Epidemiologie von Parkinson

illustrierter Querschnitt des Gehirns mit Bezeichnung der Substantia Nigra

Häufigkeit

Das Parkinsonsyndrom (Morbus Parkinson) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Weltweit gibt es rund 4,1 Millionen Patienten. Laut Studien wird ihre Zahl bis ins Jahr 2030 auf rund 8,7 Millionen steigen. In der Schweiz leben über 15 000 Betroffene.

Parkinson betrifft etwa 1 Prozent der über 60-Jährigen und rund 3 Prozent der über 80-Jährigen. Bis zu 20 Prozent der Patienten sind bei der Diagnose jünger als 60 Jahre. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen.

Vererbbarkeit, Ansteckungsgefahr

Parkinson ist weder ansteckend noch eine typische Erbkrankheit. Zwar gibt es eine vererbliche (hereditäre) Variante. Diese ist aber ausserordentlich selten.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung der Erkrankten ist etwa gleich hoch wie bei gesunden Menschen.

Was im Körper geschieht

Die Parkinsonkrankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der es zu einem fortschreitenden Untergang von Nervenzellen im zentralen Nervensystem, besonders im Gehirn, kommt. In den ersten Krankheitsjahren steht der Untergang der für die Produktion des Botenstoffes Dopamin verantwortlichen Nervenzellen in der Substantia nigra (Schwarzer Kern, im Mittelhirn gelegen) im Vordergrund. Der resultierende Dopaminmangel führt zu diversen Störungen der Motorik. Diese können durch die Behandlung mit L- Dopa, der Vorläufersubstanz von Dopamin, gut behandelt werden. 

Schon früh im Krankheitsverlauf sterben aber auch in anderen Regionen des Gehirns Nervenzellen ab, die nichts mit der Produktion von Dopamin zu tun haben. Dies führt zu einer Reihe von Symptomen (z.B. vegetative Störungen, Schmerzen, Schlafstörungen, psychische Symptome), die mit fortschreitender Krankheitsdauer für die Patienten immer belastender werden. Für diese Symptome sind die Behandlungsmöglichkeiten derzeit leider noch stark eingeschränkt.

Ursachen von Parkinson

Obwohl die Parkinsonkrankheit bereits im Jahre 1817 vom englischen Arzt James Parkinson erstmals beschrieben wurde und die Forschung seither grosse Anstrengungen zur Ursachenklärung unternimmt, ist/sind die genaue(n) Ursache(n) von Parkinson nach wie vor nicht bekannt. 

Es wird ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Einfluss durch Umweltfaktoren diskutiert. Bisher konnte kein einzelner Faktor als alleiniger Auslöser identifiziert werden. 

Zwar ist eine Linderung der Symptome möglich – das Fortschreiten der Erkrankung kann aber nicht gebremst oder gar gestoppt werden.

Symptome der parkinsonschen Krankheit

Die Symptomatik der Parkinsonkrankheit ist sehr individuell. Zudem schreitet die Erkrankung nicht bei allen Patienten gleich schnell voran. Daher hat jeder Betroffene seinen «eigenen» Parkinson mit ganz individuell ausgeprägter Symptomatik. 

Unbeweglichkeit (Bradykinese, Akinese)

Flüssige Bewegungsabläufe fallen zunehmend schwerer. Die Patienten bemerken dies anfänglich beim Schreiben, bei handwerklichen Tätigkeiten oder beim Spielen eines Musikinstruments. Mit fortschreitender Krankheit nimmt die Akinese zu. 

Steifheit (Rigor)

Der Spannungszustand der Muskulatur ist ständig erhöht, vor allem an den Gliedmassen, die daher zittern oder eingeschränkt beweglich sind. Die Patienten haben den Eindruck, ihre Glieder seien «wie gelähmt», und leiden häufig unter schmerzhaften Krämpfen. 

Zittern in Ruhe (Ruhetremor)

Das Ruhezittern, das bei rund zwei Dritteln der Betroffenen auftritt, ist anfangs in der Regel einseitig ausgeprägt. Die Arme sind meist stärker betroffen als die Beine. Bei gezielten Bewegungen verschwindet das Zittern. 

Haltungsinstabilität (posturale Instabilität)

Der aufrechte Gang und das Gleichgewicht des Menschen werden durch ein komplexes Regulationssystem sichergestellt, in welchem die automatisch ablaufenden Halte- und Stellreflexe eine zentrale Rolle einnehmen. Da diese Automatismen bei Parkinson gestört sind, fällt es den Betroffenen immer schwerer, die aufrechte Haltung beizubehalten. Eine gefährliche Folge hiervon sind Stürze. 

Weitere Symptome

Weitere, häufige Symptome der Parkinsonkrankheit sind psychische Veränderungen (z.B. Depressionen), Anomalien des Schlaf-Wach-Rhythmus und Störungen des vegetativen Nervensystems (Blutdruckregulation, Verdauung und Temperaturregulation). In fortgeschrittenem Stadium sind Hirnleistungsstörungen nicht selten.

Verlauf

Der Beginn

Parkinson beginnt in der Regel schleichend und mit sehr individuellen, nicht klar differenzierten Symptomen. Zu den typischen Frühsymptomen gehören das einseitige Zittern einer Hand, wiederkehrende Krämpfe in einzelnen Gliedern, chronische Verspannungen im Hals- und Nackenbereich, Schlafstörungen, generelle Müdigkeit und Antriebslosigkeit, hartnäckige Verstopfung, Riechstörungen, aber auch Beschwerden beim Gehen oder Depressionen.

