeit mit Verlangsamung der Reaktionsgeschwindigkeit verursachen, was gerade beim Skifahren nicht wünschenswert ist. Überlegen Sie also genau: Brauchen Sie unbedingt Medikamente? Falls nicht: Ingwer (z. B. als Tee) hilft in vielen Fällen recht gut gegen Übelkeit.  Dr. med. Fabio Baronti

Blockaden und Fluktuationen

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Fluktuationen

Meine Frau hat seit 19 Jahren Parkinson. Manchmal glaube ich, sie schiebt ihre Krankheit vor, um Haushaltstätigkeiten nicht machen zu müssen. Einmal kocht sie für alle, dann sitzt sie wieder im Sessel und behauptet, sie könne nicht mehr aufstehen. Wenn ich sie dann dränge, schaltet sie auf stur und redet nicht mehr mit mir. So geht das doch nicht weiter!

Nein, so sollte das nicht weiter gehen. Ich kenne weder Ihre Frau noch Sie persönlich. Ich glaube aber nicht, dass Ihre Frau die Krankheit als Vorwand benutzt, sonst würde sie wohl überhaupt keine Hausarbeiten mehr machen. Nach 19 Jahren Krankheit kann ich mir eher vorstellen, dass Ihre Frau gewissen Fluktuationen unterworfen ist. Die Tatsache, dass Ihre Frau in ihren guten Phasen für alle kocht und haushaltet, beweist mir, dass sie tut, was in ihren Möglichkeiten liegt. Die Krankheit zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass die Beweglichkeit mitunter sehr wechselhaft ist. Es ist tatsächlich so, dass sie innerhalb kurzer Zeit von guter Beweglichkeit in eine Blockade fallen kann, in der sie es nicht einmal schafft selber aufzustehen. Wenn sie in dieser Phase gedrängt wird kann dies sogar noch zu einer starken Blockierung führen. Sicherlich aber fühlt sie sich unverstanden. Versuchen Sie ihr nicht übel zu nehmen, dass sie an Parkinson erkrankt ist. Versuchen Sie, sich zu freuen, wenn das Kochen gelingt. Aber anstatt sie zu drängen, wenn sie es nicht schafft, starten Sie doch einfach den Versuch, gemeinsam etwas auf den Tisch zu zaubern.  Helen Fuchser Möhl, diplomierte Pflegefachfrau

Fluktuationen 2

Ich leide seit 13 Jahren an Parkinson und war bisher mit dreimal täglich 200/50 Madopar beschwerdefrei und arbeitsfähig. In letzter Zeit ist aber eine Verschlechterung eingetreten: Manchmal kann ich mich nicht bewegen, dann habe ich unwillkürliche Bewegungen und kann nicht still sitzen. Mein Arzt erwägt, mir einen Agonisten zu geben. Ich habe aber Angst vor den Nebenwirkungen. Was würden Sie tun?

Was Sie beschreiben entspricht den typischen Komplikationen, wie sie leider fast immer nach mehreren Jahren einer medikamentösen Parkinsontherapie zu beobachten sind. Diese Wirkungsschwankungen und Blockierungen können sogar oft viel früher als bei Ihnen auftreten. Sie sind bedingt durch die intermittierende Medikamenteneinnahme und die dadurch ausgelösten wechselnd hohen Blutspiegel. Es gibt verschiedene Massnahmen, die eine gewisse Linderung bringen können: mehrere Medikamenteneinnahmen pro Tag (5 oder 6 oder mehr), aber kleinere Einzeldosen; Medikamente mit längerer Wirkdauer, etwa kombiniert mit Levodopa-Abbauhemmern (Stalevo) oder durch kontinuierliche Applikation, beispielsweise durch ein Hautpflaster (Neupro). Man muss diese einzelnen Massnahmen schrittweise ausprobieren, eventuell auch in Kombination.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Blockaden beim Essen

Mein Mann ist manchmal so blockiert, dass er nicht alleine essen kann, oder er braucht eine kleine Ewigkeit. Müssen wir damit leben?

Die Schluckfähigkeit kann bei Parkinson betroffen sein (Wangen-, Zungen- und Rachenmuskulatur). In seltenen Fällen ist das Schlucken derart gestört, dass nicht mehr ausreichend Nahrung aufgenommen werden kann und der Patient abmagert. Wenn gleichzeitig der Hustenreflex nicht ausreichend funktioniert, kann sogar Speisebrei in die Luftröhre und von dort in die Lunge gelangen, was zu einer Lungenentzündung führen kann. Die Schluckstörungen gehen mit Phasen schlechter Beweglichkeit einher, besprechen Sie mit dem Neurologen eine eventuelle Anpassung der Medikamente. Verschieben Sie die Essenszeiten in Phasen der guten Beweglichkeit. Achten Sie darauf, dass Sie immer genügend Sauce reichen, Trockenreis sollten Sie vermeiden. Die Nahrung soll weich gekocht sein. Die meisten Probleme macht die Flüssigkeitsaufnahme. Es gibt Produkte auf dem Markt, mit denen Flüssigkeiten eingedickt werden können, um das Schlucken zu erleichtern. Am besten zum Schlucken eignen sich alle halbfesten Produkte wie Cremen, Joghurt, etc. Bereitet das Schlucken der Medikamente Mühe, reichen Sie diese am besten mit Apfelmus.  Helen Fuchser Möhl, diplomierte Pflegefachfrau

Diagnose

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Diagnose Parkinson

Wie stellt man Parkinson, die «Zitterkrankheit», fest? Ist dies möglich durch das Blutbild, d. h. durch einen Blutuntersuch?

Morbus Parkinson (MP) wird ausschliesslich anhand der klinischen Symptome diagnostiziert. Die  Diagnose der Krankheit, die durch die United Kingdom Parkinson’s Disease Society Brain Bank in drei unterschiedliche Kategorien eingeteilt ist, stützt sich auf einige Einschluss- und Ausschlusskriterien:
(1) Vorhandensein typischer neurologischer Symptome (Bradykinese, einhergehend mit einem Zittern im Ruhezustand sowie Unbeweglichkeit oder posturale Instabilität), die auf ein Parkinson-Syndrom schliessen lassen. (2) Auftreten atypischer neurologischer Symptome und Ausschluss der Parkinsonsymptome als Folgeerscheinungen von z. B. Schädeltraumata oder Einnahme gewisser Medikamente. (3) Auftreten charakteristischer klinischerSymptome mit starkem Verdacht auf MP wie einseitiges Zittern im Ruhezustand, gute Reaktion auf Levodopa sowie das Entwickeln von Dyskinesien. Das konsequente Anwenden dieser Kriterien erlaubt eine Diagnose mit einer Präzision von 85 %. Fehldiagnosen treten häufig bei Patienten mit einem anderen degenerativen ParkinsonSyndrom auf, wie einer Multisystematrophie (MSA). Um die Qualität der Diagnose zu verbessern, hat die MDS (Movement Disorder Society) vor Kurzem vorgeschlagen, die Kriterien zu überarbeiten und verschiedene Biomarker wie die Analyse des Geruchssinnes aufzunehmen. In den meisten Fällen weichen diese Testergebnisse bei MP-Patienten von der Norm ab. Eine sichere Diagnose ist erst nach einer detaillierten neuropathologischen Untersuchung nach dem Tod des Patienten möglich, ausser in den seltenen Fällen, in denen die Krankheit genetisch bedingt ist. In diesen Fällen kann dank einer Blutuntersuchung mit genetischer Analyse eine pathogene Mutation mit Sicherheit als Ursache des MP bestimmt werden. Um Ihre Frage gezielt zu beantworten: Mit Ausnahme dieses Sonderfalles ist es im Moment nicht möglich, eine MPDiagnose anhand einer Blutuntersuchung zu stellen.    Prof. Dr. med. Pierre Burkhard

Zweifel an der Diagnose

Ich bin 74, mein Parkinson hat vor etwa drei Jahren zunächst mit Schwindel und dem Nachziehen des linken Beins begonnen. Jetzt gehe ich unsicher, brauche einen Stock und bin allgemein viel langsamer, auch im Denken. Mein Hausarzt hat mir ein Parkinsonmittel verschrieben, das mir aber nicht hilft. Jetzt quält mich eine Inkontinenz, mein Gynäkologe hat aber nichts gefunden. Kann man sich Parkinson auch einbilden?

Ich glaube nicht, dass man sich Parkinson einbilden kann, jedenfalls nicht so, wie diese Krankheit ein erfahrener Neurologe diagnostiziert. Es gibt aber andere Krankheiten, deren Symptome denen der parkinsonschen Krankheit ähneln, etwa Depressionen, Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Störungen der Nervenwasserzirkulation. Gerade bei diesen Krankheiten wirken die Parkinsonmittel nicht. Störungen des Denkens und des Gehens sowie eine Inkontinenz trotz guter Beweglichkeit, Geschicklichkeit der Arme und ungestörter Sprache lassen an eine Durchblutungsstörung denken. Inkontinenz an sich ist ein äusserst vieldeutiges Symptom. Am besten wenden Sie sich damit an Ihren Hausarzt oder den behandelnden Neurologen.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Diagnose «MSA-C»! Was bedeutet das?

Mein Bruder (68) erhielt kürzlich die Diagnose «MSA-C» und sein Arzt sagte ihm, diese Krankheit sei leider nicht heilbar. Stimmt das? Was genau ist MSA-C? Was können wir tun? Welche Medikamente helfen?

Die Abkürzung «MSA» steht für Multi-System-Atrophie (auf das «C» in «MSA-C» werde ich später zurückkommen). Dies bedeutet, dass mehrere Funktionssysteme im Gehirn betroffen sind, was zu einer grossen Anzahl von Störungen führen kann. Letztere können in drei Symptomkomplexe zusammengefasst werden. Der erste ist ein sogenanntes «atypisches» Parkinsonsyndrom. Im Gegensatz zum «typischen» Parkinsonsyndrom (auch: idiopathisches Parkinsonsyndrom IPS) sprechen die Einschränkungen der Bewegungen (Akinese) und die Muskelsteife (Rigor) nur sehr unbefriedigend auf die üblichen Parkinsonmedikamente an. Zudem treten Stürze schon früh im Verlauf auf und das Fortschreiten der Symptomatik ist in der Regel viel schneller. Der zweite Symptomkomplex umfasst Störungen des autonomen Nervensystems, die wir nicht oder nur teilweise durch unseren Willen beeinflussen können. Aus der Vielzahl möglicher Symptome seien hier nur Störungen der Blutdruckregulation und des Wasserlösens erwähnt. Normalerweise sinkt der Blutdruck vom Aufstehen aus dem Liegen oder aus dem Sitzen nur wenig ab. Bei diesen Patienten ist diese Regulation gestört, sodass es zu einem starken Blutdruckabfall kommen kann, was zu Schwindel und – im Extremfall – zum Bewusstseinsverlust führen kann. Bei der medikamentösen Behandlung dieser fehlenden Regulation besteht die Gefahr, dass es im Liegen zu einem erhöhten Blutdruck kommt. Normalerweise kann das Wasserlösen bei Harndrang während einiger Zeit zurückgehalten werden. Den Patienten fällt dies immer schwerer und mit der Zeit kommt es zur Urininkontinenz. Diese und andere autonome Störungen können zwar auch beim idiopathischen Parkinsonsyndrom auftreten. Sie stellen hier aber meist Spätsymptome dar, während sie bei der MSA schon früh, gelegentlich als erstes Krankheitszeichen, auftreten. Als dritter Symptomkomplex sind noch Störungen der Bewegungskoordination und des Gleichgewichts zu nennen, die vorwiegend durch einen Befall des Kleinhirns bedingt sind.
Beim einzelnen Patienten können die drei Symptomkomplexe in sehr unterschiedlicher Ausprägung und Reihenfolge auftreten. In Europa steht dabei die atypische Parkinsonsymptomatik meist im Vordergrund. Man spricht in diesen Fällen von einer «MSA-P». Bei der viel selteneren MSA-C dagegen sind Kleinhirnsymptome vorherrschend (lat. Cerebellum = Kleinhirn). Das Vollbild der Krankheit ist für den Erfahrenen zuverlässig zu erkennen. In früheren Stadien dagegen ist nicht selten eine Beobachtung von mehreren Monaten nötig, um die Diagnose zu stellen.
Leider sind unsere Therapiemöglichkeiten für die betroffenen Patienten sehr beschränkt. Die Aussage, dass die Krankheit nicht heilbar sei, trifft leider zu. Je nach Ausprägung der verschiedenen Symptome muss man versuchen, diese möglichst gut zu beeinflussen.   Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Was ist ein DaT Scan?

Ich bin 46 und zittere in Ruhe rechtsseitig an Arm und Bein. Der Arzt meint, es könnte Parkinson sein, und will einen L-Dopa-Test und einen «DaT Scan» machen. Zwar konnte er mir den L-Dopa-Test gut erklären (einmalige Testdosis mit L-Dopa und anschliessende Beobachtung der Symptome). Aber was genau ist ein DaT Scan? 

Der DaT Scan (Dopamin-Transporter-Schnittbild) ist eine funktionelle Schnittbilddarstellung bestimmter Hirnareale. Bei Parkinson lässt sich so der verminderte Dopaminstoffwechsel in den Basalganglien, speziell im Striatum, nachweisen – und zwar im typischen Fall asymmetrisch, also einseitig betont (entsprechend den einseitigen klinischen Symptomen). Es gibt verschiedene Bild-gebende Methoden, um den Neurotransmitterstoffwechsel darzustellen. Man kann z.B. die Rezeptoren des Dopamins oder dessen Transporterproteine (DaT) darstellen. Für die DaT-Scan-Methode wurde eine Substanz (123-Jod-Ioflupan) entwickelt, mit der die Transporterproteine, welche die Dopaminfreisetzenden Nervenzellen enthalten, dargestellt werden. Je mehr solche Nervenzellen vorhanden sind, umso stärker reichert sich die Substanz an, und umso «heller» wird dann das Bild an der entsprechenden Stelle.
Diese Methoden sind aufwendig, teuer und nicht spezifisch für Parkinson. Sie können nur zusammen mit den klinischen Befunden interpretiert und verwertet werden.   Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

«Normaler» Parkinson?

Ich (64) habe seit 5 Jahren Parkinson. Ich habe kaum Tremor (nur wenn ich mich aufrege), aber massiven Rigor und starke Konzentrationsschwierigkeiten. In den letzten Wochen knicken mir manchmal die Beine weg, zudem habe ich überall Schmerzen und Kreislaufbeschwerden sowie starke Schluckbeschwerden. Manchmal habe ich auchregelrechte Anfälle, die mit «Augenrollen» einhergehen. Ist das normal?

Die Parkinsonkrankheit – auch der «normale» Parkinson (idiopathisches Parkinsonsyndrom, IPS) – hat viele Erscheinungsbilder mit sehr variablen Symptomkombinationen. Daher ist es schwer, zu definieren, was «normal» ist. Das Zittern (Tremor) ist kein zwingendes Symptom des IPS. Etwa ein Viertel aller Betroffenen hat keinen Tremor. Konzentrationsstörungen können nach einigen Jahren eintreten und unterschiedlichste Gründe haben. Daher sollten sie genau analysiert werden. Auch Schmerzen sind bei Parkinson häufig. Oft treten sie schon zu Krankheitsbeginn auf, gehen parallel mit dem Rigor und sprechen dann recht gut auf die Parkinsontherapeutika an. Auch Schluckstörungen (oft im Verbund mit Speichelfluss) sind häufig. Was Sie unter Kreislaufbeschwerden verstehen, müsste ich genauer wissen;  jedenfalls sind Blutdruckabfälle mit Schwindel beim raschen Aufstehen oder längeren Stehen bei Parkinson nicht selten. Sie können durch die Parkinsonmedikamente sogar noch verschlimmert werden. Das «Einknicken» der Beine kann die Folge einer Blockade oder eines ungenügend behandelten Rigors sein. Zu den «Anfällen mit Augenrollen» müsste ich mehr wissen. Sie können Nebenwirkungen gewisser Medikamente sein. Es ist aber auch denkbar, dass bei Ihnen ein sogenanntes atypisches Parkinsonsyndrom vorliegt. Um alle diese Fragen zu klären, gibt es nur einen Weg: Besprechen Sie diese Probleme eingehend mit Ihrem Neurologen. Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Ernährung

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Alkoholgenuss

Hat moderater Genuss von Alkohol einen Einfluss auf die Wirksamkeit meiner Medikamente und auf die allgemeine Befindlichkeit?

Die Wirkung der Parkinsonmedikamente wird durch Alkohol etwas reduziert. Es scheint aber, dass dieser Effekt individuell stark verschieden ist. Viele Patienten berichten, dass sie auch kleine Alkoholmengen nicht mehr ertragen, während andere keine Änderung gegenüber früher bemerken.
Alkohol kann dazu führen, dass unsere Bewegungen ungeschickter werden. Am deutlichsten wird dies in einer Unsicherheit beim Gehen und Stehen oder in einer undeutlicheren Sprache erkennbar. Bei Parkinsonpatienten, die ohnehin schon Probleme mit dem Gleichgewicht haben, können schon kleine Alkoholmengen zu einer Zunahme der Sturzgefahr führen. Dies kann auch zunehmen, weil die nötige Vorsicht beim Gehen vergessen wird. Im Weiteren führt Alkohol zu einer Verlangsamung der Reaktionen, was sich bei Parkinsonpatienten besonders stark auswirken kann.
Daraus soll nicht auf ein generelles Alkoholverbot für alle Parkinsonpatienten geschlossen werden. Der Alkoholgenuss soll sich aber je nach Verträglichkeit in engen Grenzen halten und vor dem Führen eines Motorfahrzeugs soll er ganz unterlassen werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Glutamat

Viele Nahrungsmittel enthalten den Geschmacksverstärker Glutamat. Ich habe gelesen, dass dieses im Gehirnstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Was ist Glutamat, was bewirkt es und welche Auswirkungen kann es bei Parkinson haben?

Glutamate sind Salze der Aminosäure Glutaminsäure, die als Botenstoff (Neurotransmitter) im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. In zu grossen Mengen kann die Glutaminsäure im Gehirn aber auch eine schädliche Wirkung auf Nervenzellen haben und gar zu deren Untergang führen.
Als Eiweissbaustein ist Glutamat (in Form von Glutaminsäure) in der Natur weit verbreitet, vor allem in Milch-, Weizen-, Mais- und Sojaeiweiss. Besonders reich an natürlichem Glutamat ist Sojasauce. Glutamat wird heute vielen Lebensmitteln zur Geschmacksverbesserung und -verstärkung zugegeben. Es wirkt am besten zusammen mit Salz und ist daher oft auch in Streuwürzen oder Würzmischungen enthalten. Glutamat wird meist als Natriumsalz (Natriumglutamat, E621) verwendet, aber auch in Form anderer Salze angeboten (E620 bis E625).
Es ist sehr umstritten, ob Glutamate, die mit der Nahrung aufgenommen werden, überhaupt in relevanten Mengen ins Gehirn gelangen. Solange sie in vernünftigen Mengen aufgenommen werden, dürften sie auf das Gehirn keinen Einfluss haben. Für die Meldungen, die periodisch immer wieder auftauchen, Glutamate könnten die Parkinsonkrankheit ungünstig beeinflussen oder sogar für sie verantwortlich sein, gibt es keine Grundlagen. So fand auch die strenge amerikanische FDA  keinen Grund, Natriumglutamat als Geschmacksverstärker zu verbieten.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Wie ernähre ich mich optimal?

Ich habe in jüngster Zeit mehrfach über «Ernährungstherapien» bei Parkinson gelesen. Dabei wird von Vitaminzusätzen über eiweissarme Ernährung bis zu komplexen Diäten allerlei angepriesen. Wie wirkungsvoll sind solche Diäten? Oder anders gefragt: Wie ernähre ich mich als Parkinsonpatient optimal?

Vor allem im Internet liest man oft, dass der eine oder andere Ernährungszusatz deutliche Vorteile beim Parkinson habe. Einige Vitamine (wie etwa Vitamin C und E) könnten dank ihrer antioxydativen Wirkung das Fortschreiten der Krankheit günstig beeinflussen: Es muss aber betont werden, dass diese Annahme wissenschaftlich nicht bestätigt und zum Teil sogar widerlegt wurde. Gewisse Bohnensorten aus dem Mittelmeerraum (Vicia faba) oder Indien (Mucunia pruriens) sind zudem bekannte, reichhaltige Quellen von Levodopa – der Hauptkomponente potenter Medikamente wie Madopar und Sinemet. Einige Betroffene berichten über eine positive Wirkung dieser Nahrungsmittel; die Vorteile einer unregelmässigen Einnahme variabler Mengen «natürlichen» Levodopas zusätzlich zur Antiparkinsontherapie sind aber im Allgemeinen höchst fragwürdig.
Wie können Parkinsonbetroffene sich denn optimal ernähren? Wichtig ist (für uns alle!), eine gesunde, ausgewogene, abwechslungsreiche, mit frischem Gemüse und Früchten angereicherte Ernährung. Zudem kann die bewusste Einnahme ballaststoffreicher Nahrungsmittel (schwarzes Brot, faserreiche Gemüse, usw.) und das Trinken grosser Mengen Wasser (mind. 2 Liter pro Tag) der häufigen Verstopfungstendenz entgegenwirken – diesbezüglich kann auch die regelmässige Einnahme von Feigen, Pflaumen oder anderen, unsere Darmschleimhaut leicht irritierenden Früchten helfen. 
Eine «Parkinsondiät» gibts tatsächlich, sie ist aber nur bei den wenigen Betroffenen indiziert, die das Wiederauftreten ihrer Symptome regelmässig kurz nach der Einnahme eiweissreicher Mahlzeiten beobachten. Tatsächlich enthalten Eiweisse (vor allem tierischen Ursprungs) viele sogenannte aromatische Aminosäuren, die eine ähnliche Struktur haben wie Levodopa und mit dessen Resorption im Blut und im Hirn konkurrenzieren. Wenn viele Eiweisse im Darm vorhanden sind, wird Levodopa langsamer resorbiert. Nur bei jenen Betroffenen, die die oben erwähnten Probleme beschreiben, führt aber eine Neuverteilung der Eiweisseinnahme über den Tag zu deutlichen Verbesserungen.  Dr. med. Fabio Baronti

Fasten mit Parkinson?

Mein Mann und ich gönnen uns seit Jahren im Frühjahr eine Fastenwoche. Seit einem Jahr weiss ich, dass ich an Parkinson leide. Nun möchte ich wissen, worauf ich beim Fasten achten sollte und ob es besser ist, mehr Fleisch zu essen oder eher auf Fleisch zu verzichten? 

Es gibt keine «Parkinsondiät», deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Wir empfehlen eine ausgewogene Ernährung, bei der die Freude am Essen nicht zu kurz kommt. Wegen der bei Parkinson bekannten Neigung zur Verstopfung sollten Sie genug Ballaststoffe und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Viele Patienten neigen zur Gewichtsabnahme – führen Sie daher stets genügend Kalorien zu.
Grössere Fleischmengen (viel Eiweiss!) können die Aufnahme von Medikamenten (L-Dopa) konkurrenzieren und so deren Wirksamkeit mindern. Dies soll aber nicht heissen, dass auf die Einnahme von Fleisch generell zu verzichten sei.
Zum Fasten sind mir keine zuverlässigen Daten bekannt. Persönlich würde ich nicht grundsätzlich davon abraten. Wichtig ist, dass Sie sich dabei gut fühlen, Ihre Beweglichkeit nicht eingeschränkt wird und Sie keinen dauernden Gewichtsverlust erleiden. Sie selbst spüren am besten, was Ihnen gut tut und was nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beschränktes Fasten den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflusst.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

(D+) Galactose

In einem Parkinsontext habe ich kürzlich gelesen, dass (D+)Galactose zur Stabilisierung des Energiehaushalts beitrage und daher Parkinsonpatienten anzuraten sei. Es sei aber unbedingt darauf zu achten, dass man 100% reine Substanz einnehme. Was sagen Sie dazu?

Trotz meiner Behauptung, eine grosse Erfahrung in der Pharmakologie des Morbus Parkinson zu haben, hat mich Ihre Frage unvorbereitet getroffen: Ich hatte noch nie gehört, dass Galactose (ein für unseren Körper sehr wichtiger Zucker, der in zahlreichen Nahrungsmitteln enthalten ist) etwas mit Parkinson zu tun haben könnte. Entsprechend habe ich aktiv in der wissenschaftlichen Literatur recherchiert – und überhaupt keine Hinweise auf diesen möglichen Zusammenhang gefunden. Auf den von Ihnen zitierten Internetseiten (die von der Pharmaindustrie gestaltet sind) konnte ich lesen, dass Galactose einen positiven Einfluss auf die Frühformen von Alzheimer habe, dabei wird eine Studie aus der Universität Hannover erwähnt. Leider wurde diese Studie bisher in keiner wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert. Hingegen gibt es Hinweise, dass die Verabreichung von Galactose in Tierversuchen ein Demenz-ähnliches Verhalten produzieren kann. Entsprechend kann ich Ihnen nicht empfehlen, die von der Firma beworbenen Produkte einzunehmen.  Dr. med. Fabio Baronti

Ernährung bei Parkinson

Spielt die Ernährung bei Parkinson eine Rolle? Gibt es spezielle Diäten?

Es gibt keine spezielle Parkinson-Diät. Zudem ist es nicht möglich, mit einer bestimmten Diät das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten.
Dennoch gilt: Eine ausgewogene Ernährung und vor allem eine genügende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter pro Tag) sind die generelle Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden. Dies gilt für alle älteren Patienten und ausdrücklich auch für Parkinsonbetroffene. Letztere haben nämlich, bedingt durch den erhöhten Energieverbrauch (Tremor, Muskelanspannung, Hyperkinesien), ein erhöhtes Risiko für Unterernährung. Aufgrund der verminderten körperlichen Aktivität verlieren sie zudem schneller an Muskelmasse. Auch können die nicht seltenen Schluckbeschwerden und die motorischen Einschränkungen das Essen und Trinken erschweren und bestimmte Medikamente können Übelkeit hervorrufen. Zudem ist zu bedenken, dass eine begleitende Depression den Appetit schmälern kann. Aus diesen Gründen muss das Gewicht kontrolliert und eine Abnahme dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.
Achten Sie stets auf ausreichende Kalorienzufuhr. Die wiederholte Aufnahme kleinerer Mahlzeiten und Snacks zu bestimmten Zeiten kann beim Zunehmen helfen. Bitterstoffe (z. B. Chicorée, Grapefruit) wirken appetit- und verdauungsanregend.
Patienten mit starkem Tremor und gestörter Feinmotorik fällt das Essen leichter, wenn sie verdickte Besteckgriffe, ein Frühstücksbrett zum Aufstecken, Gefässe mit Saugfüssen, eine rutschfeste Unterlage und einen Tellerrand verwenden. Bei Schluckstörungen gilt: genug Zeit zum Essen einplanen, gut kauen, auf mundgerechte Portionen achten, auf Nahrungsmittel mit körniger, trockener oder harter Konsistenz verzichten und Mischkonsistenzen (Suppe mit Einlage oder Kekse mit Nüssen) vermeiden.
Da Parkinsonpatienten häufiger Osteoporose haben und mit den Gang- und Gleichgewichtsstörungen das Risiko für Knochenbrüche steigt, sind eine kalziumreiche Ernährung und Sonnenlicht wichtig. Essen Sie Milchprodukte. Diese enthalten neben Kalzium auch Vitamin D, das die Aufnahme von Kalzium im Darm verbessert. Joghurt enthält zusätzlich Milchsäurebakterien, welche die Verdauung unterstützen. Allerdings muss sichergestellt sein, dass die vermehrte Aufnahme von Milchprodukten (Eiweiss) nicht zu einer Störung der Medikamentenwirkung führt. Grund: L-Dopa und Nahrungseiweisse konkurrenzieren bei der Resorption im Darm miteinander, was bei empfindlichen Patienten zu Problemen führen kann. Diese sollten eiweissreiche Mahlzeiten auf den Abend verlegen und diese wenn möglich zeitlich von der Medikamenteneinnahme trennen.
Weil Verstopfung bei Parkinson häufig ist, sind eine ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeit und Bewegung sowie der Verzicht auf stopfende Nahrungsmittel wie Schokolade und Bananen anzuraten.  Dr. med. Klaus Meyer

Hautpflege

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Gerötete, schuppige Haut

Mein Mann hat seit 12 Jahren Parkinson. Seit einiger Zeit hat er gerötete, schuppige Hautstellen im Gesicht. Auch im Bart und auf dem Haarboden wachsen Schuppen. Er sieht daher immer ungepflegt aus. Wissen Sie mir einen guten Rat?

Durch eine verstärkte Talgsekretion entwickelt sich bei manchen Parkinsonpatienten ein typisches «Salbengesicht». Dieses Symptom kann durch eine gute medikamentöse Einstellung deutlich gemindert oder sogar zum Verschwinden gebracht werden. Gelingt dies nicht, ist für die Betroffenen eine sorgfältige Hautpflege unverzichtbar. Zudem ist – da meist nicht nur die Gesichtshaut, sondern auch die Kopfhaut unter abnormal starker Talgsekretion leidet – für die Betroffenen  häufiges Haarewaschen nötig, um nicht ungepflegt zu erscheinen. 
Waschen Sie das Gesicht 2 Mal täglich gründlich mit ph-neutraler Seife (z.B. Dermed-Waschlotion). Sehr wichtig ist das anschliessende Abtrocknen. Dabei rubbeln Sie die abgestorbenen Hautschuppen ab. Die Hautpflege soll mit einer Feuchtigkeitscreme (Hydrolotion), die keine oder nur wenig Parfümstoffe enthält, gemacht werden. Auf die betroffenen Hautstellen kann für die Dauer einiger Tage punktuell eine Kortison-haltige Salbe (Hydrocortison) aufgetragen werden, die der Arzt verordnen müsste.
Für die Haarwäsche benutzen Sie am besten ein Seborrhoe-Shampoo (z.B. Ektoselen). Dieses gibt es in der Drogerie.
Waschen Sie damit die Haare täglich, bis eine deutliche Besserung sichtbar ist, dann reduzieren Sie die Waschfrequenz auf jeden zweiten bis dritten Tag. Bei ungenügender Wirkung könnte Ihnen Ihr Arzt Betnovate Scalp Lotion verordnen.
Alle beschriebenen Massnahmen bekämpfen nur die Symptome. Bei Absetzen der Massnahmen, bei besonderer Belastung oder Stress wird sich die Haut früher oder später wieder verändern. Daher sollten Sie die beschriebene Hautpflege konsequent anwenden. Auf den Gebrauch der Kortison-haltigen Pflegemittel (Kortisonsalbe, Betnovate Scalp Lotion) sollten Sie allerdings nur bei Wiederaufflammen der Hautprobleme zurückgreifen.  Elisabeth Ostler, diplomierte Pflegefachfrau HF, Parkinson Nurse

Lästiger Hautausschlag

Immer wieder bekomme ich stark juckende Hautausschläge, vor allem rechts und links an den Leisten und am rechten Ellbogen. Schon oft habe ich Salben vom Arzt erhalten – doch der Ausschlag blieb. Ist er eine Folge der Erkrankung oder meiner Anti-Parkinson-Medikamente (Selegilin)?

Das Auftreten von Hautveränderungen ist bei Parkinsonbetroffenen leider keine Seltenheit. Dabei kann die Haut schuppig, salbig und oft auch leicht gerötet sein. Diese Veränderungen sind als Seborrhoische Dermatitis bekannt. Hautausschläge können aber auch die Folge einer Medikamentenunverträglichkeit sein, wobei meist der Rumpf, das Gesicht und die oberen Extremitäten symmetrisch betroffen sind. Praktisch alle Medikamente – auch Selegilin – können Hautausschläge verursachen. Allerdings habe ich in meiner langen Karriere (noch) keine Hautreaktionen nach Einnahme dieses Medikamentes beobachtet.
Es ist somit möglich, dass die von Ihnen beschriebenen Hautausschläge eine andere Ursache haben. Ich rate Ihnen, die Situation erneut mit Ihrem Arzt zu besprechen und eventuell auch einen Dermatologen zu konsultieren.  Dr. med. Fabio Baronti

Herz-Kreislauf-System

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Schwindel und Parkinson

Vor zwei Jahren erhielt ich die Diagnose Parkinson. Damals spürte ich ein Zittern im rechten Zeigefinger und im Daumen, das sich seither ausgedehnt hat. Gibt es Medikamente, die mir helfen können? Zudem leide ich seit Kurzem an Schwindelgefühlen. Gehören diese ebenfalls zu Parkinson?

Auch wenn Parkinson nicht heilbar ist, so können die Symptome dennoch sehr wirksam mit zahlreichen zur Verfügung stehenden Medikamenten behandelt werden. Die Wahl hängt von den jeweils  auftretenden Symptomen und anderen Kriterien ab. Ich rate Ihnen, einen Neurologen aufzusuchen, um die Diagnose bestätigen zu lassen und eine medikamentöse Behandlung anzufangen. Ihre erwähnten Schwindelgefühle gehören nicht zu den hauptsächlichen Symptomen von Parkinson, können aber in gewissen Situationen auftreten. Zum Beispiel kann bei fortgeschrittener Krankheit ein Gefühl von Instabilität auftreten oder es könnte sich um eine orthostatische Hypotonie handeln, d. h. ein Absinken des arteriellen Blutdrucks im Stehen. Schwindelgefühle können aber auch durch ein Problem des Innenohrs hervorgerufen werden, das nicht im Zusammenhang mit Morbus Parkinson steht. Ein Spezialist müsste den Grund Ihrer Schwindelgefühle abklären.   Prof. Dr. med. Pierre Burkhard

Schwindelgefühl

Ich habe seit sieben Jahren Parkinson und bin jetzt 8o Jahre alt. Es geht mir einigermassen gut, aber in letzter Zeit wird mir immer wieder schwindlig. Hat das mit Parkinson zu tun, und kann ich etwas dagegen unternehmen?

Es gibt mehrere mögliche Ursachen für Schwindel in Ihrem Alter. Sie sollten unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen! Der Schwindel kann durchaus mit der Parkinsonkrankheit zusammenhängen. Die Fachleute sprechen von othostatischer Dysregulation. Drei wichtige Massnahmen seien hier erwähnt: Erstens: Stellen Sie sicher, dass Sie genügend trinken, um Ihren Kreislauf aufgefüllt zu halten. Zweitens: Sie können mit gut angepassten Kompressionsstrümpfen das Absacken des Blutes in die Beine verringern. Die Strümpfe tragen Sie vom ersten Aufstehen bis zur Nachtruhe. Die Strümpfe sollten von einer Fachperson abgemessen werden. Drittens: Gewöhnen Sie sich an, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Dann ist der Druckunterschied beim Aufstehen geringer. Möglicherweise verhindern Sie so den morgendlichen Schwindel.  Elisabeth Ostler, diplomierte Pflegefachfrau HF, Parkinson Nurse

Vitamin B6 wegen Herzschwäche

Meine Mutter muss wegen einer Herzschwäche hochdosiertes Vitamin B6 einnehmen. Beeinträchtigt dieses Vitamin die Wirksamkeit von Levodopa?

Pyridoxin (= Vitamin B6) gehört wie z. B. Thiamin (= Vitamin B1) zu den wasserlöslichen Vitaminen. Diese besonderen Aminosäuren entfalten im Körper bereits in kleinsten Mengen ihre Wirkung. Sie sind für den Organismus von vitaler Bedeutung. Weizenkeime, Kleie, Bierhefe, Tomaten und Sojabohnen enthalten viel Pyridoxin. Der Tagesbedarf an Pyridoxin beträgt 0.5-1,0 mg. Zwar wird es für die optimale Funktion des Enzyms benötigt, das die Umwandlung von L-Dopa in Dopamin fördert. Exzessive Pyridoxinmengen wie bei einer hochdosierten Vitamin B6-Behandlung würden allerdings zu einer gesteigerten, frühzeitigen L-Dopa-Umwandlung führen. So stünde dem Hirn weniger L-Dopa zur Verfügung und da das bereits umgewandelte Dopamin die Blut-Hirnschranke nicht durchqueren kann, kann es das fehlende Dopamin nicht ersetzen. Durch die gleichzeitige, standardisierte Verabreichung von Carboxylasehemmer (Benzerazid im Madopar und Carbidopa im Sinemet) wird diese frühzeitige Umwandlung verhindert. Vitamin B6 in normalen Dosierungen gefährdet die Behandlung mit L-Dopa nicht. Megadosen sollte man hingegen bei gleichzeitiger Einnahme von L-Dopa eher vermeiden, um dessen Wirkung nicht zu stören.  Dr. med. Claude Vaney

Herzfunktion

Kann Parkinson Einfluss auf den Herzmuskel haben oder sonst auf die Herzfunktion einwirken?

Die parkinsonsche Krankheit hat keinen direkten Einfluss auf den Herzmuskel. Früher traten bei der Behandlung mit reinem L-Dopa gelegentlich Herzrhythmusstörungen auf. Mit den Präparaten, die mit einem Dekarboxylasehemmer kombiniert sind (Madopar, Sinemet), kommt dies aber praktisch nicht mehr vor.
Wir wissen heute, dass bestimmte Medikamente (einzelne Dopaminagonisten, insbesondere Pergolid [Permax]) zu Veränderungen an den Herzklappen führen können. Bei Patienten, die eine sehr stark nach vorne gebeugte Körperhaltung haben, kann es zu einer Einschränkung des Lungenvolumens und schliesslich zur Überlastung des Herzens kommen. Falls es bei atypischen Verlaufsformen zu einer Mitbeteiligung des autonomen Nervensystems kommt, kann auch die Herzfunktion betroffen sein.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Blutdruckschwankungen

Ich leide unter Blutdruckschwankungen. Haben meine Parkinsonmedikamente darauf einen Einfluss? Dürfte ich eventuell ein blutdrucksenkendes Mittel parallel einnehmen?

Die parkinsonsche Krankheit wie auch die Medikamente haben einen Einfluss auf den Blutdruck und dessen Regulation. Die Krankheit selbst hat einen Blutdruckabfall im Stehen durch reduzierte Muskelpumpe und Störung der Sympathikusgegenregulation zur Folge. Die dopaminergen Medikamente (Levodopa und Dopaminagonisten) führen zu einer Gefässerweiterung, die diesen Blutdruckabfall im Stehen noch verstärkt (so genannte orthostatische Hypotonie). Dieser teilweise beträchtliche Abfall des Blutdruckes im Stehen kann folgende Symptome bewirken: Schwindel, Nackenschmerzen, Hörstörungen, Stand- und Gangunsicherheit bis zum Sturz (Kollaps). Perfiderweise besteht oft aber gleichzeitig im Liegen ein erhöhter Blutdruck. Wenn Sie also den Blutdruck (nur) im Liegen messen und aufgrund erhöhter Werte blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, werden die Blutdruckwerte im Stehen (fälschlicherweise) auch gesenkt. Das verschlimmert die Beschwerden nur noch und lässt die Gefahr eines Kollapses steigen. Wichtig ist also den Blutdruck im Liegen und Stehen zu messen, bevor man über die Notwendigkeit und Art der Blutdruckbehandlung entscheidet. Besprechen Sie das mit Ihrem Hausarzt.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Blutdruckschwankungen

Ich habe seit acht Jahren Parkinson und leide an starken Blutdruckschwankungen, manchmal am selben Tag zwischen 70 und 190. Ich nehme Madopar 250, 3-mal eine halbe Tablette. Gibt es einen Zusammenhang mit Parkinson und/oder dem Medikament?

Ausgeprägte Blutdruckschwankungen sind bei Parkinson leider nicht allzu selten. Vor der morgendlichen Einnahme der Antiparkinson-Medikamente (oder wenn diese nicht wirken) werden oft hohe Blutdruckwerte gemessen. Wenn die Wirkung der Medikamente eintritt, kann der Blutdruck normale, bei einigen Betroffenen sogar niedrige Werte annehmen. Die Verabreichung von Antihypertensiva würde zu einer weiteren Senkung dieser bereits tiefen Blutdruckwerte führen und sich durch Schwindel oder «schwarz werden vor den Augen» (was auf eine ungenügende Blutzufuhr zum Gehirn zurückzuführen ist) manifestieren. Um dieser potenziell gefährlichen Situation vorzubeugen, muss vor Behandlungsstart der Blutdruck wiederholt vor und nach Einnahme der Antiparkinson-Medikamente gemessen werden. Wenn Ihre Blutdruckschwankungen keine Beschwerden verursachen, brauchen Sie nichts zu unternehmen; Sie könnten lediglich mit Ihrem Arzt die Möglichkeit einer Reduktion der eventuellen Blutdruckmedikation diskutieren. Andernfalls sollten Sie die Madopar-Dosierungen so weit wie möglich reduzieren; als zusätzliche Massnahme könnte man den Einsatz von Kompressionsstrümpfen erwägen.  Dr. med. Fabio Baronti

Herzklappen-Probleme

Ich habe gehört, gewisse Dopaminagonisten könnten das Risiko von Herzklappenproblemen erhöhen. Für welche Medikamente gilt das und worauf muss ich achten? Ich werde mit Permax behandelt.

Dopaminagonisten, die Derivate des Ergotamins (Mutterkorn) sind, können in einigen Geweben bei längerem Gebrauch bindegewebige (fibrotische) Veränderungen auslösen. Davon können auch die Herzklappen betroffen sein, was Herzfunktionsstörungen auslösen kann. Die Gefahr fibrotischer Veränderungen besteht bei den Dopaminagonisten Cabaser®, Cripar®, Dopergin®, Parlodel® und Permax®. Kein Risiko besteht bei Neupro®, Requip® und Sifrol®. Patienten, die mit einem der Risiko-behafteten Dopaminagonisten behandelt werden, müssen das Präparat aber nicht zwingend absetzten. Bei ihnen ist aber mindestens einmal jährlich eine echokardiographische Untersuchung nötig. Erst wenn diese einen Befall der Herzklappen zeigt, muss der betreffende Dopaminagonist abgesetzt und durch ein anderes Medikament ersetzt werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Hat Parkinson Effekte auf den Herzmuskel?

Bei der Parkinsonkrankheit ist ja vor allem die Motorik betroffen – also die Muskeln. Betrifft das auch das Herz?

Prinzipiell ist schon lange bekannt, dass es bei Parkinson zur Störung der vegetativen Steuerung des Herzens kommen kann. Man spricht von einer «kardialen sympathischen Denervierung». Diese führt unter anderem  dazu, dass in Belastungssituationen und bei orthostatischem Blutdruckabfall eine kompensatorische Erhöhung der Herzfrequenz ausbleibt. Es gibt aber auch «indirekte» Effekte, wie mangelnde körperliche Aktivität, im Rahmen der Parkinsonkrankheit, die zu einer Dekonditionierung des Herz-Kreislauf-Systems führen können.
Auch können manche Anti-Parkinson-Medikamente (z.B. Amantadin), besonders in Kombination mit einigen Psychopharmaka (Seroquel, SSRI, tricyclische Antidepressiva), in Einzelfällen zu Herzrhythmusstörungen beziehungsweise einer Verlängerung der Reizüberleitung im Herzen führen. Andere Anti-Parkinson-Medikamente, sogenannte «Ergot-Derivate» (Pergolid, Cabergolin etc.), können eine Fibrosierung (Schrumpfung) der Herzklappen hervorrufen, weshalb sie nur noch in Ausnahmefällen in der Parkinsontherapie eingesetzt werden. Kontrovers diskutiert werden die Ergebnisse einer Studie, laut der es Hinweise auf Häufung von Herzinfarkten und Rhythmusstörungen bei Patienten unter der Einnahme von Entacapon (in den Medikamenten Comtan und Stalevo enthalten) gibt. Dies führte aber nicht zu einer Empfehlung, diese Medikamente nicht mehr oder nur unter Beachtung besonderer Vorsichtsmassnahmen zu verabreichen.  Dr. med. Helene Lisitchkina

Hirnleistungsstörungen

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Nachlassendes Kurzzeitgedächtnis

Bei meinem Vater (71) wurde vor fünf Monaten Parkinson festgestellt. Seitdem nimmt er Madopar und jetzt zusätzlich Sifrol. Dennoch fühlt er sich müde, und was uns sehr beängstigt: sein Kurzzeitgedächtnis lässt rapide nach. Ist es möglich, dass die Medikamente so starke Nebenwirkungen haben? Was würde passieren, wenn man eines wieder absetzt?

Hier stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Parkinsonmedikamente gewisse Symptome neu erscheinen lassen können oder andere, bereits vorbestehende Störungen verstärken. So ist einerseits das Problem der Tagesmüdigkeit und des seltenen Sekundenschlafes bei der Einnahme von Dopaminagonisten (Sifrol, ReQuip und anderen), aber auch bei L-Dopa gut bekannt. Bevor allerdings diese wertvollen Substanzen für die Müdigkeit verantwortlich gemacht und gar abgesetzt werden, gilt es abzuklären, ob andere Gründe, wie ein gestörter Nachtschlaf oder ein Schlaf-Apnoe-Syndrom die Müdigkeit hervorrufen. Eine genaue Schlafanamnese durch den Hausarzt kann hier klärend weiterhelfen. Was die Konzentrationsstörungen betrifft, so darf – falls vorher nicht bereits bekannt – man bei diesen kognitiven Beeinträchtigungen von medikamentösen Nebenwirkungen ausgehen. Ich muss allerdings einräumen, dass solche Störungen auch im Rahmen des fortschreitenden Grundleidens beobachtet werden.  Dr. med. Claude Vaney

Parkinson und Demenz

Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Parkinson und Demenz? Einerseits hört man immer, es gäbe keine «Parkinson-Demenz». Andererseits liest man, eine Demenz könne als Folgeerkrankung von Parkinson entstehen – teilweise auch als Folge der Medikamente. Was stimmt denn nun wirklich?

Eine im Alltag auffällige Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten kann tatsächlich den Verlauf von Parkinson komplizieren. Dies ist aber nicht die Regel, die Mehrheit der Betroffenen muss erfreulicherweise keine grossen Einschränkungen im Alltag erwarten. Das Auftreten einer Demenz kann sowohl auf Parkinson wie auch auf eine medikamentöse Nebenwirkung zurückgeführt werden. Daher ist es wichtig, beim Auftreten der ersten Schwierigkeiten zusammen mit dem behandelnden Arzt eine Therapievereinfachung durchzuführen: Anticholinerg wirkende Medikamente (z. Bsp. Akineton, aber auch gewisse Medikamente gegen Depressionen und Harndrang) müssen abgesetzt werden, bei persistierenden Beschwerden ist eine Monotherapie mit Levodopa in den meisten Fällen empfehlenswert. Bleiben diese Massnahmen unwirksam, kann an eine krankheitsbedingte Demenz gedacht werden – der Einsatz einer spezifischen Medikation wie z. Bsp. Rivastigmin kann zu einer Linderung der Beschwerden führen.  Dr. med. Fabio Baronti

Magen-Darm-Trakt und Verdauung

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Verstopfung

Seit 4 Jahren leide ich an Parkinson. Seither bin ich zunehmend von Verstopfung geplagt. Gehört das zur Krankheit und was kann ich dagegen tun?

Es bestehen zwei Gründe, warum bei Parkinsonpatienten Verstopfung entsteht. Einerseits ist die Bewegung der Darmmuskulatur durch die Krankheit selbst verringert. Andererseits verursachen die meisten Parkinsonmedikamente eine Verstopfung. Daher klagen sehr viele Patienten über entsprechende Probleme.
Die Verstopfung kann in zwei unterschiedliche Arten eingeteilt werden: Von «Passage-Obstipation» spricht man, wenn – wie der Name sagt – der ganze Weg des Nahrungsbreis durch den Dickdarm viel zu lange dauert und dieser Brei deshalb zu fest wird. Bei der «Enddarm-Obstipation» ist hingegen die Passage (Dauer und Konsistenz) des Darminhaltes normal. Es kommt erst ganz am Ende des Weges zu Eintrocknung und Verhärtung des Stuhls. 
Für die gute Aufnahme der Medikamente ist eine geregelte Verdauung notwendig. Achten Sie daher darauf, dass Sie mindestens alle 3 Tage, besser noch alle 2 Tage, den Darm entleeren können. 
Besteht Verstopfung trotz konventioneller Massnahmen wie ausreichender Bewegung, ballaststoffreicher Ernährung und genügender Flüssigkeitsaufnahme (1,5 bis 2 Liter täglich), sollten Sie nicht zu lange zögern, ein Abführmittel einzusetzen. 
Bei Passage-Obstipation sind Stuhlweichmacher sinnvoll (z.B. Movicol, Transipeg forte). Stuhlweichmacher nimmt man regelmässig ein (1 bis 3 Mal täglich); im Unterschied zu Ausstossmitteln wie Feigensaft, Midrotee, Laxiberon und wie sie alle heissen, die alle 2 bis 3 Tage Sinn machen, um keine Gewöhnung zu provozieren. Gegen die Enddarm-Obstipation eignen sich Massnahmen, die den Enddarm befreien (Zäpfchen, Mikroclyss, Klistiere). Bei regelmässiger Einnahme eines Weichmachers erübrigen sich nicht selten alle anderen Abführmittel.  Elisabeth Ostler, Parkinson Nurse

Verstopfung

Meine Frau hat seit neun Jahren Parkinson und leidet in letzter Zeit an Verstopfung. Sie trinkt viel, dennoch wird es nicht besser. Was kann sie tun?

Verstopfung ist leider eine häufige und lästige Begleiterscheinung im Laufe der Erkrankung. Es gibt mehrere Gründe dafür. Die Fortbewegung des Nahrungsbreis im Darm geschieht mittels unwillkürlicher Muskelbewegungen, somit kann auch diese Muskulatur von Parkinson betroffen sein. Mangelnde Bewegung, als Folge der Krankheit, ist eine weitere Ursache. Achten Sie auf ballaststoffreiche Ernährung. Zum Beispiel Vollkornbrot anstelle von Weissbrot. Salat, Gemüse und Früchte sorgen für die wichtigen Ballaststoffe in der Ernährung. Wie Sie bereits erwähnt haben, kommt der täglichen Trinkmenge grosse Bedeutung zu. Es sollten mindestens 1,5 bis 2  Liter Flüssigkeit getrunken werden, vorzugsweise Wasser oder ungesüsster Tee, weniger empfehlenswert sind gesüsste Mineralwasser. Legen Sie Dörrpflaumen oder Feigen am Abend in ein Glas Wasser, am nächsten Morgen nüchtern essen und den Saft trinken. Leinsamen oder Weizenkleie sind wertvolle unverdauliche Ballaststoffe; da sie im Darm quellen, muss unbedingt genügend Wasser getrunken werden. Helfen diese einfachen Massnahmen zu wenig, muss mit sanften Abführmitteln nachgeholfen werden. Es gibt heute Produkte, die den Stuhl weicher und gleitfähiger machen. Sie sind rezeptfrei, etwa PED-Lösung, erhältlich. Besteht das Problem trotz dieser einfachen Massnahmen weiter, besprechen Sie sich mit ihrem Arzt.  Helen Fuchser Möhl, diplomierte Pflegefachfrau 

Stuhlinkontinenz - eine grosse Herausforderung

Ich bin als Pflegefachfrau in einer Spitex tätig. Einer meiner an Parkinson erkrankten Klienten leidet seit Kurzem an täglicher Stuhlinkontinenz. Können Sie mir sagen, wie ich ihm die Situation erleichtern kann?

Durchfälle bei Parkinson sind eher selten. Ich gehe davon aus, dass der Hausarzt die üblichen Ursachen von Durchfall bereits ausgeschlossen hat. Bei der von Ihnen beschriebenen Stuhlinkontinenz mit unkontrolliertem täglichem Stuhlverlust könnte es sich um sogenannten paradoxen Durchfall handeln. Das bedeutet, dass der Enddarm übervoll ist mit hartem, zu Bällen geformtem Stuhl, welcher nicht mehr spontan ausgeschieden werden kann. Der nachfolgende, noch nicht verfestigte Darminhalt fliesst zwischen diesen Kotbällen unkontrollierbar nach aussen, da der Schliessmuskel nicht mehr genügend Kraft hat, komplett zu verschliessen. Solcherart erklären sich die meisten Zustände von analer Inkontinenz bei Parkinson. Die Lösung des Problems heisst Entleeren des Enddarms (hoher Einlauf, manuelles Ausräumen). Gleichzeitig muss mit der regelmässigen Einnahme von Stuhlweichmachern (Transipeg forte oder Movicol) verhindert werden, dass der Darminhalt erneut so stark austrocknen kann. In einigen Fällen benötigen die Patienten regelmässige Einläufe, um den Enddarm zu entleeren.   Elisabeth Ostler, Parkinson Nurse

Gewichtsabnahme

Mein Mann, seit sieben Jahren Parkinsonpatient, hat seit einiger Zeit Schluckbeschwerden und verliert an Gewicht. Er wiegt bei einer Grösse von 184 cm noch knapp 69 Kilo. Sind die Beschwerden auf die Medikamente zurückzuführen oder ein Symptom der Krankheit? Sein Hausarzt konnte ihm diese Frage nicht beantworten.

Beim Schluckakt sind wir auf ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Muskeln angewiesen. Wie andere Bewegungsabläufe ist auch das Schlucken bei Parkinsonpatienten häufig gestört. In Einzelfällen kann die Störung so ausgeprägt sein, dass sich die Patienten stark beeinträchtigt fühlen und automatisch weniger Nahrung zu sich nehmen. Aber auch unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien, Dystonien) als Folge der medikamentösen Behandlung können zu einer Störung des Schluckaktes führen.
Manchmal kann man die beiden Möglichkeiten unterscheiden, indem man darauf achtet, ob die Schluckbeschwerden zusammen mit Dyskinesien am Kopf und/oder an den Extremitäten auftreten, oder aber in Zuständen allgemein schlechter Beweglichkeit. Hin und wieder sind zur Unterscheidung aber besondere Abklärungen nötig.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Magenschmerzen

Mein 82 jähriger Mann wird seit 4 Monaten wegen Parkinson mit Madopar behandelt. Er klagt über häufige Magenschmerzen. Was kann ich tun?

Störungen des Magen-Darm-Traktes mit vielfältigen Beschwerden sind bei der Parkinsonkrankheit häufig, werden aber zu wenig beachtet. 
Vor allem Schluckstörungen und Obstipation, aber auch Magenbeschwerden werden häufig angegeben. Ursachen für Magenbeschwerden sind eine gestörte Koordination zwischen Speiseröhre und Magen. Diese führt zum Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre mit Sodbrennen. Eine weitere Möglichkeit ist eine verminderte Beweglichkeit oder Kontraktion des Magens. Das führt zu einem verlangsamten Transport der Nahrung führt mit Völlegefühl und zu einer Resorbtionsstörung (Resorbtion= Aufnahme) der Medikamente.
Behandlungsmöglichkeiten bei Sodbrennen sind sogenannte Säureblocker, bei Völlegefühl Medikamente, welche die Magentätigkeit anregen wie z.B. Motilium. Es muss aber auch bedacht werden, dass die Antiparkinsonmedikamente, sowohl L-Dopa (Madopar, Sinemet) wie auch Dopaminagonisten (Ropinirol, Pergolid, Praxmipexol) als relativ häufige Nebenwirkung Magenbeschwerden bewirken können. Hier lohnt sich zusammen mit dem behandelnden Arzt evtl. eine Dosisredukton, Dosis-Fraktionierung oder die Zugabe von Motilium.
Schliesslich kann auch eine Magenstörung ohne Zusammenhang mit der Parkinsonkrankheit und deren Therapie vorliegen, etwa eine Magenentzündung oder ein Magengeschwür. Deshalb sollten sie diese Symptome ihrem Arzt melden.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Magenbrennen

Ich habe seit ein paar Wochen Magenbrennen. Nehme Sifrol und seit drei Monaten auch L-Dopa. Hat das etwas mit Parkinson zu tun?

Magenbrennen kann verschiedene Ursachen haben. Ein Zusammenhang mit Parkinsonmedikamenten ist möglich. Meist tritt diese Nebenwirkung am Anfang der Behandlung auf und sie klingt innerhalb weniger Wochen wieder ab. Es gibt zahlreiche Medikamente, mit denen Magenbrennen bekämpft werden kann. Falls ein Zusammenhang mit Parkinsonmedikamenten wahrscheinlich ist, kann die vorübergehende Einnahme von Motilium® hilfreich sein.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Magenbrennen

Ich bin 59 Jahre alt und verspüre seit einigen Wochen Magenbrennen. Ich nehme einen Agonisten und  seit einigen Wochen auch L-Dopa. Die Einstellung war problemlos, aber jetzt habe ich dieses Problem. Haben Sie einen Rat?

Im Rahmen der parkinsonschen Krankheit tritt nicht selten eine Störung der Koordination von Speiseröhre und Magen mit Reflux und Sodbrennen auf. Es ist auch denkbar, dass andere Ursachen wie zum Beispiel ein Magengeschwür oder bestimmte Medikamente für Ihre Beschwerden verantwortlich sind. Ist das Magenbrennen nur zeitweise und nicht auch nachts vorhanden, sollte in erster Linie eine Therapie mit einem so genannten Protonenpumpenblocker begonnen werden. Er wird mit grösster Wahrscheinlichkeit Ihre Beschwerden innerhalb weniger Tage beheben. Besprechen Sie das mit ihrem Hausarzt.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Medikamente

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Zunehmender Tremor

Ich habe schon viele Jahre Parkinson. In jüngster Zeit macht mir ein starkes Zittern zunehmend Schwierigkeiten.  Ich bekomme Levodopa und einen Agonisten (Sifrol). Kann man das Zittern mit einer Umstellung lindern?

Zuerst muss fachärztlich geklärt werden, ob Ihr Zittern durch die Parkinsonkrankheit bedingt ist oder nicht. Es gibt viele andere Gründe für ein Zittern. Wenn dieses bei schon mehrjährig bestehender Parkinsonkrankheit erst jetzt auftritt, müssen andere Ursachen gesucht werden. Es könnte sich auch um Spätkomplikationen der Therapie handeln. Das «Parkinsonzittern» ist typischerweise an den Händen und zwar deutlich einseitig oder nur einseitig zu beobachten. Levodopa-Präparate wirken am besten gegen das Parkinsonzittern, leider aber oft ungenügend. Nur bei jüngeren Patienten kann man einen Versuch mit dem Medikament Akineton machen. Wenn das Zittern stark, behindernd und deutlich einseitig ausgeprägt ist, sollte auch ein operativer Hirneingriff erwogen werden. Er stellt die wirksamste Therapie dar.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger 

Starker Speichelfluss ohne Akineton

Mein Arzt hat vor kurzem Akineton abgesetzt. Seither hat sich mein Zustand verschlechtert, ich zittere viel mehr und leide unter starkem Speichelfluss. Muss ich damit leben?

Akineton hat tatsächlich eine gute Wirkung auf das Zittern und den vermehrten Speichefluss bei Parkinson. Diese beiden  Symptome sind eigentlich die einzigen Gründe, dieses Medikament heutzutage überhaupt noch in der Parkinsonbehandlung einzusetzen. Denn insbesondere bei älteren Patienten kann Akineton viele unangenehme und sogar gefährliche Nebenwirkungen haben, unter anderem Verwirrtheit, Halluzinationen, Müdigkeit, Schwindel, Stürze, Harnverhalt, Magenbeschwerden, Verstopfung, Sehstörungen, trockener Mund und andere mehr. Man müsste wissen, welche Gründe Ihren Arzt veranlassten, das Akineton zu stoppen. Eventuell würden auch nur kleine(re) Akineton-Dosen genügen, um ihre Beschwerden positiv zu beeinflussen. Andererseits gibt es andere Massnahmen, um den Tremor zu lindern oder den verstärkten Speichelfluss zu bremsen. Besprechen Sie diese Probleme mit Ihrem Arzt.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Herzklappenprobleme durch Dopaminagonisten

Ich habe gehört, gewisse Dopaminagonisten könnten das Risiko von Herzklappenproblemen erhöhen. Für welche Medikamente gilt das und worauf muss ich achten? Ich werde mit Permax behandelt.

Dopaminagonisten, die Derivate des Ergotamins (Mutterkorn) sind, können in einigen Geweben bei längerem Gebrauch bindegewebige (fibrotische) Veränderungen auslösen. Davon können auch die Herzklappen betroffen sein, was Herzfunktionsstörungen auslösen kann. Die Gefahr fibrotischer Veränderungen besteht bei den Dopaminagonisten Cabaser®, Cripar®, Dopergin®, Parlodel® und Permax®. Kein Risiko besteht bei Neupro®, Requip® und Sifrol®. Patienten, die mit einem der Risiko-behafteten Dopaminagonisten behandelt werden, müssen das Präparat aber nicht zwingend absetzten. Bei ihnen ist aber mindestens einmal jährlich eine echokardiographische Untersuchung nötig. Erst wenn diese einen Befall der Herzklappen zeigt, muss der betreffende Dopaminagonist abgesetzt und durch ein anderes Medikament ersetzt werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Zahnfleischprobleme aufgrund der Medikation

Ich leide seit 3 Jahren an juvenilem Parkinson und will wissen, ob meine Medikamente Zahnfleischprobleme erzeugen können? Ich nehme Azilect, Sifrol und Sinemet.

Klagen von Parkinsonkranken über Zahn- und Zahnfleischprobleme sind nicht selten. Ähnliche Probleme treten aber auch in der übrigen Bevölkerung auf. Im Einzelfall ist es daher schwierig, zu entscheiden, ob ein Zusammenhang mit der Krankheit besteht oder nicht. Leider existieren hierzu auch keine grösseren wissenschaftlichen Studien. Die meisten der verfügbaren Studien weisen aber darauf hin, dass Zahn- und Zahnfleischprobleme bei Parkinsonkranken gehäuft auftreten. Die möglichen Ursachen sind allerdings unklar. In erster Linie wird eine reduzierte Mundhygiene als Folge der Störungen von Feinmotorik und Schluckakt vermutet. Auch eine veränderte chemische Zusammensetzung des Speichels wird diskutiert. Leider wissen wir nicht, ob dabei die Medikamente mitverantwortlich sind oder nicht. Auf jeden Fall kann kein bestimmtes Medikament direkt verantwortlich gemacht werden.
Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine klarere Antwort liefern kann. Ich kann einzig möglichst gute Zahn- und Mundhygiene (regelmässige Konsultation einer Dentalhygienikerin), empfehlen.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Isradipine

Ich habe in einem französischen Magazin über das Medikament Isradipine gelesen, das angeblich das Fortschreiten von Parkinson verlangsamen kann. Stimmt das? Kennen Sie dieses Medikament? Gibt es Isradipine auch in der Schweiz?

Isradipine ist ein so genannter Kalziumantagonist zur Behandlung von Bluthochdruck. In der Schweiz ist die Substanz unter dem Namen Lomir® im Handel.
In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass Isradipine möglicherweise das Fortschreiten der Parkinsonkrankheit hemmt. Solange keine Resultate von Studien an Menschen vorliegen. kann aber nicht gesagt werden, ob die erhoffte Wirkung auch bei Menschen eintritt oder nicht. In den letzten 30 Jahren wurden immer wieder Behandlungen beschrieben, von denen man sich eine neuroprotektive Wirkung versprach, also eine Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit. Leider konnte bisher nie ein schlüssiger Beweis für die Wirksamkeit einer dieser Behandlungen erbracht werden und die meisten stehen heute auch nicht mehr zur Diskussion. Ich glaube daher, dass es zu früh ist, die Einnahme von Isradipine zu empfehlen. Dafür benötigen wir zuerst verlässlichere Daten.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Hat unser Vater eine falsche Medikation?

Mein Vater (86) leidet schon lange an Parkinson. Die Medikamente bewirken Halluzinationen und sein Verhalten ist oft vergleichbar mit Demenz. Zudem ist er sehr unbeweglich und hat oft Schmerzen in den Beinen. Was tun?

Es ist fast unmöglich, auf diese komplexe Frage eine konkrete Antwort zu geben, ohne dass die genaueren Umstände bekannt sind. Da Sie Halluzinationen und Zeichen einer Demenz beschreiben, verbietet sich eine Erhöhung der Medikamente (L-Dopa und Dopaminagonisten). Diese haben in fortgeschrittenen Krankheitsstadien nur noch wenig Einfluss auf die Gangstörung. Zudem müssen, falls verordnet, sogenannte Anticholinergika, MAO-B-Hemmer und Amantadin abgestellt werden. Manchmal lohnt es sich, auch die eigentlichen Anti-Parkinson-Medikamente, insbesondere die Dopaminagonisten, zu reduzieren, um einen klareren Kopf (allerdings auf Kosten der Beweglichkeit) zu erreichen.
Es gibt auch Medikamente, mit denen die Demenz bekämpft werden kann. Oft ist der klinische Nutzen allerdings recht gering. Auch die Halluzinationen können mit Medikamenten (Clozapin, Quetiapin) behandelt werden. Diese machen allerdings  müde. Da bei Patienten in der Altersgruppe Ihres Vaters häufig eine Tagesschläfrigkeit besteht, kann dies dazu führen, dass die Patienten tagsüber fast nur noch schlafen. 
Gegen die verminderte Beweglichkeit kann eigentlich nur Physiotherapie empfohlen werden. Diese und andere physikalische Massnahmen wirken manchmal auch gegen die Schmerzen. Hin und wieder sind aber Schmerzmittel unumgänglich.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Angst vor gefährlichen Nebenwirkungen

Mein in Spanien lebender Bruder leidet seit 14 Jahren an Parkinson. Weil die bisherigen Medikamente nicht mehr gut wirkten, hat ihm der Arzt vor Kurzem Azilect verordnet. Nun zittert er nachts sehr stark. Und er behauptet, das Medikament könne üble Nebenwirkungen (Risiko von Herzinfarkt oder Schlaganfall) haben. Stimmt das?

Leider gibt es praktisch keine Medikamente, die keine unerwünschen Nebenwirkungen haben können. Dennoch gilt Azilect unter den Anti-Parkinson-Medikamenten als eines, das allgemein sehr gut vertragen wird und bei dessen Einnahme nur selten Nebenwirkungen beobachtet werden. Insbesondere gibt es nach meinem Wissen keine Berichte, die auf ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt unter der Behandlung mit Azilect hinweisen. 
Zwei Dinge bei diesem Medikament scheinen mir aber erwähnenswert: Erstens ist die Wirkung von Azilect auf die Kardinalsymptome der Parkinsonerkrankung eher mild. Zweitens bestehen gewisse (wenngleich nicht zweifelsfrei bestätigte) Hoffnungen, dass dieses Medikament das Fortschreiten der Erkrankung in gewissen Fällen verlangsamen kann (siehe auch Artikel «Neuroprotektive Therapie: Traum oder Realität?», Magazin PARKINSON Nr. 96, Dez. 2009, S. 12).
Aufgrund der wie erwähnt eher sanften Wirkung von Azilect müsste man darüber nachdenken, ob Ihr Bruder eventuell ergänzend noch weitere Anti-Parkinson-Medikamente einnehmen müsste, um zu einer besseren Kontrolle der Krankheitssymptome über den gesamten Tagesverlauf gelangen zu können. 
Ich bin mir sicher, dass ein erfahrener Neurologe ihm helfen kann, eine Kombination zu finden, mit der die Symptome besser kontrolliert werden können.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Abhängigkeit von den Nebenwirkungen

Kürzlich äusserte sich ein Professor der Medizin, Neurologie und Verhaltensforschung im deutschen Fernsehen über drogenabhängige Leute. Nur fast so nebenbei sagte er, dass sich das Gehirn mit der Zeit bei regelmässiger Drogeneinnahme sehr verändern kann, was dann die ganze Entzugsbehandlung infrage stelle. Nun denke ich an uns Parkinsonpatienten. Auch wir nehmen ja jahrelang «Drogen» ein. Gibt es Erkenntnisse, wie das bei den Anti-Parkinson-Medikamenten aussieht? Immerhin ist davon ja auch direkt das Gehirn betroffen. 

Zunächst möchte ich Sie beruhigen: Der Medikamentenkonsum Parkinsonbetroffener und eine Drogenabhängigkeit haben rein gar nichts miteinander zu tun!
Bei der medikamentösen Parkinsontherapie versucht man, eine natürlich vorhandene Substanz (Dopamin) zu ersetzen, die für die normale Funktion des Gehirns wichtig ist, die aber – aufgrund der Parkinsonerkrankung – von den dopaminergen Nervenzellen nur noch in ungenügendem Mass produziert wird. Daher sind Parkinsonpatienten ein Leben lang auf Medikamente angewiesen.
Tatsächlich gewöhnt sich das Gehirn an ein gewisses chemisches Gleichgewicht, wie zum Beispiel jenes, das durch eine regelmässige Medikamenteneinnahme bei Parkinson erreicht wird. Die Folge: Setzt man alle Anti-Parkinsonmedikamente plötzlich ab, ist der Schweregrad der wiederauftretenden Parkinsonsymptome oftmals vorübergehend verstärkt. 
Aber ein Abbruch der medikamentösen Behandlung ist bei Parkinson sinnlos und wird entsprechend auch nie durchgeführt – zumindest nicht bei Betroffenen, bei denen die Medikamente eine Wirkung zeigen. Eine «Entzugsbehandlung» kommt bei Parkinson also nie infrage.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Glutathione-Therapie gegen Parkinson?

Ich habe hier in New York gehört, dass die Verabreichung von Glutathione (intravenös) eine effektive Behandlung sein kann. Stimmt das? Gibt es Ärzte, die meinen in der Schweiz lebenden Vater damit behandeln könnten? 

Die intravenöse Verabreichung von Glutathione ist keine etablierte Therapie der Parkinsonkrankheit! Glutathione ist zudem als medizinisches Präparat in der Schweiz nicht erhältlich. Es ist als «Nahrungsmittelergänzer» zum Teil in Multivitaminen und ähnlichen Präparaten erhältlich. Das Glutathione ist eine von vielen «Modesubstanzen», die für alle chronischen Krankheiten empfohlen werden und gut sein sollen. Meist werden sie von sogenannten «Naturheilpraktikern» zu sündhaft teuren Preisen an gutgläubige Patienten verkauft. Sie können ähnliche Empfehlungen für Coenzym Q oder für Zink und andere Spurenelemente finden. Gerade in den USA werden diese Produkte schamlos angepriesen, vor allem via Internet, und es ist ein grosses Geschäft – allerdings nur für die Verkäufer! 
Der Einsatz von Glutathione stammt aus Forschungsuntersuchungen im Tierexperiment und an Zellkulturen. Diese lassen sich aber leider nicht auf den Menschen und den Parkinsonkranken übertragen. Also Hände weg! Es gibt keine einzige medizinisch seriöse Untersuchung, welche die Wirksamkeit von Glutathione (oral oder intravenös) bei Parkinson belegen konnte.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Maximaldosis von Levodopa

Unser Vater (97) nimmt Madopar, morgens und mittags je 250 mg, abends 125 mg. Unser Hausarzt meint, damit sei er an der maximal zulässigen Dosis angelangt. Bei höherer Dosierung am Abend reagierte er mit Halluzinationen und Angstzuständen. Bei Stress hat er zudem starken Speichelfluss und starken Trippelgang. Er hat keine extreme Körperversteifung und kein Zittern. Was kann man tun?

Es gibt zwar eine Maximaldosis von Levodopa (Wirkstoff von Madopar), diese liegt aber viel höher als jene 625 mg, die Ihr Vater täglich einnimmt. Einige Betroffene haben den (falschen) Eindruck, L-Dopa könne gefährlich sein, und fragen sich besorgt, ob ihre Dosis nicht zu hoch sei. Es ist wichtig hervorzuheben, dass sich der L-Dopa-Bedarf von Person zu Person erheblich unterscheidet und die optimale Dosis individuell bestimmt werden muss. Wie immer gilt die Regel: die kleinstmögliche Dosis einnehmen, mit welcher die bestmögliche Kontrolle der Symptome gewährleistet ist und keine Nebenwirkungen verursacht werden. 
Die von Ihnen beschriebenen Halluzinationen mit Angstzuständen sind mit grosser Wahrscheinlichkeit als Nebenwirkungen zu interpretieren und schränken somit die eventuell notwendige Dosissteigerung ein.
Die Halluzinationen sind für die Betroffenen und ihr Umfeld sehr belastend. Zudem können sie - wenn auch selten - zu gefährlichen Situationen führen. Daher nehmen wir Ärzte sie sehr ernst. Bei derartigen Beschwerden ist in erster Linie eine Dosisreduktion zu empfehlen (wurde ja vom Hausarzt Ihres Vaters auch vorgenommen). Die Reduktion sollte graduell erfolgen, und zwar bis zum Verschwinden der Nebenwirkungen. Dies kann aber wegen der Zunahme der Parkinsonbeschwerden nur begrenzt möglich sein: Dann empfiehlt sich die Anwendung (unter ärztlicher Kontrolle!) von Medikamenten wie Clozapin oder Quetiapin.
Die übrigen von Ihnen beschriebenen Beschwerden (Trippelgang, Speichelfluss) sind indes keine Nebenwirkungen, sie entsprechen eher einer ungenügenden Verbesserung der Parkinsonsymptomatik trotz der Madopar-Therapie. Ein Beobachten des Zeitpunktes, wann diese Beschwerden auftauchen, kann für die Therapieoptimierung sehr hilfreich sein. Parkinson Schweiz hält hierfür das «Parkinson-Tagebuch» bereit. Es ist gratis bei der Geschäftsstelle erhältlich.  Dr. med. Fabio Baronti

Darf man ein Neupro Pflaster®-Pflaster auch halbieren?

Darf ein 4-mg-Neupro®-Pflaster halbiert werden, um an zwei Tagen je ein 2-mg-Stück auf der Haut anzubringen? Auf der Packungsbeilage wird davon abgeraten. Unser Hausarzt hat es jedoch jetzt so veranlasst. Was tun?

Ich habe mich bei der Herstellerfirma erkundigt, warum sie vom Halbieren des Pflasters abrät. Der Hauptgrund ist, dass es keine Untersuchungen mit halbierten Pflastern gibt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirksamkeit durch das Zerschneiden beeinträchtigt wird. Zudem könne die zweite Hälfte bis zum Gebrauch nicht mehr luftdicht gelagert werden und das Aufkleben der zerschnittenen Folie könne erschwert sein.
Auf der anderen Seite ist bekannt, dass Patienten die Folien halbieren, ohne dass dabei Probleme auftreten. Wenn Sie dem Rat Ihres Hausarztes Folge leisten, riskieren Sie höchstens eine reduzierte Wirkung. Sollte dies der Fall sein, würden Sie es nach kurzer Zeit merken und Sie könnten dann auf das Halbieren verzichten.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme?

Vor einigen Monaten erhielt ich (49) die Diagnose Parkinson. Nun soll die Medikation beginnen. Der Hausarzt rät zu Azilect®, der Neurologe zu Neupro®-Pflastern. Was ist der Unterschied?

Beide Empfehlungen sind gute Strategien und entsprechen den modernen Richtlinien für den Behandlungsbeginn. Zu den Unterschieden: Azilect® ist ein MAO-B-Hemmer, der die Verfügbarkeit des vom Gehirn produzierten Dopamins erhöht. Damit wird nur eine leichte Besserung der Beschwerden erreicht, die aber am Anfang der Krankheit oft genügt. Auch besteht die (leider noch nicht eindeutig bestätigte) Hoffnung, dadurch das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Die Einnahme ist einfach: Nur eine Tablette pro Tag.
Neupro® ist ein Dopaminagonist, also eine Substanz, die die Wirkung des Dopamins imitiert. Es ist ebenfalls eine milde Medikation, die Wirkung ist aber eher stärker als bei Azilect. Daher ist auch das Nebenwirkungsrisiko etwas höher, vor allem was die Übelkeit am Behandlungsbeginn betrifft. Eine wichtige Eigenschaft des Pflasters ist die kontinuierliche Wirkstofffreigabe über 24 Stunden. Sie verbessert die Verträglichkeit. Auch werden eventuelle nächtliche oder frühmorgendliche Beschwerden besser gelindert. Diese stehen aber bei Behandlungsbeginn selten im Vordergrund. Auch hier ist die Anwendung einfach: Einmal pro Tag muss ein Pflaster appliziert werden, die Dosis ist durch die Pflastergrösse variierbar. Welche Alternative für Sie besser ist, können Sie nach Besprechung Ihrer persönlichen Behandlungsziele mit Ihrem Arzt entscheiden.  Dr. med. Fabio Baronti

Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme?

Ich nehme meine Anti-Parkinson-Medikamente dreimal täglich, jeweils am Ende der Mahlzeiten. Dies, damit ich die Einnahme nicht vergesse. Ich leide unter (gelegentlich schmerzhaften) Verdauungsstörungen und auch unter Verstopfung. Zudem habe ich im vergangenen Jahr 6 kg abgenommen (bei aktuell 97 kg Körpergewicht). Sollte ich die Einnahme der Medikamente zeitlich vom Essen trennen?

Die Einnahme der Medikamente mit der Mahlzeit ist eine beliebte Gewohnheit von Parkinsonbetroffenen, vor allem zu Beginn der Krankheit, wenn die Wirkungsdauer der Tabletten noch lange genug ist. Mit der Zeit treten aber bei vielen Betroffenen die Beschwerden bereits vor den Mahlzeiten wieder auf. Dann wird eine häufigere Einnahme der Medikamente unumgänglich. Solange Sie das «Glück» haben, dass die Symptome bei Einnahme der Medikamente «dreimal täglich» ohne Wirkungsschwankungen beherrscht werden können, bleibt der Entscheid, die Tabletten vor oder nach dem Essen zu nehmen. Grundsätzlich werden alle Medikamente – und insbesondere Levodopa – rascher resorbiert, wenn der Magen leer ist. Ist also eine möglichst prompte Wirkung das Ziel, sollten die Tabletten vor dem Essen eingenommen werden. Ist der Magen voll, ist die Resorption langsamer, die Wirkung nicht so prompt. Eine langsamere Resorption verspricht aber auch eine Reduktion der Nebenwirkungen (leichte Übelkeit, Schläfrigkeit und andere), die manche Betroffene kurz nach Einnahme der Medikamente spüren. In diesen Fällen empfiehlt sich also die Einnahme nach der Mahlzeit. Die Verstopfung, die Sie erwähnen, ist nicht als Nebenwirkung der Medikamente, sondern vermutlich im Rahmen der Krankheit zu interpretieren. Die Verdauungsprobleme hingegen könnten einer Nebenwirkung der Medikamente entsprechen – aber nur, wenn sie jeweils kurz nach der Einnahme der Medikamente auftreten. Falls Sie weder eine verspätete Wirkung noch Nebenwirkungen erfahren, würde ich Ihnen die Einnahme der Medikamente nach dem Essen empfehlen.  Dr. med. Fabio Baronti

Warum wirken die Medikamente (noch) nicht?

Vor rund zwei Monaten erhielt ich die Diagnose idiopathischer Parkinson (IPS). Nun nehme ich seit drei Wochen dreimal täglich Madopar 125 mg ein, mit langsam steigender Menge. Ich spüre aber bis jetzt noch keine Verbesserung. Ich habe Gangunsicherheit und mein rechter Arm ist sehr langsam, ich zittere aber nicht. Was soll ich tun?

Ist die Diagnose idiopathischer Parkinson (IPS) gestellt und die Entscheidung für eine medikamentöse Therapie getroffen, kann das Ansprechen individuell unterschiedlich ausfallen. Bei manchen Patienten reichen schon geringe Dosen, um eine Verbesserung zu bewirken. Andere Symptome, insbesondere der Tremor, können aber auch erst auf sehr hohe L-Dopa-Dosen ansprechen. Es kann also sein, dass die zunächst etablierte Dosis noch zu gering ist und  je nach Wirksamkeit und Verträglichkeit weiter gesteigert werden sollte. Oft sind L-Dopa-Dosen von 1000 mg, selten auch mehr, nötig, um die Symptomatik zu verbessern. Wenn kein Zweifel an der Diagnose besteht, empfehle ich nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Neurologen die Medikation langsam, aber kontinuierlich zu steigern, in der Hoffnung, dass sich die Beschwerden dann bessern werden. Für uns Neurologen ist das Ansprechen auf L-Dopa aber auch aus diagnostischer Sicht interessant: Ein IPS zeichnet sich in der Regel durch gutes Ansprechen auf L-Dopa aus. Sollten Sie auch bei Dosissteigerung nicht darauf ansprechen, muss Ihr Neurologe die Diagnose nochmals überprüfen. Es könnte sich dann auch um ein atypisches Parkinsonsyndrom oder eine andere Erkrankung aus dem gleichen Formenkreis handeln. Dr. med. Stefan Hägele-Link

Nur noch ungenügende Symptomkontrolle

Ich habe seit 10 Jahren Parkinson. Die ersten fünf Jahre wirkten die Medikamente gut, dann bekam ich Probleme (Dyskinesien, Gangstörungen etc.) und der Medikamentenmix wurde immer komplexer. Ich vertrage die Medikamente sehr schlecht (starke Schmerzen in den Beinen, Migräne, Appetit­losigkeit und Übelkeit, Depressionen), habe Mühe mit dem Gehen und drohe oft zu stürzen. Was kann ich tun?

Sie sprechen ein häufiges Problem der Parkinsonbehandlung an, nämlich, dass mit der Zeit die Wirksamkeit der eingesetzten Medikamente nachlässt und die Symptomatik komplexer wird. Die Erfahrung zeigt, dass nach einer meist variablen Periode von 5 bis 10 Jahren (sog. «Honeymoon»),  während der die Medikamente die Symptome der Krankheit erfreulicherweise spürbar mindern, eine gute medikamentöse Kontrolle der Symptomatik immer schwerer gelingt. Dann kann es lohnend sein, die Zeitabstände zwischen den einzelnen Medikamentendosen zu verkürzen, zeitgleich mit der Medikamenteneinnahme brechreizunterdrückende Substanzen (z. B. Motilium) zu geben und zur Förderung der Aufnahme der Substanzen im Blut die Präparate auf praktisch «leeren» Magen einzunehmen. Allerdings erwähnen Sie in Ihren Zeilen – neben der gastrointestinalen Problematik  – auch andere Symptome wie Krämpfe, Stürze und letztlich noch eine sich einschleichende Depression. Eventuell könnte in Ihrem Fall ein stationärer Rehabilitationsaufenthalt in einer spezialisierten Klinik hilfreich sein, damit Ihre persönliche Problematik umfassend und kompetent angegangen werden kann und Sie sich auch weniger alleingelassen fühlen.  Dr. med. Claude Vaney

Muskulatur und Krämpfe

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Angespannte Beine

Ich habe einen Freund (41), und seine Mutter ist mit rund 60 Jahren an Parkinson erkrankt. Mir ist  aufgefallen, dass er in der Einschlafphase teils starke Muskelanspannungen in den Beinen hat – keine Zuckungen, sondern ein Anspannen, Lösen und wieder Anspannen. Das tritt nicht jede Nacht auf, vermehrt aber, wenn er Stress hat. Ich bin mir nicht sicher, ob er es merkt – traue mich aber nicht, ihn darauf anzusprechen. Könnte dies auf Parkinson hinweisen?

Was Sie beschreiben, sind am ehesten sogenannte periodische Beinbewegungen im Schlaf, die zwar nicht unbedingt mit einer Parkinsonerkrankung, häufig aber mit dem Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom RLS) vergesellschaftet sind. Dieses Syndrom ist sehr häufig in der Bevölkerung (mehrere Prozent). Fragen Sie Ihren Freund, ob er manchmal im Kino oder abends vor dem Fernseher den Drang verspürt, die Beine zu bewegen, weil er damit ein Spannungsgefühl oder andere Missempfindungen in den Beinen lösen kann. Dies wäre auch ein typisches Symptom für ein RLS. Hingegen ist die sogenannte Traumschlaf-Verhaltensstörung (engl. REM Behaviour disorder, RBD) – eine typische nächtliche Bewegungsstörung – häufig mit einem Parkinsonsyndrom vergesellschaftet. Dabei treten Unruhezustände im Traum auf, wie das Um-sich-Schlagen oder Ausrufen. Meist besteht keine Erinnerung an die Träume, doch der Betroffene kann aus dem Bett fallen, und für den Bettpartner ist es störend.   Dr. med. Matthias Oechsner

Krämpfe in den Beinen

Ich leide vor allem nachts unter Beinkrämpfen. Was kann man dagegen tun?

Die schmerzhaften Beinkrämpfe, die Sie beschreiben, sind typisch für den Abfall des Medikamentenspiegels unter eine kritische Grenze während der Nacht. Therapeutisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, die getestet werden können. Am einfachsten wäre die Einnahme einer zusätzlichen Dosis von Madopar oder Sifrol in den frühen Morgenstunden (z.B. zwischen zwei und fünf Uhr). Gelegentlich lohnt es sich auch, auf Medikamente mit längerer Wirkungsdauer umzustellen. Falls diese Massnahmen nicht oder zu wenig wirksam sind, kann beim Auftreten der Krämpfe ein rasch wirkendes L-Dopa-Präparat (z.B. Madopar Liq) eingenommen werden. Die wirksamste Behandlung ist in den meisten Fällen die subkutane Injektion von Apomorphin durch die Patienten selber. Meist verschwinden die Krämpfe innerhalb weniger Minuten. Beim Apomorphin muss allerdings zuerst die optimale Dosis ausgetestet werden. Dazu müssen die Patienten lernen, die Injektionen zu machen, was aber keine Hexerei ist.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Krämpfe in den Augenlidern

Ich habe seit mehr als zehn Jahren Parkinson. Ich leide an zunehmend auftretenden, sehr belastenden Lidkrämpfen. Mein Hausarzt weiss keinen Rat. Können Sie mir helfen?

Lidkrämpfe (Blepharospasmus) können im Rahmen der Parkinsonkrankheit sowohl als direkte Folge der Krankheit wie auch als Folge der Behandlung auftreten, besonders wenn es zu einem Abfall der Dopaminspiegel kommt. Um im vorliegenden Fall Genaueres aussagen zu können, wären konkretere Angaben darüber nötig, unter welchen Bedingungen die Krämpfe auftreten. Je nach dem müsste dann die Parkinsontherapie angepasst werden. Falls damit kein Erfolg erzielt wird, können lokale Injektionen von Botulinumtoxin sehr gute Resultate ergeben.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Wiederkehrende Muskelkrämpfe

Ich, Pflegefachfrau, betreue eine Parkinsonpatientin, die fast täglich an einem bis zu 30 Minuten dauernden, starken Muskelkrampf im Nacken-Schulter-Bereich leidet. Sie legt sich dann hin oder wird im Rollstuhl sitzend mit einem Kissen im Nacken gestützt. Sie empfindet diese Stellungen als Entlastung. Man sagt doch aber «Druck erzeugt Gegendruck». Ist die Massnahme mit dem Kissen sinnvoll oder kontraproduktiv?

Der Muskelkrampf gehört bei vielen Parkinsonbetroffenen zum Krankheitsbild und kann jeden Muskel/jede Muskelgruppe betreffen. Schmerzhafte Krämpfe im Nacken-Schulter-Bereich sind dabei mit am häufigsten. Wenn Ihre Massnahme mit dem Kissen im Nacken respektive die Flachlagerung im Bett hilfreich sind, die Schmerzen allmählich abklingen, spricht absolut nichts dagegen, sie durchzuführen. Wenn der Krampf, wie Sie beschreiben, nie länger als 30 Minuten dauert und die Entlastung mit dem Kissen funktioniert, würde ich das weiterhin genauso machen. Oft ist der Krampf (Dystonie) Ausdruck eines eher knappen Dopaminspiegels und wird nicht selten von einer Phase überschiessender Beweglichkeit (Dyskinesien) abgelöst. Sollte dies bei Ihrer Patientin der Fall sein, wäre ein Besuch beim Neurologen angezeigt, um die Medikation zu prüfen und zu optimieren. Dafür ist es sinnvoll, im Vorfeld das Parkinson-Tagebuch (gratis bei Parkinson Schweiz erhältlich) auszufüllen. Anhand dieses über 1 bis 2 Wochen geführten Bewegungsprotokolls  wird für den Neurologen ersichtlich, zu welchen Tageszeiten die Symptomatik wie gut ist. So kann er die Medikation entsprechend anpassen. Sollte sich die Dauer des Krampfes verlängern oder sollte dieser öfter am Tag auftreten, ist der Besuch beim Neurologen umso ratsamer! Auch Wärmeapplikationen werden manchmal erfolgreich angewendet. Physiotherapie könnte ratsam sein. Zudem können solch schmerzhafte Krämpfe oft auch erfolgreich mit schnell wirksamen Parkinsonmedikamenten bekämpft werden. Hingegen zeigen konventionelle Schmerzmedikamente meist keine oder nur geringe Wirkung.  Elisabeth Ostler

Operationen

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Wie hoch ist das Risiko einer Vollnarkose?

Die ersten Parkinsonsymptome traten bei mir nach einer Vollnarkose auf. 16 Jahre später hat sich mein Zustand nach einer erneuten Operation mit Vollnarkose deutlich verschlechtert. Kann eine Vollnarkose eine merkliche und anhaltende Verschlimmerung der Parkinsonsymptome zur Folge haben?

Eine Vollnarkose wie auch jede Operation an sich sind grosse Belastungen für den Körper. Bei Parkinsonkranken ist es ein häufig gesehenes Phänomen, dass sich die Symptome dadurch vorübergehend akzentuieren können. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass eine Allgemeinanästhesie zu dauerhaften Problem bei Parkinsonpatienten führen kann. Vor, während und nach der Narkose muss darauf geachtet werden, dass die Medikamente möglichst unverändert weitergegeben werden, dass der Patient mit Vorteil als erster auf dem Operationsprogramm steht und dass keine Medikamente verwendet werden, die in den Dopaminhaushalt eingreifen. Die Narkoseärzte sind sich dieser Grundproblematik bewusst.    Dr. med. Georg Kägi

Herzschrittmacher-Operation geplant

Mein Partner soll eventuell einen Herzschrittmacher erhalten. Ist das eine sichere Sache für einen Parkinsonpatienten? Welche Nebeneffekte kann es für ihn haben

Ein Herzschrittmacher wird in der Regel nur bei zwingender, das heisst potentiell lebensbedrohlicher Indikation eingepflanzt. Man hat also “keine andere Wahl”. Dies ist aber weiter nicht beunruhigend, denn für Parkinsonpatienten ist dieser Eingriff nicht sonderlich gefährlich, zumal er in Lokalanaesthesie, also ohne Narkose durchgeführt werden kann. Dadurch besteht keine Gefahr einer vorübergehenden Schluckunfähigkeit, die eine regelmässige Medikamenteneinnahme verhindern würde. Relevante Nebeneffekte speziell für Parkinsonpatienten sind mir keine bekannt.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Risiko einer Hüftoperation?

Ich bin 73 und habe grosse Hüftprobleme. Zur Aufrechterhaltung meiner Mobilität rät man mir zu einer Endoprothese. Ist so eine Operation bei Parkinson nicht ein hohes Risiko?

Jede chirurgische Intervention bringt ein gewisses Risiko mit sich. Bei der Evaluation Ihrer individuellen Risikofaktoren und der möglichen Entwicklung Ihrer Beschwerden ohne Operation können Ihre behandelnden Ärzte Sie am besten beraten. Zu Ihrer Beruhigung: bei einer aktuellen Untersuchung von 920 Patienten, die wegen einer Hüftfraktur operiert wurden, beeinflusste Parkinson weder die Resultate noch das Risiko für Komplikationen oder Tod. Nach meiner Erfahrung können aber Narkose oder Operationsstress nicht selten die Parkinsonsymptomatik vorübergehend verschlechtern.  Dr. med. Fabio Baronti

Nach einer Operation

Ich (64) nehme seit rund 10 Jahren Parkinsonmedikamente. Nach einer Operation vor 10 Wochen war anfangs die Wirkungsdauer der Medikamente verringert und ich lag nachts stundenlang wach. Schlafmittel brachten wenig, nahm ich stattdessen nochmals ein Madopar, war ich entspannter. Langsam wird es nun besser, aber noch immer sackt mein Blutdruck morgens stark ab. Was kann ich tun?

Man sieht immer wieder, dass es Parkinsonpatienten nach operativen Eingriffen für einige Zeit schlechter geht – obwohl an der Medikation nichts geändert wurde. Eine plausible Erklärung dafür zu geben, fällt oft schwer. Es kann sein, dass neu hinzugekommene Medikamente die Wirksamkeit der Parkinsonmedikamente beeinträchtigen. Auch die allgemeine Schwächung nach der Operation kann eine Rolle spielen. Und es kann auch sein, dass der Patient nach dem Eingriff höhere Ansprüche an seine körperliche Leistungsfähigkeit stellt. Dann ist manchmal eine Dosiserhöhung nötig. Glücklicherweise pendelt sich die Sache meist nach einiger Zeit wieder ein.
Ich selbst gebe meinen Parkinsonpatienten wann immer möglich keine Schlafmittel. Wenn man nachts aufstehen muss, werden die Unsicherheit und damit die Unfallgefahr durch die Schlafmittel erhöht. Mit Madopar oder Sinemet in der Nacht mache ich gute Erfahrungen bei Patienten, die schlecht beweglich sind. Der Blutdruckabfall wird nach einer gewissen Krankheitsdauer für viele Parkinsonpatienten zu einem Problem. Wichtig ist in jedem Fall eine genügende Flüssigkeitszufuhr. Auch Stützstrümpfe können helfen. Bei manchen Patienten muss zudem mehr Kochsalz zugeführt werden. Falls dies alles zu keinem befriedigenden Ergebnis führt, muss der Blutdruck medikamentös gestützt werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Pflege

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Druckstellen vom langen Liegen

Mein Mann hat seit 17 Jahren Parkinson. Ich pflege ihn zu Hause. Er hat manchmal Druckstellen am unteren Rückenbereich vom langen Liegen. Das Aufstehen aus dem Bett macht ihm Mühe, daher wollen wir ein Pflegebett anschaffen. Wie sollte die Matratze sein? Weich oder hart? 

Das ist eine Frage mit zwei richtigen, aber sich widersprechenden Antworten. Damit die Haut am Steiss nicht aufgeht, sollten Sie eine superweiche Matratze wählen. Andrerseits aber raten wir Parkinsonpatienten zu einer harten Matratze, weil sie sich darauf leichter bewegen können. Der ideale Kompromiss heisst Wechseldruckmatratze. Diese verfügt über integrierte Luftkammern, die in regelmässigen Zeitabständen abwechselnd gefüllt und entleert werden. 
Ein weiteres sinnvolles Hilfsmittel ist das Knotenseil. Es wird am Fussende befestigt, und der Patient kann sich daran aus eigener Kraft aus der Rückenlage in den Sitz hochziehen. Sie müssen ihm also nur noch helfen, die Beine über die Bettkante zu hieven. 
Um dem feuchten Klima der Inkontinenzwäsche entgegenzuwirken, schlage ich Ihnen die nächtliche Anwendung eines Urinars (siehe Magazin Nr. 97) vor. 
Als Mitglied von Parkinson Schweiz haben Sie überdies Anspruch auf kostenlose Beratung bei der Schweizerischen Anlaufstelle für Hilfsmittelberatung (SAHB), die neun Beratungsstellen verteilt über die ganze Schweiz betreibt.  Elisabeth Ostler, Parkinson Nurse

Psychologie

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Aggressionen

Meine Mutter (71) leidet seit zwölf Jahren an Parkinson. In jüngster Zeit verhält sie sich aggressiv, sowohl meinem Vater als auch (seltener) Dritten gegenüber. Was können wir tun?

Aggressivität nach 12-jährigem Krankheitsverlauf kann verschiedene Gründe haben und muss gemeinsam mit dem betreuenden Neurologen analysiert werden.
Schmerzen, ein häufiges Symptom bei Parkinson, können zu so einem Verhalten führen. Hier gilt es zu unterscheiden, ob es sich um Arthroseschmerzen, Schmerzen im Rahmen des Parkinson-Rigors, oder z. B. bei Diskushernie, Polyneuropathie etc. handelt Nicht selten ist ein solches Verhalten leider Ausdruck einer sich anbahnenden demenziellen Entwicklung, was sich durch zusätzlich vorhandene Vergesslichkeit, Orientierungsstörungen und Verwirrtheit erkennen lässt. Auch kann einmal eine Depression – auch eine häufige sogenannt nicht motorische Begleitsymptomatik bei Parkinsonkrankheit – Grundlage eines mürrisch bis aggressiven Verhaltens sein.
Diese skizzierten verschiedenen Ursachen auseinanderzuhalten ist deshalb auch sehr wichtig, weil sie alle einer gezielten, aber unterschiedlichen Therapie zugängig sind. Die adäquate Therapie zu finden ist auch wichtig, weil nicht selten die betroffenen Patienten selber stark unter diesem Verhalten leiden. Besprechen Sie also mit dem behandelnden Neurologen Ihrer Mutter diese Situation.    Prof. Dr. Mathias Sturzenegger

Lustlos, depressiv und ständig müde

Unsere Mutter leidet seit 5 Jahren an Parkinson. Körperlich geht es ihr dank den Medikamenten recht gut. Aber sie hat Probleme mit Müdigkeit, Antriebsschwäche und depressiver Stimmung. Was können wir tun?

Neben den motorischen Beschwerden (wie Steifigkeit, Zittern, allg. Verlangsamung) treten bei Parkinson auch vielfältige nicht motorische Symptome auf. Zu diesen gehören auch psychische Probleme wie Müdigkeit (Fatigue), Antriebsschwäche und depressive Verstimmung. Da diese nicht motorischen Symptome ein Teil des Parkinsonsyndroms sind, sollte als Erstes die Parkinsontherapie mit L-Dopa oder einem Dopaminagonisten ausgeschöpft werden. In einem zweiten Schritt kann zusätzlich eine antidepressive Behandlung erwogen werden, vorzugsweise unter Beizug eines Spezialisten für Psychotherapie. Es sollten zudem, soweit möglich, auch nicht medikamentöse Therapien wie Physio- und Ergotherapie, Logopädie oder achtsame Bewegungsformen wie Tai-Chi sowie allgemein sportliche Aktivitäten zum Einsatz kommen. Dies, weil diese in der Summe nebenwirkungsfrei die motorischen Beschwerden und allgemein das Wohlbefinden und die Lebensqualität des Menschen verbessern.   Dr. med. Stefan Hägele-Link

Spielsucht

Kürzlich wurde im Fernsehen behauptet, Parkinsonmedikamente würden die Spielsucht fördern. Ich bin zwar keine Spielernatur, aber spiele Lotto und habe auch schon im Casino Geld verloren. Riskiere ich nun, mich finanziell zu ruinieren? 

Das Hormon Dopamin ist für die Steuerung unserer Bewegungen ein wichtiger so genannter Neurotransmitter. Er wird in den Zellen der Substantia nigra gebildet und übernimmt in verschiedenen Regelkreisen wichtige Funktionen. Funktionieren diese Zellen nicht mehr richtig, entstehen die Symptome der gestörten Beweglichkeit bei Parkinson. Dopamin hat aber auch wichtige Aufgaben in der Steuerung von Emotionen und anderen Bereichen menschlichen Verhaltens, z.B. wird das Wohlgefühl, das man bei Belohnung empfindet, über dieses Hormon vermittelt. Es scheint auch eine Rolle im Suchtverhalten zu spielen. Es ist daher gut zu verstehen, dass Dopamin, das bei Parkinson als Medikament eingenommen wird, evtl. ein bestimmtes vorbestehendes Suchtverhalten fördern kann.
Aber: 
1. Levodopa und die so genannten Dopaminagonisten sind immer noch die wirkungsvollsten Medikamente bei der Parkinsonkrankheit; 
2. Parkinsonpatienten haben ja, im Gegensatz zu Gesunden, einen Mangel an diesem Hormon; 
3. Diese Gefahr besteht praktisch nur bei vorbestehenden derartigen Verhaltensstörungen; 
4. Eine solche Nebenwirkung unter den dopaminetischen Medikamenten wie bei Parkinson angewendet ist sehr selten zu beobachten.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Akzeptanz der Krankheit

Mein Mann (62) ist sehr erfolgreich im Beruf,  vor kurzem bekam er Parkinson. Jetzt soll er frühzeitig pensioniert werden. Er sagt aber, er lasse sich nicht unterkriegen und will weiterhin arbeiten. Er findet, die Krankheit werde erst schlimm, wenn man sie akzeptiert. Er glaubt, er könne Parkinson besiegen. Ich bezweifle das, wir streiten häufig. Ich bin ratlos, wie ich ihm helfen kann.

Parkinson ist eine fortschreitende Krankheit, dagegen anzukämpfen und sie „besiegen“ zu wollen ist eigentlich nicht der richtige Weg. In erster Linie gehört zur Krankheitsverarbeitung die Akzeptanz der Krankheit. Für viele ist die Diagnose „Parkinson“ eine Art Schock, die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich. Die einen ignorieren die Krankheit, die anderen geraten in eine depressive Stimmungslage. 
Ihr Mann will sich „nicht unterkriegen lassen“. Das ist sicherlich von Vorteil. Zur Verarbeitung braucht er zunächst Informationen über Parkinson, um  so auf Fragen etwa zu Medikamenten, Nebenwirkungen, Krankheitsverlauf usw. Antworten zu finden. Auch der Austausch mit Angehörigen oder anderen Parkinsonpatienten wäre sehr wichtig. Das Sprechen über die Krankheit fördert die Bewältigung krankheitsbedingter Belastungen und bringt bessere soziale Unterstützung. Gespräche mit Psychologen oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe könnten dabei hilfreich sein.
Weitere Schritte zur Krankheitsbewältigung wären Anpassungen des Alltags, z.B. so genannte Stolperfallen wie Teppiche zu entfernen oder Hilfsmittel für Ankleiden oder Essen zu verwenden. Ihr Mann sollte auch Verhaltensstrategien wie etwa die mentale Vorbereitung auf eine Bewegung lernen. Er sollte sich aber auch nicht ausschliesslich mit der Krankheit befassen, sondern auch mit anderen Themen oder Aktivitäten nachgehen, die ihm möglich sind. Vielleicht können Sie ihm am Besten mit Geduld helfen. Er muss selbst spüren, welche der vielen verschiedenen Bewältigungsstrategien eine Lösung für ihn sein kann. Verdrängung ist es sicher nicht.  Jessica Renner, Diplompsychologin

Stressattacken

Ich bin 57 und habe seit fünf Jahren Parkinson. In letzter Zeit bin ich immer weniger belastbar, viele Alltagshandlungen wie Haushalt oder Einkläufe bringen mich unter Stress. Oft verstärken sich dann sogar meine Symptome. Es wird immer schlimmer.

Durch die Parkinsonkrankheit treten für den Menschen belastende, stressige Situationen auf, in denen teilweise Ängste, Panikattacken oder auch eine Art Hilflosigkeit auftreten können. In solchen Momenten verstärken sich dann die Parkinsonsymptome, gerade weil der Kranke versucht, gegen die Situation anzugehen. Dagegen gibt es unterschiedliche Bewältigungsstrategien, die individuell in der Therapie analysiert und erarbeitet werden. Sie können auch versuchen, hier selbst an sich zu arbeiten. Wichtig in erster Linie ist hierbei die so genannte Selbstbeobachtung. Hier protokolliert man bestimmte Situationen und kann sich somit die Reaktionen und Verhaltensweisen leichter vor Augen führen. Auch das Erstellen einer Art „Checkliste“ kann hilfreich sein: In welchen Situationen tritt die Problematik verstärkt oder am häufigsten auf? So können Sie sich besser auf bestimmte Situationen vorbereiten und diese vorausplanen. Beispiel: Wie viel Zeit brauchen Sie für einen Arztbesuch?
Entspannungsverfahren oder auch kleineren Pausen im Alltag helfen gut zur Stressbewältigung, in welcher Art und Form (Qigong, Atemtherapie, Entspannungsmusik usw), muss man individuell herausfinden. Ein Patient kann damit neue Kraft und Energie sammeln und ist allgemein auch ausgeglichener und entspannter. Wir Therapeuten arbeiten häufig auch mit der so genannten kognitiven Umstrukturierung. Zusammen mit dem Therapeuten erarbeitet man zunächst die meist negativen Gedanken und Gefühle in den Stresssituationen. Dann wird versucht, diese bewusst in positive Gedanken „umzuwandeln“. Insgesamt ist es wichtig, dass Sie versuchen, Ihren Alltag zu strukturieren und dabei immer kleinere Pausen etwa zur Entspannung einzuplanen. Ihre entspanntere und stimmungsmässig verbesserte Verfassung könnte sich positiv auf die Parkinsonsymptomatik auswirken.  Jessica Renner, Diplompsychologin

Depressionen

Mein Mann (71) erhielt vor drei Jahren die Diagnose Parkinson. Zunächst ging es ihm ganz gut, aber jetzt wirkt er bedrückt, schläft sehr viel und will nicht mehr unter die Leute gehen. Gehört das zur Krankheit, müssen wir damit leben?

Depression wird als häufigste psychische Ursache bei Parkinson angesehen. Man unterscheidet zwischen organischer oder psychisch bedingter Depression. Typisch sind Symptome wie Antriebsstörung, Müdigkeit, vermindertes Interesse, Rückzug aus dem sozialen Leben etc. Je nach Art der Depression erfolgt entsprechend die medikamentöse bzw. psychologische Behandlung. Wichtig ist, dass man vor allem beim ersten Auftauchen der Symptome darüber redet (etwa mit einer Vertrauensperson), den Arzt um Rat fragt oder versucht, sich selbst zu helfen. Ihr Mann könnte vermehrt Spaziergänge unternehmen, eine Lieblingsbeschäftigung finden oder versuchen wieder auszuüben, den Tag strukturieren und Kontakte und Gespräche suchen.
Wesentlich bei der psychologischen Depressionsbehandlung ist auch die gedankliche Verarbeitung. Der Therapeut versucht dabei den Patienten zu begleiten, das Gesagte zu reflektieren und mit ihm Lösungen zu finden. Daneben darf man die medikamentöse Behandlung nicht ausser Acht lassen. Eine Verbesserung der körperlichen Beschwerden kann sich positiv auf die Psyche auswirken. Somit gibt eine genaue Analyse der depressiven Verstimmung Aufschluss über die Symptomatik und das benötigte Behandlungskonzept. Sprechen Sie mit dem Arzt darüber.  Jessica Renner, Diplompsychologin

Ist eine psychologische Betreuung nötig?

Meine Mutter leidet seit drei Jahren an Parkinson. In letzter Zeit wirkt sie oft abwesend, manchmal fast apathisch. Auch ist sie nicht mehr so fröhlich wie früher. Sie sagt aber, es gehe ihr gut. Wäre psychologische Betreuung durch eine Fachperson, die sich mit Parkinson auskennt, hilfreich?

Die allgemeine Verlangsamung bei der Parkinsonkrankheit betrifft nicht nur die Motorik, sondern auch Denkvorgang und Antrieb. Viele, gerade auch jüngere Patienten klagen, ihnen fehle der Antrieb, die Lust, die Motivation. Dass Ihre Mutter weniger fröhlich wirkt, ist auf zwei Arten zu beurteilen: Durch die motorische Verlangsamung und Versteifung der Bewegungen, die auch Mimik und Gestik betreffen, wirken die Patienten rasch «desinteressiert» (was sie nicht sind, wenn man nachfragt) und apathisch (was sie auch nicht sind, wenn man gezielt danach fragt). 
Man kann diesen Ausdruck als weniger fröhlich oder gar traurig bezeichnen. So kann der Eindruck entstehen, die betroffene Person sei depressiv. Dies ist zwar möglich, denn Parkinsonpatienten sind häufig wirklich, im krankhaften Sinn, depressiv – aber es muss nicht sein. Dies muss man mit dem Patienten besprechen. Zur echten Depression gehören: Lustlosigkeit, keine Freude am Leben, an nichts mehr; alles ist «schwarz», es gibt keinen Ausweg, starke Angstgefühle, Schlaflosigkeit, frühes Erwachen mit Angst). Der Patient selbst kann das am besten beurteilen.
Eine psychologische Beratung und Betreuung kann nicht schaden – sofern die betroffene Person das auch selbst will und als sinnvoll erachtet.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Halluzinationen (Wahnvorstellungen)

Mein Mann hat seit 8 Jahren Parkinson. Seit Kurzem sieht er immer wieder Leute, die gar nicht da sind. Wenn er mich ruft, damit ich sie wegschicke, findet er sie selbst nicht mehr. Neulich wollte er vor ihnen fliehen und verliess spät am Abend noch das Haus. Was ist bloss los mit ihm?

Halluzinationen (Wahnvorstellungen) sind bei Parkinsonpatienten nach längerer Krankheitsdauer keineswegs selten. Sie werden einerseits durch die Medikamente, andrerseits durch den fortschreitenden Krankheitsprozess ausgelöst. Diese Halluzinationen sind in den  meisten Fällen rein optisch, d.h., die Patienten sehen Gegenstände, Tiere oder Personen, die nicht vorhanden sind, die aber völlig stumm sind. Daneben kann es auch zu Störungen der Wahrnehmung (illusionäre Verkennungen) kommen. Besonders in der Dämmerung werden z.B. Gebüsche oder Wolken, aber auch ein sich bewegender Vorhang als Gestalten oder Gesichter verkannt. Die Patienten sind ihren Wahnvorstellungen gegenüber meist sehr indifferent, sie fühlen sich selten bedroht oder belästigt. Vielfach lassen sie sich auch leicht davon überzeugen, dass ihre Vorstellungen nicht der Realität entsprechen.
Häufig sind die Patienten gleichzeitig zeitlich und örtlich desorientiert. Dies kann dann dazu führen, dass sie grundlos und zu Unzeiten das Haus verlassen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Wahnvorstellungen und die Verwirrtheit, die besonders auch für die Partner sehr unangenehm sein können, zu bekämpfen. Wichtig ist, dass die Patienten genügend Flüssigkeit zu sich nehmen und dass ihr Salzhaushalt in Ordnung ist. Leider weiss ich nicht, welche Medikamente Ihr Mann erhält. Grundsätzlich sollten Anticholinergika, Amantadin und MAO-B-Hemmer abgesetzt werden. Die Dosen von Dopaminagonisten sollten zugunsten von L-Dopa reduziert werden. Sollten diese Massnahmen nicht genügen, können abends kleine Dosen von Leponex® oder Seroquel® gegeben werden. Als weitere Möglichkeit bietet sich die Behandlung mit Exelon® an.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Agressivität

Mein Bruder (68) leidet seit 7 Jahren an Parkinson und hat sich sehr verändert. Er zieht sich zurück, stösst Freunde vor den Kopf, schläft schlecht, hat keinen Appetit und verliert an Gewicht. Er hadert mit allem und allen, wird zänkisch, ja aggressiv. Was können wir tun?

Der Umgang und das Verarbeiten einer chronischen Krankheit wie Parkinson ist verständlicherweise für viele Betroffene ein grosses seelisches Problem, an dem sie schwer tragen. Nicht jeder Mensch ist eine geborene Frohnatur. Entsprechend sind Rückzug bis hin zu Resignation nicht selten. Auch Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust können einerseits durch die Krankheit bedingt sein, aber auch durch Medikamente oder ganz andere Ursachen ausgelöst werden. Aggressivität gehört nicht zu den typischen Symptomen von Parkinson. Sie kann aber Ausdruck der Nichtakzeptanz oder einer unvollständigen Bewältigung der durch Parkinson bedingten Behinderung sein. Allenfalls kann sie auch eine Nebenwirkung der Medikamente oder Ausdruck einer sich anbahnenden Hirnleistungsschwäche sein. Überdies kann eine Schlafstörung (schläft Ihr Bruder häufig tagsüber?) zu chronischer Übermüdung und Gereiztheit führen. Falls eine Schlafstörung vorliegt, muss diese genau analysiert werden: Sie kann durch Schmerzen bei Rigor, medikamentenabhängige Überbewegungen, nächtliche Blasenstörungen und vieles andere bedingt sein. Abhängig von der Ursache der Schlafstörung gibt es diverse Therapieansätze. Ihr Bruder sollte deshalb unbedingt seinen Neurologen aufsuchen, damit dieser nach den Ursachen der Probleme forschen und wirkungsvolle Massnahmen einleiten kann. Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Verwirrtheit nimmt zu!

Mein Vater (72) hat seit 10 Jahren Parkinson. Er ist medikamentös gut eingestellt, fit und beweglich. Doch nun redet er manchmal wirr, ist auf einmal in der Vergangenheit, sieht Tiere, wo keine sind, möchte nachts (ist ab 3 Uhr wach, kann nicht mehr schlafen) mit dem Auto wegfahren. Was können wir tun?

Verwirrtheit bei älteren Menschen und gerade bei Parkinsonpatienten kann viele Gründe haben: Ein banaler z. B. viraler Infekt mit Fieber, ungenügende Flüssigkeitszufuhr, eine Störung des Flüssigkeitshaushaltes und der Salzzusammensetzung im Blut, eine Nebenwirkung verschiedener Medikamente (auch der Parkinsonmedikamente) oder die Parkinsonkrankheit selbst. Bei Parkinson sind diese Störungen umso häufiger, je länger die Krankheit besteht. Häufig treten sie abends oder nachts auf und sind mit guter Beweglichkeit, d. h. auch eventuell eher hohen Medikamentendosen, verbunden. Es lohnt sich, zu beobachten und zu notieren, wann im Tagesablauf die Verwirrtheit auftritt und ob ein Zusammenhang mit der Einnahme der Medikamente besteht. Visuelle Halluzinationen (das Sehen von Dingen, die nicht reell sind) werden oft durch eine relative Überdosierung der Parkinsonmedikamente provoziert. Es ist entscheidend, die erwähnten möglichen Ursachen voneinander abzugrenzen, denn die notwendigen Therapiemassnahmen sind sehr unterschiedlich. Dazu muss Ihr Vater seinen Hausarzt oder Neurologen aufsuchen und seine Symptome im Detail beschreiben. Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Demenzielle Entwicklung bei Parkinson?

Meine Frau (72) leidet seit fast vier Jahren an Parkinson. Leider gehört sie zu jenen Betroffenen, bei denen auch eine demenzielle Entwicklung zu beobachten ist. Diese nimmt seit etwa drei Monaten stark zu (Halluzinationen, Verwirrtheit, Verlust des Zeitgefühls, Desorientierung etc.). Was tun? 

Die von Ihnen beschriebenen Störungen können durchaus auf das Vorliegen einer Demenz hinweisen. Die rasche Progredienz der Symptome einerseits und der Umstand, dass es auch Momente gibt, in denen Ihre Frau ganz klar ist, lässt allerdings auch die Möglichkeit offen, dass diese Veränderungen medikamentös mitbedingt sein könnten. Denn wir wissen, dass die in der Parkinsontherapie eingesetzten dopaminergen Substanzen in einzelnen Fällen Verwirrtheit und Halluzinationen hervorrufen können. Der Arzt steht dann vor einem Dilemma, weil sich durch Reduktion der Medikation die Parkinsonsymptome verstärken können. Manchmal kann der Einsatz antipsychotisch wirkender Medikamente (atypische Neuroleptika, z B. Leponex) die Halluzinationen mindern, ohne dass die Parkinsonmedikamente deswegen verringert werden müssten. Auch könnte die Verabreichung von Rivastigmin (Exelon) diskutiert werden. Diesem wird nachgesagt, es könne die demenzielle Entwicklung etwas bremsen, ohne sie allerdings aufzuhalten. Diese medikamentösen Anpassungen müssen von einem punkto Parkinson erfahrenen Neurologen vorgenommen werden.  Dr. med. Claude Vaney

Halluzinationen in der Nacht - was tun?

Ich weiss seit März 2014, dass ich an Parkinson leide. Die medikamentöse Therapie wurde mit dreimal täglich Madopar® 62.5 mg begonnen, seit drei Wochen nehme ich dreimal täglich Madopar® 125 mg ein. Daraufhin litt ich unter nächtlichen Halluzinationen. Nun nehme ich abends keine Tabletten mehr. Ich habe gehört, dass Madopar nicht das erste, sondern das allerletzte Medikament sein sollte, weil, wenn es seine Wirkung verliert, nichts mehr zur Verfügung stehe. Stimmt das?

Madopar® und das amerikanische Schwesterpräparat Sinemet®, welche beide die Substanz Levodopa in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer (L-Dopa plus DH) beinhalten, sind tatsächlich die wirksamsten Parkinsonmedikamente, die wir bis heute kennen. Seit Jahren hält sich zwar hartnäckig die Behauptung, dass Levodopa mit der Zeit seine Wirkung verliere und deshalb erst möglichst spät im Krankheitsverlauf  eingesetzt werden sollte. Diese Behauptung ist jedoch falsch! Leider ist es bisher nicht gelungen, sie auszurotten. 
Richtig ist: Levodopa verliert seine klinische Wirksamkeit auf die motorischen Symptome der Parkinsonerkrankung nicht. Wenn im späteren Krankheitsverlauf Probleme auftreten, ist dies dem Fortschreiten der Krankheit und nicht der abnehmenden Wirkung von L-Dopa zuzuschreiben.
Bisher wurde empfohlen, bei Patienten, die jünger als etwa 65 Jahre sind, die Behandlung nicht mit Levodopa, sondern mit einem Dopaminagonisten oder einem MAO-B-Hemmer zu starten. In einer kürzlich erschienenen grossen Studie (zu der Sie weitere Informationen im blauen Kasten auf S. 14 dieses Magazins finden) konnte aber gezeigt werden, dass es Patienten, die von Anfang an Levodopa erhalten, längerfristig eher besser geht als solchen, bei denen Levodopa erst später eingesetzt wurde. Bei Ihnen wurde mit dem Therapiebeginn mit Madopar® also sicherlich nichts falsch gemacht.
Sie haben in Ihrer Anfrage über nächtliche Halluzinationen berichtet. Diese können durch Madopar® bedingt sein. Sie sollten unbedingt mit Ihrem Neurologen darüber sprechen, damit die richtigen Massnahmen getroffen werden können.   Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Schlaf

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Schlafattacken

Mein Mann hat seit einigen Jahren Parkinson. Er lebt damit recht gut, und auch ich komme zurecht mit ihm und seiner Krankheit. Aber eines stresst mich: der imperative Schlaf. Es passiert ihm meist in einem Restaurant oder auf Besuch. Alle sind dann in Panik, wollen helfen oder die Ambulanz rufen. Ich weiss, dass es nicht gefährlich ist, aber bin trotzdem unsicher. Müssen wir damit leben?

Es wäre wichtig, mehr über die Medikamente, welche der Patient einnimmt, und über die Schlafqualität während der Nacht zu erfahren. Parkinsonmedikamente, insbesondere Dopaminagonisten, können zu einer vermehrten Tagesschläfrigkeit und auch zu sogenannten Schlafattacken führen, die sich besonders am Steuer eines Motorfahrzeugs verheerend auswirken können. Falls der Patient Dopaminagonisten erhält, müsste in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eine Dosisreduktion versucht werden. Sollten die Medikamente für das beschriebene Einschlafen verantwortlich sein, stellt sich meist rasch eine Besserung ein. Eine gestörte Schlafqualität während der Nacht kann ebenfalls Ursache einer vermehrten Tagesschläfrigkeit sein. Schlafstörungen sind bei Parkinsonpatienten leider recht häufig, wobei verschiedene Gründe dafür verantwortlich sein können. Nach einer sorgfältigen Analyse gelingt es nicht selten, die Ursache gezielt anzugehen und eine Besserung zu erzielen.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Schlafstörungen

Ich (Mann, 63 Jahre) habe seit 11 Jahren Parkinson. Seit gut 4 Jahren ist mein Schlaf schlecht. Ich erwache, kann dann oft nicht mehr einschlafen, bin am Tag sehr müde. Zudem habe ich Mühe, aus dem Bett zu kommen, wenn ich auf die Toilette muss. Was kann ich tun?

Sie sprechen ein häufiges Problem bei Parkinson an. Schlafstörungen nehmen mit zunehmender Krankheitsdauer an Häufigkeit, Schweregrad und subjektivem Störwert zu. Sie gehen parallel zum Schweregrad der einzelnen Symptome, v.a. der Hypokinese, können sich aber auch schon in frühen Krankheitsstadien unangenehm bemerkbar machen. Es gibt viele Gründe für eine gestörte Nachtruhe mit entsprechend erhöhter Tagesmüdigkeit. Für die Ursachenklärung müssen Sie sich eingehend mit Ihrem Neurologen besprechen, denn es sind viele Fragen zu klären: Warum erwachen Sie? Wegen Schmerzen? Was ist deren Ursache? Ist es der nachts erhöhte Muskeltonus (Rigor) wegen ungenügender Wirkung der Medikamente? Sind es Krämpfe, Dystonien der Zehen oder Füsse – oder Muskelzuckungen? Ist es eine Wirbelsäulen- oder eine Hüftgelenksarthrose? Erwachen Sie, weil Sie Harndrang haben? Was ist dessen Ursache? Ist die Prostata schuld? Ist es die bei Parkinsonpatienten oft zu beobachtende Blasenüberaktivität? Trinken Sie noch vor dem Zubettgehen? Erwachen Sie wegen Albträumen, Halluzinationen oder Angst?  Oder quälen Sie andere Sorgen? Wie schlafen Sie (Raum, Lichtverhältnisse, Temperatur, Lärmpegel)? Welche Medikamente (nicht nur gegen Parkinson) nehmen Sie wann und in welcher Dosierung ein?  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Schlechte Beweglichkeit in der Nacht

Mein Mann hat seit sechs Jahren Parkinson. Seit einigen Wochen hat er zunehmend Mühe, sich nachts im Bett zu drehen. Ich bin nicht sehr kräftig und es gelingt mir nur mit grosser Anstrengung, ihn auf die andere Seite zu drehen. Dass ich nachts aufstehen muss, um ihm zu helfen, zehrt zudem an meinen Kräften. Was raten Sie uns?

Wenn die Beweglichkeit nachts deutlich schlechter ist als tagsüber, kann eine Optimierung der Medikamente durch den behandelnden Neurologen helfen. Zudem sollte Ihr Mann im Rahmen der Physiotherapie die Bettmobilisation üben. Sinnvoll sind auch die von Parkinson Schweiz angebotenen Kinaesthetics-Kurse für Patienten und Angehörige. In diesen lernen Sie gemeinsam mit Ihrem Mann, wie Sie Ihrem Mann die zum Umdrehen nötige Unterstützung geben können, ohne sich selbst körperlich zu überlasten. Ein kleines, von vielen Betroffenen als sehr hilfreich empfundenes Hilfsmittel ist das Rutschtuch. Dieses besteht aus hochgleitfähigem Material, das, doppelschichtig unter den Patienten gelegt, das Umdrehen im Bett massiv erleichtert. Die Stoffschichten gleiten so leicht aufeinander, dass nur ganz wenig Kraft zum Drehen benötigt wird. So können sich die Betroffenen wieder ohne Hilfe im Bett bewegen, was die Angehörigen stark entlastet.  Elisabeth Ostler, Parkinson-Nurse

Wilde Träume

Mein Mann (69) hat seit mehreren Jahren Parkinson. In letzter Zeit schlägt er im Schlaf manchmal wild um sich, hat mich dabei schon verletzt. Am Morgen erinnert er sich aber an nichts. Was tun?

Parkinsonbetroffene haben nicht selten einen agitierten Schlaf: Sie bewegen sich, sie können dazu sprechen, schreien und sogar sich oder andere verletzen. Was passiert? Ob wir uns am Morgen erinnern oder nicht: Unser Schlaf ist immer wieder von Träumen begleitet. Dabei wird die willkürliche Muskulatur wie paralysiert, nur die Augenmuskeln können schnelle, winzige Bewegungen zeigen. Vielleicht hat uns die Natur eine Art von Schutzmechanismus geschenkt: damit wir uns zum Beispiel auf der Flucht vor einem wilden Tier im Traum nicht verletzen. Fehlt diese Bewegungshemmung, führt dies zu der Situation, die Sie beschreiben. Diese «REM-Verhaltensstörung» kann bei Parkinson schon vor Ausbruch der Bewegungsstörungen auftreten und muss unbedingt mit dem Arzt besprochen werden. Ohne Aufklärung hat der eventuell «geschlagene» Partner kein Verständnis. Wichtig zu wissen: Diese Problematik kann durch Anpassung der Parkinsonmedikamente und eventuell der Gabe von niedrig dosiertem Clonazepam meist beseitigt werden.  Dr. med. Fabio Baronti

Nächtliche Schlafstörungen bei Parkinson

Ist ein schlechter, unruhiger Nachtschlaf typisch bei Parkinson?

Im frühen Parkinsonstadium ist der Schlaf oft normal, im weiteren Verlauf tritt häufig eine gestörte Schlaf-Wach-Regulation mit Einschlafstörung, gehäuften Wachphasen und Durchschlafstörungen auf, was letztlich zu einer verminderten Erholsamkeit des Schlafes mit vermehrter Tagesmüdigkeit führen kann. 
Schlafhygienische Massnahmen (z. B. regelmässige Aufsteh- und Bettgeh-Zeiten; nur ein kurzer Mittagsschlaf vor 15 Uhr; nur zur Schlafzeit im Bett liegen; Vermeidung von Alkohol, Kaffee und Nikotin am Abend; ab 3 Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr essen usw.) sollten vor schlaffördernden Mitteln (gegebenenfalls auch sedierenden Antidepressiva) angewendet werden. 
Wichtig ist, dass zwischen den durch neurochemische Veränderungen im Rahmen der Parkinsonerkrankung bedingten Schlafstörungen und der bei Parkinsonbetroffenen oft gestörten motorischen Aktivität im Schlaf (nächtliche Blockaden, erhöhter Muskeltonus, Dyskinesien, Tremor sowie nicht periodische und periodische Extremitätenbewegungen) unterschieden werden muss. Letztere sollten mit Antiparkinsonika behandelt werden. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass vor allem die dopaminergen Medikamente in unterschiedlicher Ausprägung Albträume sowie das Auftreten von nächtlichen Halluzinationen begünstigen können. 
Generell ist die optimale Anpassung der Medikation, eventuell sogar in stationärem Rahmen in einer auf Parkinson spezialisierten Klinik, mit Überwachung des Nachtschlafs (gegebenenfalls auch im neurophysiologischen Schlaflabor) sehr wichtig. Dabei muss im Schlaflabor auch das Ausleben von Traumphasen im Rahmen der sogenannten REM-Schlafverhaltensstörung – die Patienten sind motorisch sehr unruhig und können um sich schlagen – untersucht werden. Diese Schlafstörung tritt bei Parkinson häufiger auf als in der Durchschnittsbevölkerung, teils kann sie den motorischen Symptomen der Parkinsonerkrankung um Jahre vorausgehen.  Dr. med. Klaus Meyer

Schluckstörungen

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Schluckprobleme

Mein Mann hat Parkinson in fortgeschrittenem Stadium. Seit einiger Zeit hat er grosse Mühe, seine Medikamente zu schlucken. Er bemüht sich zwar, doch bildet sich so viel Speichel, dass nach kurzer Zeit die Tablette als Brei aus dem Mund tropft. Was kann ich tun?

Obwohl Medikamente auf Schluckstörungen in der Regel wenig wirken, sollte eine Anpassung versucht werden, insbesondere wenn Schluckstörungen bei Bewegungsverlangsamung zunehmen. Vielleicht ist auch eine Umstellung auf kleinere Tabletten oder sogar ein Pflaster (Neupro®, transdermales Pflaster) möglich. Ansonsten empfehlen Pflegefachleute, die Tabletten, sofern möglich und erlaubt (Beipackzettel beachten!), zu zerkleinern, zu mörsern oder in wenig Wasser aufzulösen. Vor der Medikamentengabe sollte darauf geachtet werden, dass der Mund leer ist. Die Tabletten können mit wenig Wasser oder Apfelsaft (auf einem Kaffeelöffeli) eingenommen werden, bei Husten mit etwas Apfelmus (Tabletten rutschen besser). Mit einem flachen Plastiklöffel kann die Tablette besser auf der Zunge platziert werden. Vor der Tabletteneinnahme können Zungenübungen helfen (z. B. mit der Zunge Lippen oder Zähne reinigen), wobei die betroffene Person jedes Mal schlucken sollte. Auf eine aufrechte Sitzposition sollte geachtet werden. Schluckfähigkeiten sollten abgeklärt werden lassen, falls es nicht besser wird.

Schluckprobleme

Ich betreue einen Parkinsonpatienten, der immer mehr Mühe hat mit Schlucken. Sollen wir alles pürieren, oder welche anderen Möglichkeiten können wir ergreifen?

Schluckstörungen sind ein verbreitetes und ernst zu nehmendes Problem im späteren Krankheitsverlauf. Immerhin zählt die Aspirationspneumonie (Lungenentzündung nach Verschlucken) zu einer der häufigsten Komplikationen bei Parkinsonpatienten. 
Zunächst sollte mit dem behandelnden Neurologen geklärt werden, ob die Medikation optimal eingestellt ist. Ist dies der Fall, so stellen sich noch immer viele Fragen: Isst der Patient immer in Phasen bester Beweglichkeit?  Was genau sind die Probleme beim Essen? Ist es das Unvermögen, die Nahrung zu kauen? Mangelt es an der Beförderung der Nahrung im Mund von vorne nach hinten? Verschluckt er sich mit oder ohne Auslösung des Hustenreizes? Hat er eine «gurgelige» Stimme nach dem Essen? Welche Konsistenz der angebotenen Nahrung (hart, weich, püriert, flüssig, Mischkonsistenz) verursacht die meisten Probleme? Besteht ein Unvermögen, die Nahrung zu schlucken, wird diese also wieder hochgehustet oder hochgewürgt?
All diese Fragen müssen geklärt werden. Daher ist es am besten, wenn der Betroffene bei Auftreten von Schluckbeschwerden von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder von einer Logopädin mit entsprechender Zusatzausbildung (FOTT) untersucht wird. Zudem sollte das betreuende Umfeld (Familie, Spitex, Pflegeteam) von der Fachperson genau über die individuellen Massnahmen für mehr Sicherheit beim Essen und Trinken instruiert werden. 
Zudem empfehle ich Ihnen das von Erika Hunziker, Diplom-Logopädin und Mitglied des Fachlichen Beirats von Parkinson Schweiz, verfasste Merkblatt «Sprechen, Essen und Schlucken bei Parkinson». Dieses erhalten Sie gratis in der Geschäftsstelle von Parkinson Schweiz.  Elisabeth Ostler, Parkinson Nurse

Häufiges Verschlucken bei den Mahlzeiten

Ich bin Pflegefachfrau und betreue einen älteren, an Parkinson leidenden Bewohner. Für diesen ist häufiges massives Verschlucken ein grosses Problem – und für mich der Gedanke, dass ich bei einem nächsten Mal vielleicht nicht mehr helfen kann. Wir achten auf gute Sitzhaltung, viel Zeit beim Essen, genügend Ruhezeit, gut sitzende Zahnprothesen, Eindicken der Getränke. Was sonst können wir noch tun?

Zunächst möchte ich betonen, dass Sie fast alle pflegerischen Massnahmen aufgelistet haben, die bei Verschlucken angezeigt sind. Was ich in Ihrer Aufzählung nicht finde, ist das Vermeiden von Mischkonsistenzen, z. B. Joghurt mit Fruchtstücken, Suppe mit Einlage. Homogene Ernährung ist sicherer zu schlucken. Wenn sich jemand wiederholt verschluckt, würde ich einen Logopäden mit der Abklärung und Therapie beauftragen, der sich mit der Parkinsonerkrankung auskennt. Bestimmte stimulierende Vorbereitungen vor jeder Mahlzeit können das Schlucken wieder verbessern. Eine entsprechende Anmeldung erfolgt durch den Arzt. Die Mahlzeiten sollten in die Phasen der besten Beweglichkeit gelegt werden. Des Weiteren könnte eine PEG-Sonde (Ernährungssonde) ins Auge gefasst werden. Dies würde es dem Betroffenen erlauben, nur noch jene Nahrung zu sich zu nehmen, die er einigermassen sicher schlucken kann. Getränke könnte er komplett über die Sonde erhalten. Die Versorgung mit allem Nötigen wäre gefahrlos gewährleistet und Essen wäre keine tägliche Notwendigkeit mehr, sondern nur noch ein Vergnügen.Unbestritten ist leider die Tatsache, dass die Aspiration und deren Folgen die häufigste Todesursache bei Parkinsonbetroffenen ist. Diesem Umstand Rechnung tragend muss die individuelle Situation des Bewohners mit ihm und dem Arzt gemeinsam beurteilt werden.  Elisabeth Ostler, Parkinson Nurse

Schmerzen

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Schmerzbekämpfung mit Analgetika

Ich bin selber von Parkinson betroffen. Kann ich bei Parkinson Analgetika zur Schmerzbekämpfung nehmen? Ich habe gehört, dass sich die Wirkung der Parkinsonmittel dadurch verringert.

Das Problem der Schmerzen bei Morbus Parkinson (MP) ist komplex. Im Prinzip ist MP nicht schmerzhaft. Trotzdem kann es vorkommen, dass Schmerzen in Form von Muskelkrämpfen, morgendlichen Dystonien
der Zehen oder dem Restless-Legs-Syndrom auftreten. Ausserdem kann die Krankheit in Verbindung mit verschiedenen, in diesem Alter nicht seltenen, schmerzhaften Pathologien auftreten wie rheumatischen Schmerzen in den Gelenken und der Wirbelsäule. Interessanterweise moduliert die Einnahme von Medikamenten auf Levodopa-Basis die Schmerzen häufig: starke Schmerzen in der Off-Phase, die in der On-Phase nachlassen bzw. verschwinden. Durch medikamentöse Behandlung, auch durch Pumpen, oder Tiefe Hirnstimulation können die Symptome stabilisiert und der Schmerz wirksam behandelt werden. Abschliessend bestätige ich Ihnen, dass bestimmte Schmerzmittel einen nachteiligen Einfluss auf die Symptome von MP haben können. Dies gilt vor allem für Opiate, die bei gleichzeitiger Gabe von MAO-B-Hemmern (z. B. Azilect) oder Anticholinergika (z. B. Akineton) ausdrücklich kontraindiziert sind. Ansonsten ist die Einnahme herkömmlicher Schmerzmittel (z. B. Paracetamol oder NSAR) unproblematisch.    Prof. Dr. med. Pierre Burkhard

Was «surrt und gramselt» in meinem Körper?

Ich erhielt vor 15 Jahren die Diagnose «Parkinson». Seit einigen Monaten habe ich oft in Armen und Beinen, manchmal auch im restlichen Körper ein «Surren und Gramseln», sobald ich mich setze oder hinlege. Es ist nicht zum Aushalten. Ich kann mich nicht mehr ausruhen! Was passiert in meinem Körper? Was verhindert die so dringend benötigte Ruhe? Weil mich das aus naheliegenden Gründen brennend interessiert, hoffe ich auf eine Erklärung und, noch wichtiger, einen Rat zur Linderung meiner Beschwerden.

Sensibilitätsstörungen, Schmerzen oder Missempfindungen sind nicht selten auftretende Phänomene beim Morbus Parkinson. Die Ursachen können vielfältig sein wie beispielsweise eine medikamentöse Wirkfluktuation oder ein Restless-Legs-Syndrom. Für mich entscheidend in dieser Situation wäre die Information, ob die Störungen in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme der Parkinsonmedikamente steht oder z. B. am Abend auftreten. Das «Surren und Gramseln» kann Ausdruck einer zu tief dosierten Parkinsonmedikation (Off-Phänomen) oder Ausdruck von zu viel Parkinsonmedikation sein. Ein Plan, welche Störungen wann und in welchem zeitlichen Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme stehen, wäre hier sehr hilfreich, um über die weiteren therapeutischen Schritte zu entscheiden.   Dr. med. Georg Kägi

Starke Schmerzen

Seit 3 Jahren weiss ich, dass ich Parkinson habe. Am schwersten zu ertragen sind die wahnsinnigen Schmerzen, die oft meine ganze rechte Körperseite befallen. Was kann ich dagegen tun?

Schmerzen mit wechselnder Lokalisation werden von Parkinsonpatienten häufig geklagt. Rund zwei Drittel der Patienten fühlen sich wenigstens zeitweise von Schmerzen geplagt. Depressive Patienten leiden häufiger an Schmerzen als nicht depressive. 
Häufig handelt es sich um Muskel- und/oder Gelenkschmerzen, die mit wechselnder Lokalisation und ohne erkennbare Korrelation zur Parkinsonsymptomatik und zur Einnahme der Medikamente auftreten. Gerade bei Patienten, die noch keine Parkinsonmedikamente erhalten haben, bringen diese nicht selten erhebliche Erleichterung. Andernfalls muss man sich häufig mit gewöhnlichen Schmerzmitteln behelfen. Manchmal bringen auch physikalische Massnahmen (z.B. Kälte- oder Wärmeapplikationen, Entspannungsübungen) eine Erleichterung. Beim Vorliegen einer Depression sollte diese medikamentös behandelt werden.
Wenn krampfartige Schmerzen zeitlich korreliert mit den motorischen Fluktuationen auftreten oder zunehmen (z.B. während der off-Phasen oder in den frühen Morgenstunden), ist eine Anpassung der dopaminergen Behandlung angezeigt. Diese Krämpfe können durch ein rasch wirkendes (wasserlösliches) L-Dopa-Präparat oder durch die subkutane Injektion einer Apomorphindosis recht zuverlässig kupiert werden. In hartnäckigen Fällen kann eine Behandlung mit Botulinumtoxin diskutiert werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Sehvermögen

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Probleme mit den Augen I

Ich (62) leide seit fast zehn Jahren an Parkinson. Seit einiger Zeit habe ich 
das Gefühl, meine Tränen seien «ausgetrocknet», und die Augen sind geschwollen. Wovon kann das kommen?

Trockene Augen können verschiedene Gründe haben. Eine verminderte Tränenproduktion ist bei Parkinson bekannt. Dies kann mit Augentropfen als «Ersatzflüssigkeit» gut behandelt werden.
Ein weiterer Grund kann die bei Parkinson verminderte Lidschlagaktivität sein. Als Folge davon wird die Tränenflüssigkeit nicht regelmässig wie ein Film über die Hornhaut und die Binderhaut verteilt (Wischerfunktion der Augenlider). Aber auch Augenerkrankungen unabhängig von der Parkinsonkrankheit können zu trockenen Augen führen, so z. B. Bindehautentzündungen (die beschriebenen «geschwollenen Augen» 
weisen auf eine solche Ursache hin). Des­halb sollten Sie einen Augenarzt konsultieren, damit er die Ursache genau untersucht.    Prof. Dr. Mathias Sturzenegger

Sehvermögen

Mein Vater leidet seit 10 Jahren an Parkinson. In letzter Zeit klagt er über Doppelbilder und sagt, er könne kaum noch lesen, vor allem abends. Kann das am Parkinson liegen oder deutet das auf eine Augenkrankheit hin?

Es gibt einen gewissen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Sehstörungen und Parkinson. Eine Einschränkung der Sehkraft und Sehschärfe, des Farbsehens und des Gesichtsfeldes, was mit einer gestörten Funktion der Pupillenreaktion zusammenhängen kann, ist nicht selten. Zudem kann die Beweglichkeit der Augen (Okulomotorik) bei Parkinsonpatienten eingeschränkt sein. Im besonderen Fall eines atypischen Parkinsonsyndroms, der progressiven supranukleären Blickparese (PSP), sind Augenbewegungsstörungen ein sehr charakteristisches Symptom. Bestimmte Augenerkrankungen wie der Grüne Star (Glaukom) müssen unter medikamentöser Behandlung mit L-Dopa sehr sorgfältig durch einen Augenarzt kontrolliert werden, da es zu einer Zunahme des Augeninnendrucks kommen kann. Im Fall einer besonderen Form, des sogenannten Engwinkelglaukoms, kann L-Dopa auch kontraindiziert sein.
Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass Augenbewegungsstörungen für uns Neurologen ein wichtiges klinisches Zeichen sind für Erkrankungen des Gehirns, die nichts direkt mit einer Parkinsonerkrankung zu tun haben müssen. So können plötzlich aufgetretene Doppelbilder Zeichen einer Durchblutungsstörung des Gehirns sein, welche zu einem Schlaganfall führen kann, der als Notfall zu behandeln ist. Doppelbilder im Tagesverlauf und zum Abend hin können aber auch ein unspezifisches Zeichen einer allgemeinen Müdigkeit und Erschöpfung – und damit ungefährlich – sein. In seltenen Fällen ist dies aber auch ein Hinweis auf eine Störung der Übertragung der Nerventätigkeit auf die Muskulatur, was bei der seltenen Erkrankung Myastheniagravis ein wichtiges klinisches Zeichen sein kann. Neu, vor allem plötzlich auftretende Sehstörungen oder Augenbewegungsstörungen müssen dringend weiter neurologisch und augenärztlich abgeklärt werden.   Dr. med. Stefan Hägele-Link

Parkinson und Grüner Star

Ich leide an grünem Star. Kann das mit den Parkinsonmedikamenten zusammenhängen?

Ein Zusammenhang zwischen Parkinsonmedikamenten und grünem Star (Glaukom) ist möglich. Es gibt verschiedene Formen von grünem Star, ebenso gibt es zahlreiche Parkinsonmedikamente. Patienten mit einem so genannten Engwinkelglaukom dürfen keine Anticholinergika (z.B. Akineton) einnehmen. Beim Weitwinkelglaukom dagegen könnten Madopar und Sinemet  potenziell schädlich sein. Es muss festgehalten werden, dass diese Medikamente nicht die Ursache des grünen Stars sind, aber möglicherweise verschlimmernd wirken können. Im Einzelfall muss die Frage der weiteren Parkinsonbehandlung mit dem Neurologen und dem Augenarzt besprochen werden.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Rapide abnehmende Sehkraft

Ich habe seit über zehn Jahren Parkinson. Nun verschlechtert sich meine Sehkraft rapide. Der Arzt sagt, sie sei mit einer Brille nicht mehr korrigierbar. Kann das auch mit den Parkinsonmedikamenten zu tun haben?

Die Aussage Ihres Arztes, die Problematik sei mit einer Brille nicht mehr korrigierbar, könnte auf das Vorhandensein einer Augenkrankheit zurückzuführen sein. Diskutieren Sie diese Möglichkeit mit Ihrem Augenarzt, da zum Beispiel der Graue Star und einige Formen von Netzhautpathologie mit relativ kleinen chirurgischen Massnahmen verbessert werden können.
Die parkinsonsche Krankheit und/oder deren medikamentöse Behandlung führen zu keiner progressiven Verschlechterung der Sehkraft. Lediglich bei Einnahme von Akineton und anderen anticholinerg wirkenden Medikamenten (vor allem Antidepressiva wie Tryptizol, Saroten und andere sogenannte «Tryziklika») ist Vorsicht geboten. Diese können gewisse Formen von grünem Star (Glaukom) verschlechtern. Parkinsonbetroffene, die an grünem Star leiden, sollten ihren Neurologen über die Diagnose und ihren Augenarzt über die eingenommenen Medikamente unbedingt informieren.  Dr. med. Fabio Baronti

Probleme mit den Augen

Bei meiner Mutter (77 Jahre alt) wurde vor etwa 10 Jahren Parkinson diagnostiziert. Seit 4 Monaten hat sie ein Problem mit den Augen. Angefangen hat es damit, dass sie stark geblinzelt hat. Dann hat sie die Augen immer mehr zusammengekniffen. Inzwischen ist das linke Auge fast ganz geschlossen und das rechte Auge nur noch ein schmaler Schlitz. Blinzeln tut sie weiterhin. Den Kopf hält sie sehr hoch, damit sie überhaupt noch etwas sieht. Welche Ursache steckt dahinter?

Es tut mir leid zu erfahren, dass Ihre Mutter durch Augenprobleme so starke Einschränkungen im Alltag erleidet. Ohne sie zu kennen und untersucht zu haben, kann ich Ihre Frage nur theoretisch beantworten.
Es gibt tatsächlich viele mögliche Ursachen einer ausgeprägten Augenöffnungsschwierigkeit. Der von Ihnen beschriebene Verlauf (anfangs starkes Blinzeln, progressiver Verlauf) weist aber darauf hin, dass es sich um einen sogenannten Blepharospasmus handelt: Spasmen der Lidschliessmuskulatur, die in der Regel sehr kurz dauern, aber eine hohe Frequenz aufweisen können. Das wiederholte bzw. subkontinuierliche Schliessen der Augen kann invalidisierend wirken, zum Beispiel das Autofahren verunmöglichen oder Stürze verursachen.
Im Rahmen der Parkinsonkrankheit ist ein solches Phänomen nicht unbekannt. Es kann sowohl mit der Krankheit zusammenhängen als auch (und in meiner Erfahrung eher häufiger) als Nebenwirkung der Antiparkinsonmedikamente auftreten. In diesem letzteren Fall würde es regelmässig die Phasen besserer Körperbeweglichkeit begleiten.
Oft kann der Blepharospasmus bei Parkinsonpatienten durch eine Anpassung der medikamentösen Therapie deutlich verbessert werden. Sollte dies nicht gelingen, kann man in der Regel durch Injektion von Botulinum-Toxin in die Augenschliessmuskulatur (mit darauf folgender Lähmung der «hyperaktiven» Muskeln) gute Resultate erzielen. Dabei ist darauf zu achten, dass diese Prozedur bei einem Neurologen mit spezifischer Erfahrung (und nicht bei einem ästhetischen Chirurgen!) durchgeführt wird.  Dr. med. Fabio Baronti

Spezielle Symptome

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Atypischer Parkinson

Meine Frau, 76, leidet am atypischen Parkinson. Sie zittert nicht. Ihr ist dauernd schwindlig. Sie hat Mühe beim Gehen und Treppensteigen. Und sie istsehr lichtempfindlich. Das Haus verlässt sie nur noch in Begleitung. Hätten Sie einen hilfreichen Rat?

Beim atypischen Parkinson kann die Parkinsonmedikation zu Krankheitsbeginn hilfreich sein und die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und Steifheit (Rigor) verbessern, kaum aber die Gangunsicherheit und das Gleichgewicht. Diese Wirksamkeit verliert sich aber mit dem Fortschreiten der Krankheit. Die Therapie eines atypischen Parkinsonsyndroms bleibt daher eine Herausforderung; und wie beim Parkinson besteht noch keine Heilung. Hilfreich sind rehabilitative Behandlungen. Die Physiotherapie, insbesondere Gangschulung und Gleichgewichtsübungen, ist wirksam. Sie kann die Mobilität verbessern und einen Grad von Selbstständigkeit zurückgeben. Das gilt auch für eine regelmässige sportliche Aktivität im Rahmen der Interessen und Möglichkeiten, z. B. bei Sturzneigung im Schwimmbad. Körperliche Aktivität wirkt sich ebenfalls positiv auf die geistigen Funktionen aus. Bei Gangblockierungen (Freezing) können gezielte Übungen und das Erlernen von Strategien helfen, diese zu überwinden (siehe Kasten). Dazu kommen Gehhilfen wie ein Rollator. Zur Vermeidung von Verletzungen bei Stürzen sind gepolsterte «Schutzhosen» erhältlich. Schwindel kann verschiedene Ursachen haben. Falls das Schwindelgefühl vor allem beim Aufstehen auftritt und von einem tiefen Blutdruck herrührt, hilft genügendes Trinken und salzreichere Kost sowie das Tragen von Stützstrümpfen. Reicht dies nicht, kann eine medikamentöse Therapie zur Blutdruckunterstützung mit dem Arzt diskutiert werden. Bei Lichtempfindlichkeit stellt sich die Frage der Ursache. Bei Verdacht soll eine Augenerkrankung fachärztlich abgeklärt werden. Pragmatisch kann eine Sonnenbrille helfen. Es bestehen weitere Therapiemöglichkeiten, die auf die jeweiligen Symptome zielen. Da kann Sie Ihr Arzt weiter beraten.    PD Dr. med. David Benninger

Druck im Kopf

Ich habe ständig einen starken Druck im Kopf, Druck hinter den Augen und das Gefühl, immer einen starken Kater zu haben. Mir wurde gesagt, beim atypischen Parkinson sei das normal. Stimmt das?

Das würde ich so pauschal nicht mit Ja beantworten. Druck im Kopf oder hinter den Augen gehört  eigentlich nicht zu den typischen Symptomen, weder bei einem idiopathischen noch bei einem atypischen Parkinsonsyndrom. Als mögliche Ursachen dieser Beschwerden fallen mir spontan eine Erhöhung des Augeninnendruckes, eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen, eine  Blutdruckerhöhung oder ein raumfordernder Prozess im Kopf ein. Wenn alle diese Erkrankungen ausgeschlossen sind, können Kopfdruck und Schwindel auch Symptome einer depressiven Störung sein. Das heisst, der Körper entwickelt Symptome aufgrund eines seelischen Ungleichgewichts, etwa als Folge der nicht  befriedigenden Krankheitsverarbeitung. Sprechen Sie doch auf jeden Fall mit Ihrem Neurologen, ob alle
möglichen Ursachen für die Symptome bedacht wurden und ob dann versuchsweise eine antidepressive Behandlung möglich wäre.   Dr. med. Matthias Oechsner

Pisa-Syndrom

Die Ärzte haben bei meiner Mutter (77) ein Pisa-Syndrom erkannt, nachdem sich ihr Rumpf immer stärker zur Seite neigte. Sie sagen, man könne dagegen nichts tun. Ist das eine Folge von Morbus Parkinson?

Das Pisa Syndrom ist keine Diagnose sondern eine (bildliche!) Beschreibung einer Haltungsanomalie, die sich in einer tonischen seitlichen oder nach vorne gerichteten Flexion des Rumpfes äussert. Diese Haltungsanomalie nimmt in vielen Fällen beim Gehen zu und behindert Letzteres stark. Die Ursache ist im Detail nicht bekannt. Aufgrund klinischer Beobachtungen werden aber im Wesentlichen zwei Faktoren diskutiert: Einerseits hirnorganische Krankheiten, insbesondere so genannte neurodegenerative Krankheiten (Parkinson, Alzheimer-Demenz, aber auch andere). Andererseits werden Behandlungen mit bestimmten Medikamenten, vor allem mit so genannten Neuroleptika aber auch anderen Psychopharmaka als Ursache vermutet. Risikofaktoren für eine solche Haltungsanomalie sind zudem das weibliche Geschlecht und ein hohes Alter. Die Kombination mehrerer Faktoren (beispielsweise die Diagnose Parkinson im Zusammenspiel mit Medikamenten und hohem  Alter) ist natürlich besonders riskant. 
Die Behandlung dieses Syndroms ist tatsächlich sehr schwierig und es gibt keine sicher effizienten Massnahmen. Falls Medikamente im Spiel sind, könnte man versuchen, deren Dosis zu reduzieren. Diskutiert werden aber auch Medikamente als Therapie – beispielsweise Anticholinergika. Diese haben aber bei älteren Menschen oft starke Nebenwirkungen. 
Um ihre Frage zu beantworten: das Pisa-Syndrom kann eine Folge der Parkinsonkrankheit sein, muss aber nicht. Denn es existieren, wie erwähnt, auch andere oder zusätzliche Ursachen.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Shy-Drager-Symptom

Mein Vater (68) war beim Neurologen, weil er öfter gestürzt ist. Der Arzt sagt, er leide an einem «atypischen Parkinsonsyndrom mit Shy-Drager-Symptomatik». Was ist das, und wie unterscheidet es sich vom «normalen» Parkinson?

Stürze im Alter sind häufig und haben viele Ursachen (Störungen von Herz, Kreislauf, Gleichgewichtsorgan [Innenohr], Rückenmark, periphere Nerven und diverse Hirnkrankheiten, z.B. Durchblutungsstörungen). Stürze gehören zum Parkinsonsyndrom im weitesten Sinn. 
Wir unterscheiden drei Arten von Parkinsonsyndromen: 1. Das idiopathische, also den Morbus Parkinson. 2. Ein symptomatisches, z.B. durch gewisse Vergiftungen oder Medikamente ausgelöst. 3. Das atypische oder «neurodegenerative» Parkinsonsyndrom. 
Letzteres umfasst diverse Krankheitsbilder, bei denen allen die dopaminergen Neuronen betroffen sind, weshalb eine «Parkinson-ähnliche» Symptomatik besteht. Aber es kommen weitere Beschwerden hinzu! Etwa starke Blutdruckschwankungen mit markantem  Blutdruckabfall im Stehen, was zu Stürzen führen kann. Diese und weitere Störungen der Funktion des vegetativen Nervensystems kennzeichnen das Shy-Drager-Syndrom (auch MSA, Multiple System Atrophie) genannt. Die Natur der Stürze zu klären, ist oft aufwendig und schwierig, aber wichtig, wenn es um die Therapie respektive Prävention geht. Liegt tatsächlich ein atypisches Parkinsonsyndrom vor, ist dessen Therapie meist viel schwieriger und weniger erfolgreich als beim «normalen» idiopathischen Parkinsonsyndrom. Auch die Prognose ist schlechter.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Risiko Osteoporose

Mein Mann (63) hat seit 12 Jahren Parkinson und ist medikamentös gut eingestellt. In letzter Zeit hat er an Körpergrösse verloren und seit Kurzem leidet er an Rückenschmerzen. Eine Röntgenuntersuchung zeigte mehrere angebrochene Brust-Wirbelkörper. Er ist zwar ein paarmal gestürzt. Dennoch stellen wir uns die Frage: Können seine Parkinsonmedikamente (Madopar, Requip-Modutab, Azilect, Comtan) eventuell für Osteoporose verantwortlich sein? Die Knochendichtemessung wird nächstens erfolgen.

Bei Behandlung mit den von Ihnen genannten Medikamenten wie auch mit anderen  Parkinsonmedikamenten wurde bisher kein speziell erhöhtes Risiko einer Osteoporose als  Nebenwirkung beschrieben. Allerdings wurde dies auch nicht systematisch untersucht. Sehr wohl ist aber bei Patienten mit einer Parkinsonerkrankung ein höheres Risiko von Osteoporose vorhanden, das sich besonders gefährlich auswirkt, wenn Stürze auftreten. So können bereits geringe Traumen zu   Knochenbrüchen führen. Das erhöhte Risiko für Osteoporose wird teilweise auf die geringere Aktivität der Parkinsonpatienten zurückgeführt, durch welche es zu einem Abbau von Knochensubstanz kommt. Ausserdem leiden gerade ältere Menschen, die sich nicht viel an der Sonne aufhalten, unter einem Vitamin-D-Mangel. Vitamin D wird unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung in der Haut gebildet und  fördert den Einbau von Calcium in die Knochen und damit die Festigkeit der Knochen. Ein Mangel führt also zu Osteoporose. Die Einnahme von Vitamin D ist deshalb bei vielen älteren Menschen sinnvoll und bei Parkinsonpatienten häufig notwendig. Möglicherweise spielen auch andere Vitamine im Knochenstoffwechsel eine Rolle. Hier sind unter Einnahme von Parkinsonmedikamenten ebenfalls  Mangelzustände beschrieben, weshalb Blutspiegeluntersuchungen sinnvoll sein können. Bei bereits diagnostizierter Osteoporose ist auf jeden Fall eine konsequente Behandlung mit den dafür zugelassenen Medikamenten und Vitamin D sinnvoll. Wenn ein Sturzrisiko besteht, wird prophylaktisch eine entsprechende Physiotherapie empfohlen.   Dr. med. Matthias Oechsner

Sprachvermögen

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Ständiges Räuspern

Mein Mann ist 67 Jahre alt, er hat seit 6 Jahren Parkinson. Seine Stimme wird immer leiser, sie ist rau und er muss sich ständig räuspern. Was kann er dagegen unternehmen?

Sie haben bei ihrem Mann ein für die fortschreitende Krankheit recht typisches Zeichen festgestellt, zumal Sprachstörungen bei Morbus Parkinson nicht selten sind. Verschiedene Störungen werden beschrieben. So kann die Stimme bei den einen allmählich leiser werden, andere wiederum beginnen zunächst mal laut zu sprechen und ihre Stimme schwächt sich dann im Laufe des Gespräches zunehmend ab. Andere Veränderungen, wie monotones Sprechen, zu schnelles Aneinanderreihen von Wörter oder gar Stottern treten ebenfalls auf. Letztlich kann eine störende Heiserkeit oder eine verwaschene Sprache die Kommunikation erschweren und die Isolation des Betroffenen zusätzlich verstärken. Es wird angenommen, dass die fehlerhafte innervierte Kehlkopfmuskulatur zu Schwingungsunregelmässigkeiten führt, welche ihrerseits das Auftreten von unharmonischen Teiltönen begünstigt. Letztere vermitteln dann dem Hörer den heiseren Klangeindruck. Auch der vorliegende Räusperzwang, oft verbunden mit einem Klossgefühl, sind im Zusammenhang mit der hier bestehenden unkoordinierten Aktivität des relativ komplexen Stimmbandapparates zu interpretieren. 
Zumal sich hinter einer chronischen  Heiserkeit auch andere, lokale Krankheiten des Stimm- und Bandapparates (Tumore oder Entzündungen) verstecken können, ist eine Abklärung zu deren Ausschluss beim Hausarzt oder einem HNO-Spezialisten empfehlenswert. Sollte die Störung dann der Parkinsonschen Krankheit zugeschrieben werden, sollte man nach Optimierung der medikamentösen Therapie eine logopädische Übungsbehandlung anstreben. Hier wird der Patient z.B. durch die Verwendung von akustischen oder visuellen Signalen angehalten, seinen Stimmpegel zu kontrollieren.  Dr. med. Claude Vaney

Undeutliche Sprache

Ich bin 58 Jahre und lebe seit sieben Jahren mit Parkinson. Es geht mir gut, ich bin aktiv und pflege meinen Freundeskreis. Nun sagt mir ein Kollege, ich würde immer undeutlicher reden. Mir fällt auch auf, dass viele Leute in Unterhaltungen mit mir nachfragen. Hat das mit Parkinson zu tun, und was kann ich tun?

Ja, diese Sprechstörung ist mit grösster Wahrscheinlichkeit Symptom Ihrer Krankheit. Sie tritt häufig und individuell zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten im Verlauf auf: als Erstsymptom oder erst viele Jahre nach Krankheitsbeginn. Die Eigenschaften sind unterschiedlich: die Sprache kann leise, heiser, undeutlich, verwaschen, tonarm und wenig moduliert sein. Leider reagieren diese Sprechstörungen nicht sehr gut auf die Parkinsonmedikamente  (Levodopa oder Dopaminagonisten). Verschiedene Übungs- oder Trainingstherapien aus der Logopädie haben aber eine anhaltende Verbesserung der Sprache und ihrer Verständlichkeit gezeigt (z.B. die so genannte Lee-Silvermann-Methode). Ihr Hausarzt soll Sie bei einer Logopädin anmelden. Sie kann Ihnen Übungen zeigen. Diese können Sie regelmässig zu Hause machen und so die Verständlichkeit Ihrer Sprache verbessern. Prinzip: Üben, üben, üben...  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Nuscheln

Mein Partner ist 54 Jahre alt und hat seit sieben Jahren Parkinson. Er lebt soweit recht gut damit. In letzter Zeit fällt mir auf, dass er undeutlicher spricht. Er beschleunigt oft mitten im Satz und nuschelt, sodass ich nachfragen muss. Ich bin der Meinung, er müsste etwas unternehmen, bevor es zu spät ist. Was raten Sie?

Sprechstörungen sind sehr lästige Symptome, da sie die sozialen Kontakte erheblich erschweren und damit die Neigung vieler Parkinsonpatienten, sich von der Gesellschaft zurückzuziehen, verstärken können. Es ist daher sicher wichtig, diesen Problemen bei der Behandlung die nötige Beachtung zu schenken.
In erster Linie muss die medikamentöse Therapie optimiert werden. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass Sprechstörungen häufig nur unbefriedigend darauf ansprechen. In diesen Fällen ist eine gezielte logopädische Behandlung angezeigt. Wichtig ist, dass diese Behandlung durch eine Fachperson, die Erfahrung mit Parkinsonpatienten hat, durchgeführt wird. Der Erfolg der Behandlung hängt auch davon ab, ob der Patient bereit ist, tägliche Übungen zu machen oder nicht.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Leise Stimme

Ich bin 73 Jahre alt und leide seit sieben Jahren an Parkinson. Meine Stimme wird in letzter Zeit immer leiser, und ich rede auch undeutlicher. Das finde ich sehr belastend. Kann ich etwas dagegen tun?

Sie können und müssen etwas dagegen tun! Die erste Massnahme ist, gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt eine optimale Einstellung der Antiparkinsonmedikamente anzustreben. Leise Stimme und undeutliche Sprache sind Krankheitsmerkmale wie z. B. Gehstörungen und Tremor: Eine optimierte medikamentöse Therapie sollte in der Lage sein, diese Beschwerden deutlich zu lindern. Zusätzlich gibt es wirksame Übungsprogramme; Parkinson Schweiz hat z.B. ein Selbstübungsprogramm mit der Logopädin Erika Hunziker auf CD veröffentlicht. Das beste Resultat können Sie aber durch die persönliche Beratung und eventuelle Behandlung einer Sprachtherapeutin erreichen. In beiden Fällen ist das regelmässige Üben (mindestens 1x pro Tag!) Voraussetzung für eine relevante Verbesserung.  Dr. med. Fabio Baronti

Die Stimme wird immer leiser und undeutlicher

Meine an Parkinson erkrankte Frau spricht in jüngster Zeit derart leise und undeutlich, dass ich sie kaum noch verstehen kann. Wenn ich sie dann bitte, etwas nochmals zu wiederholen, reagiert sie oft gereizt. Diese Situation ist für uns beide belastend, denn wir haben immer lange Gespräche geführt.

Im Lauf der Parkinsonerkrankung kann sich die Sprache verändern. Oft wird sie leiser und undeutlicher. Die Betroffenen selbst bemerken diese Veränderung häufig nicht. Es ist daher für Sie beide wichtig, sich bewusst zu werden, dass die Sprache sich krankheitsbedingt verschlechtert. Gezieltes Üben der Stimmlautstärke, idealerweise mit einer Sprachtherapeutin, kann dazu beitragen, dass die Verständigung wieder besser funktioniert. Zudem sollten Sie folgende Tipps beachten:
Haben Sie Geduld – lassen Sie Ihrer Frau stets genügend Zeit, in Ruhe auf eine Frage zu antworten! Schalten Sie überdies bei Gesprächen störende Nebengeräusche (z.B. Radio oder Fernseher) aus. Fordern Sie Ihre Frau höflich auf, das Gesagte laut zu wiederholen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Trainieren Sie im Alltag regelmässig und gemeinsam das lautere Sprechen. Sie können beispielsweise in verschiedene Räume gehen und sich etwas zurufen. Auch Telefonieren ist eine gute Übung. Zudem kann Singen die Lautstärke verbessern und die Stimme lebhafter machen.
Eventuell wäre es gut, wenn der behandelnde Neurologe Ihre Frau zu einer Logopädin überweist, die das Lee Silverman Voice Treatment beherrscht. Diese Methode wurde von zwei Sprachtherapeutinnen für die Parkinsonpatientin Lee Silverman entwickelt, weil es deren Familie ähnlich erging wie Ihnen. In unserem Shop können Sie überdies die CD «Logopädieübungen für Parkinsonbetroffene» bestellen. Regelmässiges Training mit der CD hilft, die Stimme lauter und deutlicher zu machen.  Elisabeth Ostler, Parkinson-Nurse

Stürze

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Gleichgewichtsstörungen und Stürze

Ich leide seit vielen Jahren an Parkinson. In letzter Zeit plagen mich Gleichgewichtsstörungen und ich bin schon öfter gestürzt. Was kann ich tun?

Es entspricht leider dem natürlichen Verlauf der Parkinsonerkrankung, dass Gleichgewichtsstörungen und Stürze in späteren Stadien zunehmen. Die Gleichgewichts¬reaktionen sind vermindert und sprechen auf Parkinson-Medikamente relativ wenig an. Wichtig ist zunächst, herauszufinden, welche beeinflussbaren Ursachen die Stürze haben. Wenn Gleichgewichtsstörungen beim Aufstehen auftreten, könnten tiefe Blutdruckwerte eine Rolle spielen. Das Trinken von Leitungswasser (3 dl) vor dem Aufstehen hilft, den Blutdruck zu stabilisieren. Stürze können durch Bewegungsblockaden ausgelöst werden, die wiederum begünstigt werden, wenn Betroffene mehrere Dinge gleichzeitig machen wollen (z. B. gehen und ein Tableau mit Gläsern tragen). Unsere Physiotherapeuten empfehlen deshalb, sich auf das Gehen zu konzentrieren und möglichst nichts in den Händen zu tragen (z. B. eher einen Servierwagen benutzen). Wenn Stürze vor allem in der Wohnung auftreten, können vermeidbare Hindernisse (z. B. Teppichränder) die Ursache sein. Draussen kann es lohnen, einen Rollator zu verwenden.Immer mehr Studien zeigen zudem, dass Bewegungs- und Gleichgewichtsübungen (z. B. Tai-Chi), Stürzen vorbeugen können. Eine Beratung durch einen Physiotherapeuten ist auf jeden Fall zu empfehlen. Nebst Bewegungsblockaden sind auch Überbewegungen eine häufige Ursache von Stürzen. Die Anpassung der Medikamente steht hier an erster Stelle. Parkinsonbetroffene sollten auch ihren Arzt fragen, ob sich generell schwindelverursachende Medikamente reduzieren lassen.

Stürze

Mein Vater leidet seit sieben Jahren an Parkinson. In den vergangenen Wochen ist er mehrmals gestürzt und hat sich dabei auch verletzt. Mutter ist noch rüstig und kümmert sich liebevoll um ihn, doch nun hat sie uns Kinder um Hilfe gebeten. Sie kann die Situation nicht mehr alleine bewältigen. Was können wir tun?

Zunächst finde ich sehr gut, dass Sie sich gemeinsam mit Ihrer Mutter und Ihren Geschwistern um Ihren kranken Vater kümmern wollen – das spricht für den Zusammenhalt in Ihrer Familie und dieser ist wichtig bei Parkinson.
Stürze sind leider eine häufige und gefährliche Begleiterscheinung der Parkinsonkrankheit. Sie können immer und überall passieren, was viele Betroffene dazu verleitet, sich weniger zu bewegen. Dieses falsche Verhalten führt zu noch mehr Unsicherheit – und hat noch mehr Sturzereignisse zur Folge. Die ständige Angst Ihrer Mutter, dass ihr Ehemann sich bei einem weiteren Sturz schwerer verletzen könnte, ist eine grosse Belastung.
Wann immer möglich, sollte Ihr Vater momentan begleitet werden. Eine Optimierung der medikamentösen Therapie durch den Neurologen kann ebenfalls Besserung bringen. Doch leider nützt auch die am besten eingestellte Medikation nicht immer gegen Stürze. 
Der Hausarzt könnte Ihren Vater für einen stationären Aufenthalt in ein Parkinsonzentrum überweisen, in dem er gezielt behandelt und trainiert werden kann, um die Gang- und Standsicherheit zu verbessern. Bei einem allfälligen Klinikaufenthalt sollten Ihre Eltern dieses Anliegen in aller Deutlichkeit hervorheben! Dabei kann übrigens auch das richtige Verhalten nach einem Sturz gezielt trainiert werden (Bodentraining). 
Dabei ist zu erwähnen, dass aus der Grundversicherung stationäre Aufenthalte nur dann zur Gänze vergütet werden, wenn sie in Kliniken erfolgen, die auf der kantonalen Spitalliste stehen. Je nach Zusatzversicherung wird diese Einschränkung aber aufgehoben. Sie müssten sich bei der Krankenkasse Ihres Vaters erkundigen, welche Kliniken durch seine Versicherung gedeckt sind. Zudem empfehle ich Ihnen, die Möglichkeit eines Entlastungsdienstes in Ihrer Region abzuklären.  Elisabeth Ostler, Parkinson Nurse

Plötzliche Stürze

Mann stürzt seit einiger Zeit immer wieder so plötzlich und überraschend, dass ich keine Chance habe zu reagieren. Bisher kam er gottlob stets mit leichten Blessuren davon. Doch wir machen uns natürlich Sorgen, dass er sich einmal ernsthafter verletzen könnte. Wissen Sie einen guten Rat?

Stürze kommen im späteren Verlauf der Parkinsonkrankheit leider bei vielen Betroffenen vor. Sprechen Sie auf jeden Fall mit dem Neurologen, denn oft kann durch Anpassung der Medikation die Gangsicherheit der Betroffenen verbessert werden. 
Gelingt es nicht, das Sturzrisiko auf diese Weise positiv zu beeinflussen, können aber auch noch andere Massnahmen ergriffen werden. Einerseits hilft die konsequente Verwendung eines Rollators, andererseits können Sie der Sturzproblematik durch gezielte Gangschulung im Rahmen einer regelmässigen Physiotherapie entgegenwirken. Überdies ist es sinnvoll, genau zu analysieren, in welchen Situationen Ihr Mann am häufigsten stürzt und wie genau der Sturz erfolgt. Welche Körperteile tragen Blessuren davon? Fällt er eher seitlich auf die Hüfte, mehrheitlich aufs Gesäss oder meistens auf die Knie? 
Entsprechend sollten die am stärksten gefährdeten Körperstellen gezielt geschützt werden. Bei Stürzen auf die Seite sollten Hosen mit Hüftprotektoren angezogen werden. Bei wiederholten Stürzen aufs Gesäss schützt eine Protektorenhose mit Steissbeinschutz die untere Wirbelsäule und den Steiss. Fällt Ihr Mann indes immer wieder auf die Knie, machen Knieschützer Sinn. Die Firma PD Care in Männedorf ZH (Tel. 044 480 02 20, www.pdcare.ch) stellt innovative Protektorenhosen her. Mitglieder von Parkinson Schweiz profitieren dort von Vorzugspreisen.  Elisabeth Ostler, Parkinson-Nurse

Knieverletzungen aufgrund von Stürzen

Mein Bruder, 80 Jahre alt, leidet seit neun Jahren an Parkinson. In letzter Zeit ist er sehr oft gestürzt und hat sich dabei auch verletzt: Nasenbeinbruch, aufgeschlagene Lippe und vor allem Knieverletzungen, die jeweils nur schlecht heilen. Er benutzt einen Rollator. Wie ich gehört habe, gibt es Knieschützer. Wie werden diese angelegt, aus welchem Material sind diese und was kosten sie?

Stürze bei fortgeschrittenem Parkinson sind meist auf die Störung der Reflexe, welche die aufrechte Körperhaltung sicherstellen, zurückzuführen. Diese sogenannte posturale Instabilität kann durch die medikamentöse Therapie leider praktisch nicht beeinflusst werden. Daher müssen die Patienten in einem Gangtraining ein «bewusstes» Gehen erlernen und üben, brüske Drehbewegung beim Gehen und Stehen zu vermeiden. Im Haus müssen Stolperfallen (z. B. Teppiche) eliminiert werden und die Patienten sollten auch drinnen stabile und rutschfeste Schuhe tragen. Wenn Ihr Bruder selbst bei der Zuhilfenahme eines Rollators immer wieder auf die Knie stürzt, ist es – wie von Ihnen völlig richtig angedacht – durchaus sinnvoll, wenn er Knieschützer anlegt, wie sie auch bei manchen Sportarten verwendet werden. Daher würde ich Ihnen empfehlen, sich zusammen mit Ihrem Bruder in einem guten Sportgeschäft beraten zu lassen. Die Schützer sollten leicht an- und ausziehbar sein und vorne ein schlagabsorbierendes Polster haben, das die gesamte vordere Knieregion abdeckt. Ob Ihr Bruder die Schützer unter oder über der normalen Hose trägt, ist ihm überlassen, muss aber bei der Wahl der richtigen Grösse (Knieumfang) berücksichtigt werden.  Elisabeth Ostler, Parkinson-Nurse

Tiefe Hirnstimulation

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Störungen des Hirnschrittmachers durch Handys oder Elektrozäune?

Ich überlege mir, einen Hirnschrittmacher einbauen zu lassen. Können ein Handy oder ein Elektrozaun den Energiefluss unterbrechen oder stören?

Der so genannte «Hirnschrittmacher» inaktiviert tiefe Hirnstrukturen, die bei Parkinson die Durchführung der Bewegung «bremsen», durch eine niedriggespannte elektrische Stimulation. Die Impulse werden von unter der Haut (neben dem Schlüsselbein) platzierten Stimulatoren generiert und durch im Hirn implantierte Elektroden geleitet. Der Arzt optimiert dann die Intensität der Stimulation durch die direkte Applikation von elektromagnetischen Feldern auf die Stimulatoren.
In unserem Alltag schwimmen wir im «Elektrosmog». Erfreulicherweise beeinflussen die zahlreichen Geräte, die wir täglich benutzen (Handy, Haushaltgeräte, Computer, Radio usw.), die Funktion der Stimulatoren nicht. Schweissanlagen, Generatoren, Starkstromleitungen, viele industrielle Elektrogeräte und sogar grosse Lautsprecher könnten sie hingegen beeinträchtigen, ihre Bedeutung ist aber bei den meisten Betroffenen sehr gering.
Anderseits kann bereits ein sehr kleiner Magnet, der in die unmittelbare Nähe der Stimulatoren gerät, diese ausschalten. Auch Metalldetektoren am Flughafen oder Diebstahlschranken in Geschäften könnten die Funktion der Stimulatoren stören: neben einem Ausweis, der sie als «Schrittmacherträger» identifiziert, erhalten die Patienten einen Magneten, womit sie den Schrittmacher nach Bedarf wieder einschalten können.
Absolut verboten ist einzig die Diathermie (Applikation von Kurzwellen, Mikrowellen oder Ultraschall zur Linderung von z. B. Schmerzen oder Schwellungen). Die Interaktion zwischen der Energie, die diese Technik appliziert, und den Stimulatoren kann ernsthafte Verletzungen oder sogar den Tod verursachen – auch wenn die Stimulatoren ausgeschaltet oder sogar teilweise entfernt worden sind.
Bei gewissen anderen medizinischen Interventionen (wie z.B. Herzschrittmacher, Ultraschalluntersuchungen, Strahlentherapie) ist Vorsicht geboten und die behandelnden Ärzte müssen über die tiefe Hirnstimulation unbedingt informiert werden. Eine Kernspintomographie kann, falls unumgänglich, durchgeführt werden, die Radiologen müssen aber strenge Sicherheitsrichtlinien beachten.
Unter Berücksichtigung dieser wenigen Vorsichtsmassnahmen wird die Lebensqualität von «Schrittmacherträgern» durch die «Magnetisierung» unserer Umwelt in der Regel kaum oder gar nicht eingeschränkt.  Dr. med. Fabio Baronti

Vorgehen für Abklärungen für eine THS-Operation

Ich (51) leide seit 5 Jahren an Parkinson und interessiere mich für die Tiefe Hirnstimulation (THS). Wie gehe ich vor, damit mein Fall richtig abgeklärt wird?

Zunächst will ich betonen, dass die THS, wie alle anderen (medikamentösen) Therapieformen, nur eine symptomatische Behandlungsform bei Parkinson ist. Sie kann weder an der Ursache noch am fortschreitenden Verlauf etwas ändern. Die Erfolgsaussichten stehen und fallen mit der richtigen Indikationsstellung, also der richtigen Auswahl der Patienten. Denn nicht alle Symptome können mit der THS positiv beeinflusst werden, einige verschlechtern sich sogar. Zudem gibt es einige klare Kontraindikationen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist gutes Ansprechen auf Levodopa-Präparate (Madopar, Sinemet). Je nach Symptomkonstellation kann die THS unterschiedlich gerichtet sein (Zielpunktwahl). Und auch nach der THS müssen meist weiter Medikamente genommen werden. Das heisst: Nicht jeder Parkinsonpatient ist ein «guter» Kandidat für eine THS.
Zur Abklärung sollten Sie mit einem Neurologen die Therapie und mögliche Verbesserungschancen besprechen. Ergeben sich aus der Analyse Optionen für eine THS, sollten Sie sich an ein Zentrum, das solche Eingriffe durchführt (z.B. zu uns ans Inselspital Bern), überweisen und dort nochmals eingehend beraten lassen.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Tremor

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Tremor wird immer stärker

Ich habe schon viele Jahre Parkinson. In jüngster Zeit macht mir ein starkes Zittern zunehmend Schwierigkeiten. Ich bekomme Levodopa und einen Agonisten (Sifrol). Kann man das Zittern mit einer Umstellung lindern?

Zuerst muss fachärztlich geklärt werden, ob Ihr Zittern durch die Parkinsonkrankheit bedingt ist oder nicht. Es gibt viele andere Gründe für ein Zittern. Wenn dieses bei schon mehrjährig bestehender Parkinsonkrankheit erst jetzt auftritt, müssen andere Ursachen gesucht werden. Es könnte sich auch um Spätkomplikationen der Therapie handeln. Das «Parkinsonzittern» ist typischerweise an den Händen und zwar deutlich einseitig oder nur einseitig zu beobachten. Levodopa-Präparate wirken am besten gegen das Parkinsonzittern, leider aber oft ungenügend. Nur bei jüngeren Patienten kann man einen Versuch mit dem Medikament Akineton machen. Wenn das Zittern stark, behindernd und deutlich einseitig ausgeprägt ist, sollte auch ein operativer Hirneingriff erwogen werden. Er stellt die wirksamste Therapie dar.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger 

Stärkerer Tremor nach Medikationswechsel

Mein Arzt hat vor kurzem Akineton abgesetzt. Seither hat sich mein Zustand verschlechtert, ich zittere viel mehr und leide unter starkem Speichelfluss. Muss ich damit leben?

Akineton hat tatsächlich eine gute Wirkung auf das Zittern und den vermehrten Speichefluss bei Parkinson. Diese beiden  Symptome sind eigentlich die einzigen Gründe, dieses Medikament heutzutage überhaupt noch in der Parkinsonbehandlung einzusetzen. Denn insbesondere bei älteren Patienten kann Akineton viele unangenehme und sogar gefährliche Nebenwirkungen haben, unter anderem Verwirrtheit, Halluzinationen, Müdigkeit, Schwindel, Stürze, Harnverhalt, Magenbeschwerden, Verstopfung, Sehstörungen, trockener Mund und andere mehr. Man müsste wissen, welche Gründe Ihren Arzt veranlassten, das Akineton zu stoppen. Eventuell würden auch nur kleine(re) Akineton-Dosen genügen, um ihre Beschwerden positiv zu beeinflussen. Andererseits gibt es andere Massnahmen, um den Tremor zu lindern oder den verstärkten Speichelfluss zu bremsen. Besprechen Sie diese Probleme mit Ihrem Arzt.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Parkinsontremor - ja oder nein?

Mein Vater ist jetzt 81 Jahre alt. Er zittert, wenn er etwas Feinmotorisches ausführen will. Ist das ein typischer Parkinsontremor?

Beim Parkinsontremor handelt es sich klassisch um ein Ruhezittern, das in erster Linie bei völliger körperlicher Entspannung, etwa im Sitzen beim Fernsehen, oder bei hängenden Armen im Stehen und Gehen auftritt. Häufig sieht es dann so aus, als ob jemand Pillen drehen oder Geld zählen würde. Innere Spannung oder Stress verstärkt dieses Ruhezittern. Bei willkürlichen Bewegungen, besonders am Anfang, hört es meist auf. In der Abschlussphase zielgerichteter Bewegungen kann manchmal ein sogenannter „Landetremor“ auftreten. Bei Kleinhirnerkrankungen hingegen findet sich ein Intentionstremor, der bei Bewegungsabsicht einsetzt und der in der Nähe des angesteuerten Zieles zunimmt. Von diesen Tremorarten lässt sich noch ein Aktions- oder Haltetremor während der Bewegung abgrenzen. 
Diese Unterteilung ist vor allem therapeutisch wichtig, weil man diese Tremorformen medikamentös differenziert angehen kann. Gerade der Haltetremor lässt sich mit einem Beta-Blocker (wirkt beruhigend aufs vegetative Nervensystem) meist gut beeinflussen. Da manchmal die erwähnten Tremorformen gleichzeitig vorkommen, oder gar in gemischten Formen, ist eine genaue Zuordnung wie bei Ihrem Vater schwierig. Eine klinische Untersuchung beim Neurologen könnte therapeutisch weiter helfen.  Dr. med. Claude Vaney

Zittern bei feinmotorischen Arbeiten

Mein Vater ist 79 Jahre alt. Er zittert, wenn er etwas handwerklich arbeitet. In Ruhe zittert er aber nicht. Ist das ein typischer Parkinsontremor? Hat er Parkinson?

Der typische Parkinsontremor, gerade auch zu Beginn der Parkinsonkrankheit, ist ein Ruhetremor, das heisst, er tritt bei entspannter Muskulatur, beispielsweise im Sofa vor dem Fernseher, auf. Das Parkinsonzittern beginnt meist an den Händen und zwar asymmetrisch, das heisst, es ist nur an einer Hand zu beobachten (jedenfalls zu Beginn der Krankheit). Es ist immer wieder beeindruckend zu beobachten, wie der typische Parkinsontremor, selbst wenn er stark ausgeprägt ist, verschwindet, sobald der Betroffene eine Bewegung ausführt. Beispielsweise, wenn er zu einem Trinkglas greift und dieses dann zielsicher und ohne einen Tropfen zu verschütten, zum Mund führt. Die Patienten berichten auch, dass dieser Tremor sie beim Verrichten selbst komplizierter Handarbeiten nicht behindert – zu Beginn jedenfalls. Der Tremor ist ja auch nicht das Hauptsymptom der Parkinsonkrankheit und auch keineswegs bei allen Patienten anzutreffen. 
Insgesamt also ist es eher unwahrscheinlich, dass Ihr Vater Parkinson hat. Um allerdings die Diagnose definitiv auszuschliessen und auch, um die Tremorursache zu klären, ist zwingend eine detaillierte fachärztliche neurologische Untersuchung nötig.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

Hat die Oma Parkinson?

Meine Oma wackelt häufig mit dem Kopf, wenn sie sitzt und geht. Manchmal sieht sie aus wie eine «Wackelpuppe». Mit anderen Körperteilen wackelt sie aber nicht. Ist das Parkinson?

Vermutlich handelt es sich bei dem «Kopfwackeln» um ein Kopfzittern beziehungsweise einen Kopftremor. Ein Tremor kommt bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen vor. Bei Parkinson ist vor allem ein meist seitenbetonter Ruhetremor der Hände typisch. Seltener können auch andere Körperteile wie etwa der Kopf betroffen sein. Der Parkinsontremor tritt allerdings meist in Kombination mit einem der anderen sogenannten Kardinalsymptome wie Akinesie (Bewegungsverlangsamung) und Rigor (erhöhte Muskelspannung) auf. Ein isoliertes Kopfzittern kommt am ehesten bei einer anderen häufigen Tremorerkrankung, dem essenziellen Tremor, vor. Dieser ist bei etwa 60 % der Patienten erblich bedingt und damit bei anderen Familienmitgliedern nachweisbar, kann aber auch spontan auftreten. Für die Einordnung der Symptome Ihrer Grossmutter zu einer korrekten medizinischen Diagnose ist eine genaue Befragung und eine gründliche neurologische Untersuchung erforderlich.  Dr. med. Helene Lisitchkina

Vererbung

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Vererbarkeit überprüfen

Was gehört zu den aufwändigen genetischen Untersuchungen, um die Vererbbarkeit von Parkinson zu überprüfen? Ich, weiblich, leide unter Parkinson und möchte abklären, ob meine Kinder die Krankheit ebenfalls bekommen können.

Es sind erst einige Veränderungen im Erbgut mit einem familiären Erbgang bekannt. Eine genetische Abklärung erscheint daher nur sinnvoll bei frühem Krankheitsbeginn vor dem 45. Lebensjahr oder bei einer familiären Häufung. Dem Entscheid zu einer genetischen Testung folgt das Beratungsgespräch mit einem Genetiker, der auch die Folgen eines positiven Resultates auf Familienmitglieder – wie hier Ihre Kinder – diskutiert, insbesondere, falls diese erwachsen sind und selbst Kinder wünschen. In einer ganzheitlichen Betrachtung hat die Genetik wesentlich zum besseren Verständnis von Parkinson   beigetragen. Diese genetische Abklärung kann Ihnen als Betroffene möglicherweise lediglich beschränkt Antworten geben. Doch die entsprechende Forschung ist nur dank der persönlichen Bereitschaft von Betroffenen und ihren Familien möglich.    PD Dr. med. David Benninger

Kann Parkinson vererbt werden?

Bei meiner Schwiegermutter wurde mit 56 Jahren Parkinson festgestellt. Auch einer ihrer Brüder hatte Parkinson. Mein Mann lebt seit dem 44. Lebensjahr mit Parkinson. Nun machen sich unsere beiden Söhne Sorgen, ebenfalls Parkinson zu bekommen. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit?

In der Genetik vom Morbus Parkinson gibt es einerseits Veränderungen, die lediglich einen Risikofaktor für die Erkrankung darstellen, und andererseits solche, die sich wie bei einer Erbkrankheit verhalten. Bei einem Krankheitsbeginn unter 40 Jahren wird eine vererbbare Form möglich, ist aber immer noch unwahrscheinlich. Bei einem Krankheitsbeginn unter 30 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit – und beträgt gar ca. 50% bei einem Krankheitsbeginn unter 21 Jahren. Ansonsten gilt Parkinson als nicht erbliche Krankheit. In der Familie Ihres Mannes gibt es nun 3 erstgradige Verwandte, die an einem Parkinson erkrankt sind. Eine erbliche Form des Parkinson ist hier sicherlich möglich, aber noch nicht bewiesen. Ich empfehle eine genetische Beratung und allenfalls Testung auf die dominant vererbbaren Gene (v. a. LRRK2, VPS35) bei Ihrem Mann. Beim Vorhandensein einer Mutation in einem dieser bekannten Gene könnte das Erkrankungsrisiko Ihrer Söhne genauer benannt und allenfalls sogar getestet werden.    Dr. med. Georg Kägi

Vererbbarkeit von Parkinson

Im Dezember kam im Schweizer Fernsehen eine jüngere parkinsonkranke Frau, deren Mutter auch an Parkinson leidet. Ich dachte immer, Parkinson sei nicht vererbbar?

In den letzten Jahren hat die Forschung eine zunehmende Anzahl Gene mit der Parkinsonkrankheit in Zusammenhang gebracht. Heute wissen wir, dass Parkinson tatsächlich in sehr wenigen Familien weltweit vererbt wird: Hier weist jedes Kind sogar ein bis zu 50-%iges Risiko auf, die Krankheit selber zu entwickeln. In Island wurde vor wenigen Jahren eine Studie durchgeführt, in der die Familiengeschichte über mehrere Jahrhunderte dokumentiert werden konnte, was in anderen Populationen und Kulturen eine absolute Ausnahme ist. In dieser Studie zeigten Geschwister von Parkinsonbetroffenen, bei welchen die Krankheit im Erwachsenenalter auftrat, ein erhöhtes Parkinsonrisiko; bei Kindern war das Risiko «lediglich» verdreifacht.
Aber machen Sie sich keine Sorgen! Diese Hinweise auf eine dominante Rolle der Gene für den Ausbruch der Krankheit wurden in anderen grossen Studien (ausserhalb Islands und mit der Ausnahme der wenigen betroffenen Familien) nicht bestätigt. Auch Studien über eineiige und zweieiige Zwillinge konnten eine direkte Vererbbarkeit der parkinsonschen Krankheit nicht bestätigen.
Heute denken die meisten Experten, dass hauptsächlich bei den Verwandten von Betroffenen, bei denen die Krankheit in juvenilem Alter ausgebrochen ist, ein erhöhtes Risiko besteht. Bei allen anderen spielen die genetischen Faktoren entweder keine Rolle oder verursachen eine leichte Steigerung des Risikos. Die Auswirkung mehrerer (noch unbekannter) Umweltfaktoren wäre nötig, um den Ausbruch der Krankheit auszulösen. 
Der bekannte US-Parkinsonexperte Abraham Liebermann hat geschätzt, dass bei Vorhandensein eines betroffenen Familienmitglieds sich das Risiko auf 0,07 % verdoppeln, bei zwei betroffenen Angehörigen verdreifachen (0,105 %) könnte. Es handelt sich um subjektive Schätzungen, die wissenschaftlich nicht belegt sind.  Dr. med. Fabio Baronti

Vererbbar oder nicht?

Es heisst, Parkinson sei nicht vererbbar. Mein Vater hatte Parkinson, und nun leiden zwei seiner drei Kinder, darunter ich (75), auch an Parkinson. Was heisst das für meine bislang gesunde Tochter (40)? Was kann sie tun? 

Bei den allermeisten Patienten liegt eine sogenannte sporadische, das heisst eine nicht erbliche Form des Leidens vor. Es sind aber einige Familien bekannt, in denen die Krankheit vererbt wird. In Ihrem Fall halte ich dies zwar für möglich – aber keineswegs für bewiesen. Es gibt heute genetische Untersuchungsmethoden, die diese Frage beantworten könnten. Dabei handelt es sich um aufwendige Untersuchungen, die noch nicht zur Routine gehören. Am besten fragen Sie einen Neurologen, der Sie und Ihre Geschwister kennt, ob er eine solche Abklärung empfehlen würde. Dabei könnte auch Ihre Tochter untersucht werden. Sollten Sie tatsächlich an einer erblichen Parkinsonform leiden, könnte man Ihrer Tochter sagen, ob bei ihr ebenfalls ein erhöhtes Risiko besteht. Mehr würde man aber nicht tun können, da das Auftreten der Krankheit bislang nicht verhindert werden kann.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Wärmehaushalt des Körpers

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Schweissausbrüche

Seit einiger Zeit habe ich nachts starke Schweissausbrüche. Was kann ich tun?

Schweissausbrüche, über die etwa zwei Drittel der Parkinsonbetroffenen klagen, treten individuell während Blockaden genauso auf wie während Dyskinesien, und das sowohl tagsüber als auch nachts. In jedem Fall sind das Schwitzen, die nasse Kleidung und Bettwäsche sehr unangenehm. Bei vielen Betroffenen finden die Schweissausbrüche in der Nacht statt, weshalb diese ihre Nacht- und Bettwäsche mehrmals wechseln müssen.
Gegen das unangenehme Gefühl der schweissigen Haut hilft Sport-Funktionswäsche – auch als Nachtkleidung! Deren spezielles Material leitet den Schweiss von der Haut weg an die Kleideroberfläche. Gute Funktionswäsche hat ihren Preis, erhältlich ist sie im Sportgeschäft. Des Weiteren empfehle ich Bettwäsche aus Mikrofaser. Diese ist sehr saugfähig und gibt länger ein trockenes Gefühl. Am Morgen müssen sie diese gut auslüften!  
Sie können versuchen, die nächtlichen Schweissausbrüche zu mildern, indem Sie abends 40 Tropfen Salvia einnehmen, aufgelöst in wenig lauwarmem Wasser. Das Salbeipräparat hilft gegen Schwitzen und ist auch für die Mundpflege gut geeignet. Alternativ nehmen Sie 3 Mal täglich 5 bis 20 Tropfen ein.  Elisabeth Ostler, diplomierte Pflegefachfrau HF, Parkinson Nurse

Schweissattacken

Seit einiger Zeit leide ich unter Schweissattacken, was nicht nur ich, sondern auch meine Frau sehr störend finden. Was kann ich dagegen tun?

Die parkinsonsche Krankheit verursacht oft Störungen in der Regulation der Körpertemperatur, ca. zwei Drittel der Betroffenen beschreiben Schweissstörungen. Beobachten Sie mit Aufmerksamkeit, ob Ihre „Attacken“ zusammen mit einer motorischen „Blockade“, mit unwillkürlichen Bewegungen oder zu besonderen Tageszeiten auftreten. In diesem Fall könnte der behandelnde Arzt Ihre Situation durch eine Anpassung der Medikamente deutlich verbessern. Zudem könnten einfache klinische Massnahmen (warmes oder feuchtes Klima vermeiden, keine Anstrengungen in warmer Umgebung, Tragen von frischer und atmungsaktiver Kleidung, genügend Flüssigkeitszufuhr) gegen das übermässige Schwitzen sehr helfen. 
Sollte keine dieser Massnahmen wirksam sein, könnte die Indikation für eine Betablockerbehandlung mit Ihrem Arzt diskutiert werden. Ihr Arzt sollte auch andere Ursachen Ihrer Beschwerden (wie z.B. Schilddrüsen-Überfunktion, oder eine chronische Infektion) ausschliessen.
Bei einer in einzelnen Körperteilen lokalisierten, übermässigen Schweissproduktion (bei Parkinson selten) könnte man auch die lokale Behandlung mit Botulinumtoxin erwägen, das eine „Lähmung“ der Schweissdrüse verursacht.  Dr. med. Fabio Baronti

Wärme-Kälte-System total durcheinander

Bei meinem Partner (67) ist das Wärme-Kälte-System völlig durcheinander. Manchmal schwitzt er tagsüber oder auch nachts derart stark, dass er die Wäsche wechseln muss. Kann man dagegen etwas tun?

Störungen der Temperaturregulation können bereits zu Beginn der Erkrankung auftreten. Vermutlich gehen die Schweissausbrüche parallel mit den Phasen schlechter Beweglichkeit einher. Besprechen Sie mit dem behandelnden Arzt die Medikation, vielleicht lässt sich da noch eine bessere Einstellung finden. Achten Sie bei Kleidung und Bettwäsche auf Naturfasern, diese nehmen den Schweiss besser auf als Kunstfasern. Die nächtlichen Schweissausbrüche können tatsächlich sehr störend sein, oft bleibt da nur der Wäschewechsel. Der Sommer kann für Parkinsonbetroffene eher anstrengend sein. Sie sollten daran denken, wegen dem vermehrten Schwitzen genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Abzuraten ist von einem Saunabesuch.  Helen Fuchser Möhl, diplomierte Pflegefachfrau

Temperaturregulationsstörungen - was tun?

Meine Frau (62) leidet an Parkinson. Nun wollen wir (teilweise) nach Thailand auswandern. Meine Frau fürchtet sich aber vor dem warmen Klima dort, denn sie schwitzt oft stark. Gibt es Möglichkeiten, die Temperaturregulation besser in den Griff zu bekommen?

Forschungsergebnisse der letzten Jahre, gerade auch am Menschen, haben klar gezeigt, dass bei der Parkinsonkrankheit nicht nur die Nervenzellen des dopaminergen Systems in der Substantia nigra absterben, sondern dass auch andere Neurotransmittersysteme betroffen sind. So gehen beispielsweise auch noradre¬nerge und serotonerge Nervenzellen vorzeitig zugrunde – und dies auch schon in frühen Krankheitsstadien. Diese Störungen sind sowohl in den Regulationszentren des Hirnstammes als auch in den peripheren Nervenganglien zu beobachten.
Daraus resultieren verschiedene der sogenannten nicht motorischen Symptome von Parkinson – so auch die Schweisssekretionsstörung. Diese äussert sich in einer generell vermehrten Talgsekretion der Haut, vor allem im Bereich von Gesicht und Brustrinne, einerseits sowie einer verstärkten Schweissneigung im Rahmen der Temperaturregulation bei warmem Wetter (speziell bei feuchtem Klima) andrerseits. Da es sich hier um die Folge einer Störung eines komplexen nervlichen Regelkreises handelt, ist die Therapie schwierig und eine gezielte medikamentöse Therapie ist nicht bekannt. 
Man hat aber beobachtet, dass das Schwitzen vor allem in den Off-Phasen verstärkt ist und teils parallel geht mit den motorischen Schwankungen. Das heisst auch, dass man mit den üblichen Antiparkinsonmedikamenten die Motorik optimieren sollte, mit der Hoffnung, dass mit geringeren Wirkungsschwankungen und weniger Off-Phasen auch das Schwitzen positiv beeinflusst werden kann.  Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger

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Stärkere Symptomatik aufgrund einer Grippe

Mein Mann (69) leidet seit sieben Jahren an Parkinson. Kürzlich hatte er eine starke Erkältung.
Die Parkinsonsymptome schienen mir in dieser Zeit deutlich ausgeprägter. Kann das sein?

Ja, Sie haben sehr gut beobachtet, eine Verschlimmerung der Parkinsonsymptome im Rahmen einer Allgemeinerkrankung (Grippe, Lungenentzündung, schwerer Unfall oder nach grösserer Operation) ist nicht selten. Es gibt verschiedene Erklärungen: Oft neh­men die Patienten wegen allgemeiner Schwäche oder Appetitlosigkeit die Parkinsonmedikamente nicht mehr regelmässig ein. Oder Erbrechen und Durchfall stören die Aufnahme der Medikamente aus dem Magen-Darm-Trakt. Es ist auch möglich, dass neue zusätzlich eingenommene Medikamente mit den Parkinsonmedikamenten interferieren. Schon nur Fieber alleine führt bei den meisten Krankheiten des Nervensystems zu einer Symptomverschlechterung. Schlussendlich kann auch die grippebedingte Bettlägerigkeit zu einer generellen Reduktion von Beweglichkeit («Trainingsmangel») führen. Aber nach Erholung von allen Grippesymptomen sollte diese passagere Verschlechterung wieder verschwinden.    Prof. Dr. Mathias Sturzenegger

Zahnschäden durch Madopar?

Kann das sein, dass Madopar Schäden an den Zähnen verursacht?

Das wäre mir nicht bekannt, und auch im Arz­neimittelkompendium ist eine solche Nebenwirkung nicht aufgeführt. Viel wahrscheinlicher ist eine ungenügende Zahnhygiene mit konsekutiver Karies die Ursache von Zahnschäden bei Parkinson. Der bei (fortgeschrittenen Stadien der) Parkinsonkrankheit gestörte bzw. verminderte Schluckreflex führt zu einem vermehrten Liegenbleiben des Speichels im Mundhöhlenbereich (fälschlicherweise oft als Hypersalivation bezeichnet). Da der Speichel, der regelmässig geschluckt wird, eine wichtige Reinigungs-(Spül-)Funktion für die Mundhöhle hat, kann es sein, dass es dadurch zu einem verstärkten Bakterienwachstum in der Mundhöhle kommt, was wiederum die Karies fördert. Die Therapie wäre auch hier eine intensivierte Mund­hygiene (Zähne putzen, Mund spülen).  Im Zweifelsfall konsultieren Sie Ihren Zahnarzt: Er kann die Karies rasch erkennen und Gegenmassnahmen mit Ihnen besprechen.    Prof. Dr. Mathias Sturzenegger

Transkranielle Magnetstimulation

In letzter Zeit bin ich im Zusammenhang mit Parkinson öfter über den Begriff «Transkranielle Magnetstimulation» gestolpert. Wie funktioniert diese Therapie und welche Symptome werden damit bei Parkinson behandelt?

Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) und die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) sind zwei Formen der nicht invasiven Hirnstimulation (NIHS). Bei dieser werden transkraniell (von ­aussen durch den Schädel hindurch) gewisse Regionen der schädelnahen Grosshirnrinde stimuliert. Bei der TMS durch ein erzeugtes Magnetfeld, bei der tDCS durch Gleichstrom.
Die NIHS könnte, das zeigen neuere Forschungen, neben der medikamentösen (dopaminergen) Therapie, den nicht medikamentösen Behandlungen (Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie) sowie der invasiven Tiefenhirnstimulation (THS) eine Alternative zur Behandlung motorischer Parkinsonsymptome sein. Vor allem bezüglich der bisher nur schwer kontrollierbaren Symptome, wie z.B. Freezings (Einfrieren beim Gehen), Dyskinesien oder feinmotorische Störungen. Mehrere Studien zur Sicherheit der NIHS sind in klare Empfehlungen für die Anwendung bei Morbus Parkinson gemündet. Die NIHS ist gut verträglich und birgt bei Einhalten der Richtlinien keine besonderen Risiken.
Klinisch wird die TMS derzeit vor allem in der Diagnostik eingesetzt, zur Prüfung sogenannter motorisch evozierter Potenziale (MEP). Die repetitive TMS (rTMS), die mit rasch und regelmässig aufeinanderfolgenden Einzelstimuli arbeitet, erlaubt die Aktivierung respektive Hemmung der Gehirnaktivität. Damit hat sie das Potenzial für die therapeutische Anwendung. Von besonderem Interesse ist die Anwendung der rTMS auf Ebene der motorischen Grosshirnrinde (motorischer Kortex), nicht zuletzt durch die einfache Zugänglichkeit.
Laut einem kürzlich publizierten Übersichtsartikel könnte die rTMS möglicherweise positive Effekte auf die Parkinsonsymptome, vor allem auf die Bradykinese (Verlangsamung), haben. Durch die Anwendung der rTMS sollen die motorischen Symptome kurzfristig (anhaltender Effekt bis zu 3 Monaten) reduziert werden können. Zudem sei eine mögliche antidepressive Wirkung erzeugbar, sofern der dorsolaterale präfrontale Kortex (DLPFC) stimuliert wird. In den USA hat die Food and Drug Administration (FDA) die rTMS für die Therapie von Depressionen zugelassen. Die Effekte scheinen gleich zu sein wie nach Einnahme von Antidepressiva.
Obwohl die Wirksamkeit der NIHS für einige Parkinsonsymptome gegeben scheint, muss erwähnt werden, dass die Implementierung dieser möglichen zusätzlichen Behandlungsmethode in den Kliniken bisher kaum stattgefunden hat. Dies hat sicher damit zu tun, dass die bisherigen experimentellen Ergebnisse noch in grösseren, besser kontrollierten Studien belegt werden müssen. Zudem muss auch die Anwendung der NIHS bei schwer kontrollierbaren Parkinsonsymptomen, etwa Freezings, noch genauer untersucht werden. Und es wäre interessant, zu erforschen, ob eine Kombination von beispielsweise evidenzbasierter physiotherapeutischer Behandlung (Laufband-Training) und NIHS den therapeutischen Effekt auf die Parkinsonsymptome noch zu steigern vermag.
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die NIHS derzeit eine mögliche Alternative zu den bereits etablierten Therapiemethoden bei der Behandlung von motorischen Parkinsonsymptomen bieten könnte. Die bisher gefundenen experimentellen Ergebnisse scheinen vielversprechend. Doch die Effekte müssen noch in besseren, grösseren, kontrollierten, randomisierten Studien bestätigt werden.   Dr. phil. Tim Vanbellingen

Blasenentleerung

Ich betreue als Fachperson eine Dame, die seit vielen Jahren an Parkinson erkrankt ist. Im Wachzustand ist sie so angespannt, dass sie die Blase nicht entleeren kann und starke Schmerzen bekommt. Was können wir tun?

Parkinson ist vor allem durch den Untergang der für die Produktion des Botenstoffs Dopamin zuständigen Nervenzellen geprägt. Letztere sind auch an der Kontrolle der Blasenfunktion beteiligt. Blasenstörungen sind daher ein häufiges nicht motorisches Symptom bei Parkinson. Rund 50% aller Patienten sind von Blasenentleerungsstörungen, welche die Lebensqualität stark einschränken, betroffen.
Typisch für Parkinson ist eine überaktive Blase verbunden mit dem dranghaften Bedürfnis, die Blase zu entleeren. Dieses Problem kann mit Inkontinenz einhergehen, da die Patienten aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit die Toilette oft nicht rechtzeitig erreichen können. Es gibt aber auch Blasenstörungen, die dazu führen, dass die Blase nicht vollständig entleert werden kann. Die Folge sind Harnverhalt (oft begleitet von Schmerzen) und die Bildung von Restharn mit erhöhtem Risiko für Harnwegsinfektionen. In jedem Fall sollte zuerst ein Urologe konsultiert werden, um eventuelle andere Ursachen für die Blasenstörung (z. B. bösartige Erkrankungen der ableitenden Harnwege) auszuschliessen. Liegen keine solchen Erkrankungen vor, sollte die dopaminerge Therapie mit L-Dopa oder Dopaminagonis­ten optimiert werden. Genügt dies nicht (was leider häufig der Fall ist), können im Fall einer überaktiven Blase Medikamente (Anticholinergika) eingesetzt werden, welche die Blase beruhigen und so eine bessere Kontrolle der Blasenentleerung ermöglichen. Diese Medikamente lösen aber nicht selten und besonders bei älteren Menschen Nebenwirkungen wie Verwirrtheitszustände (Delir) aus.   Dr. med. Stefan Hägele-Link

Innere Unruhe

Meine Mutter hat seit 13 Jahren Parkinson. Die Medikamente wirken verschieden. Mal ist sie blockiert, dann wirft es sie herum, sie stürzt auch öfter. Sie kann nicht längere Zeit sitzen, möchte immer in Bewegung sein, als fände sie keine Ruhe. Sie ist nun im Pflegeheim. Aber auch dort möchte sie aufstehen und laufen. Ist das typisch für ihre Krankheit oder eher eine persönliche Eigenart? Sie hatte immer eine leichte Unruhe, die sich aber mit der Krankheit verstärkte.

Was Sie beschreiben, wird auch Akathisie (= Unfähigkeit zu sitzen) genannt. Sie äussert sich subjektiv in innerer Unruhe und einem unbezwingbaren Bedürfnis, sich zu bewegen und der Unmöglichkeit, eine Körperhaltung für längere Zeit beizubehalten. Insbesondere sitzende oder stehende Positionen sind betroffen. Bei starker Ausprägung wird still sitzen, stehen, liegen oder schlafen unmöglich. Stattdessen werden repetitive Bewegungen mit Händen oder Füssen bzw. der Gesichtsmuskulatur ausgeführt, die das Bewegungsbedürfnis jedoch nur kurz befriedigen können. Weitere Entlastungshandlungen sind Umherlaufen, Trippeln, wechselndes Beinekreuzen oder ständige Gewichtsverlagerungen. 
Psychiatrische Medikamente (Neuroleptika) und gewisse Antidepressiva können solche Symptome hervorrufen. Wir beobachten diese Bewegungsstörung aber auch bei rund 50 Prozent der Parkinsonbetroffenen. Um eine persönliche, willkürlich unterdrückbare «Eigenart», wie Sie annehmen, handelt es sich eher nicht. Während Betablocker manchmal bei akuten Formen helfen können, gestaltet sich die Behandlung etablierter Formen weit schwieriger. Wenn möglich sollte man das beschuldigte Medikament absetzen. Es lohnt sich, diese Momente der Akathisie aufzuzeichnen, zumal diese Unruhe mit der Einnahme der Parkinsonmedikamente zusammenhängen kann.  Dr. med. Claude Vaney

Speichelfluss

Seit über zehn Jahren leide ich an Parkinson. Seit einiger Zeit ist meine Lebensqualität durch starken Speichelfluss beeinträchtigt. Was kann man dagegen tun?

Speichelfluss entsteht einerseits weil das Schlucken verlangsamt und seltener ist und andererseits wegen der typischen, vorgebeugten Körperhaltung. Deshalb rinnt der Speichel aus dem Mund anstatt abgeschluckt zu werden. Mit bewusstem häufigem Schlucken kann Speichelfluss gemildert werden. Sie sollten mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie den Speichelfluss mit der Einnahme von Medikamenten reduzieren können. Bellafit-Tropfen z.B. verringern die Produktion von Speichel und führen so zu weniger Speichelfluss. Unter Umständen kann eine Botox-Injektion in die Speicheldrüse Abhilfe schaffen. Diese Injektionen müssen allerdings ungefähr alle drei Monate wiederholt werden. Besprechen Sie sich mit Ihrem Neurologen.  Elisabeth Ostler, diplomierte Pflegefachfrau HF, Parkinson Nurse

Blasenschwäche

Mein Partner ist 73 Jahre alt und hat seit zwölf Jahren Parkinson. In letzter Zeit hat sich seine Blasenfunktion verschlechtert, er muss nachts mehrfach aufstehen, was für uns beide sehr mühsam ist, und für ihn auch gefährlich. Kann man ihm helfen?

Viele Parkinsonpatienten leiden im späteren Krankheitsverlauf an Blasenproblemen. Dabei ist der häufige Harndrang mit kleinen Urinportionen ein häufig beschriebenes Problem. Wenn Sie nachts mehrmals aufstehen müssen, entwickelt sich schnell eine unerträgliche Belastungssituation, weil Sie um Ihren Schlaf gebracht werden, den Sie unbedingt nötig haben, um den kommenden Tag zu bewältigen. Das Ziel muss folglich lauten: Ihr Partner kann nachts Wasser lösen ohne Sie jedes Mal zu wecken. Hier kommen verschiedene Hilfsmittel in Frage. Eine Urinflasche evtl. mit Rücklaufsicherung, so dass die Flüssigkeit in der Flasche nicht im Bett verschüttet wird, das Urinar oder die Windelhose. Für die Urinflasche ist es nötig, dass Ihr Partner nachts beweglich genug ist, um diese bedienen zu können. Das selbstklebende Urinar stülpt man abends über den Penis und verbindet es mit einem Urinauffangbeutel, den man an das Bettgestell hängt. So kann der Patient im Liegen und ohne Anstrengung Urin lösen. Am Morgen wird das Urinar entfernt. Der Gebrauch des Urinars sollte von einer Fachperson erklärt und instruiert werden, damit Sie sich möglichst ohne Zwischenfälle vom grossen Nutzen dieses Hilfsmittels überzeugen können. Der Einsatz von Hosenwindeln ist hier auch zu erwähnen. Heutzutage werden hoch saugfähige Materialien verwendet, um «trocken» durch die Nacht zu kommen.  Elisabeth Ostler, diplomierte Pflegefachfrau HF, Parkinson Nurse

Wasser in den Beinen

Ich bin 64 und lebe seit drei Jahren mit Morbus Parkinson. Ich habe von meinen Agonisten Wasser in den Beinen. Besteht nun die Gefahr von Ödemen? Und was genau ist ein Ödem?

Der Ausdruck «Wasser in den Beinen» ist die volkstümliche Bezeichnung für ein Ödem. Dieses entsteht durch eine Flüssigkeitsansammlung im Gewebe. Normalerweise herrscht ein Gleichgewicht zwischen der Flüssigkeit, die ins Gewebe gelangt, und derjenigen, die wieder abtransportiert wird. Gelangt zu viel Flüssigkeit ins Gewebe oder ist der Abtransport gestört (was häufiger vorkommt), entsteht ein Ödem.
Ödeme können viele verschiedene Ursachen haben. So können sie beispielsweise bei Herz- und Nierenerkrankungen auftreten, aber auch bei lokalen Störungen, zum Beispiel bei Venenthrombosen. Eine Behandlung mit Dopaminagonisten kann auch zu Beinödemen führen. Falls keine andere mögliche Ursache für die Entstehung der Ödeme gefunden wird und falls diese für den Patienten zu Beschwerden führen, muss eine Dosisreduktion oder gar ein Absetzen des Präparates erwogen werden. Es ist im Einzelfall durchaus möglich, dass das Problem mit einem anderen Dopaminagonisten nicht mehr auftritt.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Zahnhygiene

Mir wurde gesagt, dass gute Zahnhygiene wichtig ist. Ich versuche es ja auch, aber die Handhabung einer Zahnbürste ist jetzt ziemlich schwierig. Gibt es irgendetwas, was helfen würde?

Sie haben recht: Gute Zahnhygiene ist wichtig, denn ein gesunder Mund und starke Zähne tragen zu gutem Aussehen und guter Nahrungsaufnahme bei. 
Wie bei allen anderen Aktivitäten, die für Sie schwierig oder anstrengend sind, sollten Sie darauf achten, die entsprechende Aktivität während einer Phase guter Beweglichkeit durchzuführen, also dann, wenn Ihre Medikamente gut wirken. Geknickte Zahnbürsten erleichtern das Erreichen der hinteren Zähne, ein verdickter Haltegriff an der Zahnbürste könnte helfen und manche Patienten finden eine elektrische Zahnbürste sehr nützlich. Fällt die Handhabung der Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume (wichtig!) schwer, greifen Sie zu Zahnzwischenraumbürsten, die Sie auf langstielige Halter setzen, oder benutzen Sie eine Munddusche (erhältlich in Kombination mit der Elektrozahnbürste). Ihr Zahnarzt oder ein Ergotherapeut kann Sie hierzu beraten. Gehen Sie überdies alle sechs bis acht Monate zur zahnärztlichen Kontrolle oder zur Dentalhygiene, um Ihre Zahngesundheit zu erhalten. 
Erwähnenswert finde ich noch, dass alle Aufgaben wie Zähneputzen, Rasieren, Haare­trocknen und so weiter (alle durch Hand- und Armbewegungen gesteuert) einfacher und weniger ermüdend sind, wenn Sie Ihren Ellbogen (z. B. auf dem Lavaborand) aufstützen können.  Elisabeth Ostler

Kinderwunsch trotz Parkinson

Meine Schwester, bei der kürzlich Parkinson diagnostiziert wurde, wünscht sich unbedingt Kinder – sie ist erst 28! Ist es denn möglich, trotz Parkinson noch Kinder zu bekommen?

Publizierte wissenschaftliche Erkenntnisse über Parkinson und 
Schwangerschaft sind nur in geringem Umfang vorhanden. Auch sind die Daten zum Verlauf der Parkinsonkrankheit während der Schwangerschaft limitiert und teilweise widersprüchlich. Zudem fehlen evidenzbasierte Leitlinien zu dieser Thematik. Daher kann die Frage: «Schwangerschaft bei Parkinson, Ja oder Nein?» nur individuell beantwortet werden. Eine gründliche Beratung vor der Schwangerschaft durch den behandelnden Neurologen und – bei Verdacht respektive zur Klärung eines eventuellen familiär erhöhten Parkinsonrisikos – auch durch einen Humangenetiker ist zu empfehlen. 
Grundsätzlich schliesst eine Parkinsonerkrankung eine erfolgreiche Schwangerschaft und eine unkomplizierte Geburt aber nicht aus. Auch wenn ich selbst keine eigene Erfahrung in der Betreuung schwangerer Parkinsonpatientinnen habe, sind mir durchaus Berichte einzelner Patientinnen über unkomplizierte Schwangerschaftsverläufe und Geburten nach Manifestation ihrer Parkinsonkrankheit bekannt. Schon aus prinzipiellen pharmakologischen Erwägungen, tierexperimentellen Befunden und aus den wenigen einschlägigen Publikationen (überwiegend Fallberichte) lassen sich aber einige allgemeine Empfehlungen in diesem Zusammenhang geben: Levodopa und Dopaminagonisten können in den hormonellen Stoffwechsel eingreifen und sollten deshalb während einer Schwangerschaft nur sehr zurückhaltend gegeben werden. Besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten die Anti-Parkinson-Medikamente nur so niedrig dosiert wie möglich verabreicht werden. Wenn die Gabe eines L-Dopa-Präparates unerlässlich ist, sollte wegen möglicher knochenmark­toxischer Effekte von Benserazid (in Madopar enthalten) auf den Fötus eher Sinemet gegeben werden. Auch für andere Anti-Parkinson-Medikamente (Amantadin, MAO-Hemmer, COMT-Hemmer) gibt es tierexperimentelle Daten, die auf eine mögliche embryonale Gefährdung hinweisen.  Zahlreiche Fallberichte sprechen aber auch dafür, dass komplikationslose Schwangerschaftsverläufe unter oraler dopaminerger Therapie möglich sind.   Dr. med. Helene Lisitchkina

Ungewöhnlich schneller Verlauf?

habe die Diagnose Parkinson erst seit Mitte 2011. Es begann mit schlurfendem Gang sowie einem leichten Tremor und Rigor rechtsseitig. Heute geht es mir so schlecht, dass ich fast nichts mehr alleine kann. Die linke Körperseite ist o.k., doch rechts geht fast nichts mehr. Auch wirken die Medikamente nicht mehr. Kann es sein, dass ich einen «speziellen» Parkinson habe?

Es ist mir leider nicht möglich, aufgrund der vorliegenden Angaben eine befriedigende Antwort zu geben. Es ist zwar möglich, dass Sie an einem «speziellen» Parkinson leiden. Ein mögliches Beispiel dafür könnte meine Antwort auf die vorige Frage sein. Mit einiger Sicherheit bestätigen kann ich diese Vermutung aber nicht.
Im persönlichen Gespräch würde ich Ihnen zahlreiche Fragen stellen, von denen ich hier nur einige wenige skizzieren will: «Haben oder hatten Blutsverwandte von Ihnen ein ähnliches Krankheitsbild?», «Welche Anti-Parkinson-Medikamente nahmen respektive nehmen Sie ein?», «Wurde deren Dosierung bei der Zunahme der Beschwerden angepasst?», «War dies vielleicht wegen Nebenwirkungen (z. B. unwillkürliche Bewegungen, Wahnvorstellungen) nicht oder nur unbefriedigend möglich?», «Liegen sogenannte nicht motorische Symptome vor, die das ungewöhnlich rasche Fortschreiten erklären könnten?», «Leiden Sie an weiteren Krankheiten, die eine medikamentöse Behandlung erfordern?», «Finden sich Hinweise darauf, dass die Aufnahme der Medikamente vom Magen-Darm-Trakt ins Blut gestört sein könnte?»
Wie gesagt sind dies nur einige Fragen, die ich Ihnen stellen würde. Sicher würden sich aus Ihren Antworten weitere Fragen ergeben. Sehr wahrscheinlich würde ich auch eine persönliche Untersuchung für nötig halten. Ich kann Ihnen deshalb nur anraten, das Problem mit Ihrem behandelnden Neurologen zu besprechen.  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Bohnen und Bockhornklee gegen Parkinson?

Bohnen und Bockshornklee gegen Parkinson?
Ich habe im Internet gelesen, dass in Indien ein Extrakt aus Bockshornklee in Kombination mit natürlichem L-Dopa aus der Mucuna-pruriens-Bohne zur Therapie von Parkinson eingesetzt wird. Was halten Sie davon?

Levodopa, wie wir es heute für die Behandlung von Parkinson nutzen, wurde um das Jahr 1913 aus den Samen der Saubohne (Viciafaba) isoliert. Seine therapeutische Bedeutung für die Behandlung von Parkinson wurde aber erst viel später erkannt und als Therapie eingeführt. Die ursprüngliche Erkenntnis dieses Heilmittels stammt also, wie übrigens bei vielen anderen heute synthetisch hergestellten Medikamenten auch, aus einer Pflanze. 
Die Juckbohne (Mucunapruriens), in der sogar noch mehr L-Dopa enthalten ist als in den Samen der Saubohne, wurde bereits in der ayurvedischen Medizin bei Patienten eingesetzt, von denen man heute denken könnte, dass sie unter Parkinson litten. Es gibt auch kleinere kontrollierte Studien, in denen die Wirkung von Mucunapruriens bei Parkinson untersucht wurde. Dennoch ist es nicht problemlos möglich, von einer synthetisch hergestellten L-Dopa-Therapie auf eine Therapie mit Mucunapruriens umzustellen, weil Parkinson bei jedem Patienten unterschiedlich fortgeschritten ist. Je weiter fortgeschritten die Erkrankung aber ist, desto wichtiger wird es, dass die regelmässig verabreichten Dosen einen identisch hohen Wirkstoffinhalt haben, damit die zu erwartende Wirkung berechenbar ist. Das heisst: Voraussetzung für den Einsatz von Mucunapruriens muss sein, dass bekannt ist, wie viel L-Dopa die eingesetzten Tabletten beinhalten! Ist die Wirkung zu gering, kann es zu einer deutlichen Verschlechterung des Parkinsonsyndroms kommen. Ist die Wirkung zu stark, würde dies die Gefahr des Auftretens von Dyskinesien (unangenehmer Überbeweglichkeit) beinhalten. Die Kosten für die Dosisermittlung werden nach meiner Erfahrung von der Krankenkasse nicht übernommen. Sie liegen je nach Vertreiber bei etwa 40 Euro (60 Franken) für 120 Tabletten. Fazit: Eine Therapie mit Mucunapruriens könnte zwar auch in Europa künftig eine gewisse Rolle in der Parkinsontherapie spielen – doch sind vor einer Zulassung klinische und kontrollierte Studien mit hohen Fallzahlen nötig, um die Wirksamkeit und Sicherheit besser abschätzen zu können. 
Der Bockshornklee (Trigonellafoenum-graecum) ist eine Hülsenfrucht, deren Wirkungspotenzial als Ergänzung zu L-Dopa kürzlich von indischen Wissenschaftlern im Rahmen einer Wirksamkeits- und Sicherheitsstudie untersucht wurde. Wie im Fall anderer Medikamentenstudien auch wurde die pflanzliche Substanz zu einer Therapie mit L-Dopa hinzugegeben oder die Patienten erhielten, ohne dass sie es wussten, ein Placebo. Insgesamt wurden 50 Patienten über sechs Monate untersucht. Neben der Abklärung der Wirkung auf die Parkinsonsymptome wurde eine sorgfältige Sicherheitsabklärung mit verschiedenen Blutparametern durchgeführt, um Informationen über mögliche Gefahren für die Patienten zu erhalten. Die Autoren sahen dabei Hinweise auf eine verzögerte Krankheitsentwicklung bei jenen Patienten, welche zusätzlich zu L-Dopa mit der pflanzlichen Substanz behandelt wurden, sowie auch eine gewisse Verbesserung in der Beweglichkeit. Insgesamt ist es aber noch zu früh, um eine eindeutige Aussage über den Einsatz von Bockshornklee treffen zu können. Doch es könnte sein, dass diese Substanz in der Zukunft eine gewisse Bedeutung in der Parkinsontherapie erhält. Dr. med. Stefan Hägele-Link

Hilft Cannabis gegen Parkinsonsymptome?

Ich habe gelesen, dass in der Schweiz seit Kurzem auch Cannabismedikamente zugelassen sind und dass sie auch bei Parkinson erprobt werden. Wozu können sie bei Parkinson eingesetzt werden (bei Schmerzen? bei Krämpfen?), was ist zu beachten und welches Potenzial haben die Mittel?

Ob die in der Hanfpflanze enthaltenen Cannabinoide die Parkinsonsymptomatik gewinnbringend beeinflussen können, ist eine strittige Frage. Während eine vor 10 Jahren erschienene Arbeit zur oralen Gabe von THC keine Abnahme von L-Dopa-induzierten Dyskinesien zeigte, haben israelische Forscher kürzlich in einer offenen Studie mit 22 Hanf rauchenden Parkinsonpatienten eine signifikante Besserung von Rigor, Tremor und Bradykinesie beschrieben (Clinical Neuropharmacology, März/April 2014). Auch wissen wir aus tierexperimentellen Studien, dass eines der Cannabinoide, das Cannabidiol, neuroprotektive Eigenschaften besitzt, also potenziell dem bei neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson beobachteten Zelluntergang entgegenwirken könnte. Rechtlich ist es heute in der Schweiz jedem Arzt erlaubt, beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine gut begründete Sonderbewilligung für die Abgabe einer Hanftinktur einzuholen, die dann zur Bekämpfung therapieresistenter Symptome, etwa den von ihnen erwähnten Schmerzen und Muskelkrämpfen, eingesetzt werden kann. Vorgängig sollte aber belegt werden, dass die Beschwerden mit konventionellen Methoden (Anpassung der Anti-Parkinson-Medikamente; Gabe von Schmerz­mitteln oder krampflindernden Substanzen) bereits erfolglos angegangen wurden. Und es muss auch erwähnt werden, dass die Kosten der Cannabistinktur (300 bis 400 Franken pro Monat) nicht immer von der Krankenkasse übernommen werden.  Dr. med. Claude Vaney   

Wirkt das Koenzym Q10 bei Parkinson?

Ich habe gelesen, dass das Koenzym Q10 auch bei Parkinson helfen soll. Können Sie darüber etwas sagen (Wirkung, Verträglichkeit mit anderen Medikamenten usw.)?

Unter Forschern wurde in den vergangenen Jahren heftig über einen Nutzen des Ko­enzyms Q10 bei Parkinson diskutiert. Dies, weil es Hinweise gibt, nach denen bei Parkinson eine Störung der Elektronentransportkette in den Mitochondrien vorliegt. Diese Störung, so die Hypothese, führt über die vermehrte Bildung freier Sauerstoffradikale (oxidativer Stress) zur Neurodegeneration. Das Koenzym Q10 ist ein wichtiger Bestandteil der Atmungskette und bremst als sogenannter Radikalfänger die Bildung schädlicher Sauerstoffradikale. 
Tatsächlich scheinen Parkinsonkranke zu wenig Q10 in ihren neuronalen Mitochondrien zu haben. Auch zeigte Q10 in Zellkulturstudien neuroprotektive Eigenschaften und im Parkinson-Tiermodell liess sich der Effekt des dopaminergen Neuronen-Killers MPTP (Methyl-Phenyl-Tetrahydropyridin) abschwächen. Gute Gründe also, auch eine protektive Wirkung bei Menschen anzunehmen.
In diversen Studien liess sich aber kein signifikanter klinischer Nutzen nachweisen. Jedoch gab es in einer Studie einen Trend zu einer Verlangsamung der Erkrankung und eine weitere Studie deutete auf eine mögliche Verbesserung der Mitochondrienfunktion hin.
In der Folge schlossen sich Neurologen aus den USA und Kanada zur Parkinson Study Group QE3 zusammen. Sie rekrutierten 600 Patienten, deren Parkinsondiagnose im Schnitt erst ein halbes Jahr zurücklag. Diese bekamen täglich entweder Placebo oder 1200 mg respektive 2400 mg Q10. Primärer Endpunkt war die Veränderung der motorischen Werte auf der UPDRS-Skala. Geplant war eine Dauer von 16 Monaten, die Studie wurde jedoch vorzeitig abgebrochen, als klar wurde, dass bis zum Ende keine signifikanten Unterschiede mehr möglich waren.
Die Ergebnisse waren ernüchternd: Zu Beginn lag der UPDRS-Wert bei knapp 23 Punkten. Zum Ende der Studien war er in der Placebogruppe um 6,9 Punkte gestiegen, in den beiden Q10-Gruppen sogar um 7,5 (unter 1200 mg Q10 pro Tag) respektive um 8,0 Punkte (unter 2400 mg Q10). Die Unterschiede waren allerdings alle statistisch nicht signifikant.
Fazit: Mit Koenzym Q10 lässt sich Parkinson selbst im frühen Stadium nicht verlangsamen, eine signifikante klinische Wirkung ist ebenfalls nicht nachweisbar. Entsprechend beenden die Forscher ihre Publikation (JAMANeurol 2014, online 24. März 2014) mit dem Satz: «Wir können Q10 nicht zur Behandlung bei frühem Parkinson empfehlen.»  Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin

Fragen zu Parkinson?

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