In den ersten fünf bis zehn Jahren der Erkrankung, der sogenannten «Honeymoon-Phase», kann die medikamentöse Anti-Parkinson-Therapie zu (fast) völliger Symptomfreiheit führen, sodass die meisten Patienten ein annähernd normales Leben führen können. In dieser ersten Krankheitsphase ist die Medikamentenwirkung im Laufe des Tages sehr ausgeglichen, es treten nur sehr geringe oder gar keine Nebenwirkungen auf. 

Der weitere Verlauf

Weil aber der Zellschwund in der Substantia nigra stetig fortschreitet, nehmen auch die Symptome kontinuierlich zu. Gehstörungen werden mit den Jahren der Krankheit häufiger, die Schritte werden immer kleiner. Feine Arbeiten (Zähne putzen, Knöpfe schliessen, schreiben, basteln) fallen zunehmend schwerer, die Sprache wird häufig leiser und undeutlicher, die Mimik nimmt ab, der Körper kann sich leicht nach vorne neigen. 

Wichtig zu wissen ist, dass diese Krankheitsprogression und damit auch das Symptombild sehr individuell sind. Verlauf und Schweregrad der Erkrankung variieren von Patient zu Patient stark und bei kaum einem Patienten werden wirklich alle beschriebenen Symptome beobachtet.

Leider lässt mit fortschreitender Erkrankung aber auch die Wirkung der Medikamente nach. Die Symptomkontrolle wird unausgeglichener und schwankt von Tag zu Tag (aber auch im Tagesverlauf) oft deutlich.

Eine unangenehme Folge der nachlassenden Medikamentenwirkung sind unwillkürliche Überbewegungen (Dyskinesien), die sich mit plötzlichen Phasen ausgeprägter Unbeweglichkeit abwechseln. In diesem Krankheitsstadium nehmen nicht selten auch die nicht-motorischen Symptome (Depressionen, kognitive Störungen, Verdauungsstörungen, Blutdruckschwankungen etc.) merklich zu. 

Die Patienten müssen dann in aller Regel mit einer Kombinationstherapie unterschiedlicher Medikamente behandelt werden. Um dabei eine möglichst optimale Besserung der Symptome erreichen zu können, müssen die behandelnden Ärzte über viel Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und vor allem grosse Erfahrung verfügen. Überdies sind von Seiten der betroffenen selbst umfassende Offenheit bezüglich aller Symptome und eine aktive Mitarbeit unerlässlich.

Hilfreich können in späteren Stadien stationäre Einstellungen in einem spezialisierten Parkinsonzentrum sein. Dort kann die Wirkung der Medikamente und die Symptomatik über einen längeren Zeitraum engmaschig verfolgt und die Therapie entsprechend angepasst werden. Zudem können dort auch diverse Begleittherapien (Logopädie, Ergo- und Physiotherapie) ausprobiert und anhand der Resultate gezielte Übungs- und Therapiepläne ausgearbeitet werden, die den Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu meistern.

Langzeitprognose

In ganz späten Stadien der Parkinsonerkrankung kann bei einem kleinen der Teil der Patienten (unter 10 Prozent) der Fall eintreten, dass mit der oralen Medikation keine wirkungsvolle Symptomkontrolle mehr möglich ist. Für diese wenigen Schwerstbetroffenen stehen mit der so genannten Pumpentherapie (Apomorphin oder Duodopa) sowie mit operativen Methoden (Tiefe Hirnstimulation) zwar noch weitere Therapieoptionen offen. Leider sind diese aber nicht für alle Patienten geeignet und überdies werden (noch) nicht alle Massnahmen auch von den Krankenkassen bezahlt. Eine engmaschige stationäre Kontrolle und eine sorgfältige und umfassende Beratung, die eine sinnvolle Wahl der entsprechenden Therapieoption erlauben, sind dann unumgänglich.

Ein grosser Trost

Seit der Einführung der medikamentösen Anti-Parkinson-Therapie Mitte der 1970er-Jahre tritt das einst von Patienten wie Ärzten gleichermassen gefürchtete Endstadium der Krankheit (totale Unbeweglichkeit und Versteifung des Körpers) praktisch nicht mehr auf. Die Betroffenen haben heute eine annähernd normale Lebenserwartung und ihre Lebensqualität kann sehr lange auf gutem oder doch wenigstens annehmbarem Niveau stabilisiert werden.

Diagnose

Fast immer beginnt Parkinson mit Befindlichkeitsstörungen. Sie sind uncharakteristisch und gewinnen erst nach und nach an Kontur. Ansprechpartner in dieser Phase ist der Hausarzt. 

Wichtig: Beobachten Sie die Veränderungen und Symptome über eine Zeit lang und notieren Sie diese in einer Art Protokoll. Zeigen Sie es Ihrem Arzt. Er braucht möglichst viele Informationen von Ihnen. Je früher die Diagnose, desto besser. 

Die Diagnose des idiopathischen Parkinsonsyndroms ist bis heute rein klinisch. Sie kann mehrere Monate dauern, in Einzelfällen sogar bis zu zwei Jahre. Auch eine scheinbar sichere Diagnose muss immer wieder in Frage gestellt werden. Es gibt keine Labor- oder bildgebende Untersuchung, welche die Diagnose eindeutig beweisen oder ausschliessen kann. Aufwändige Tests wie MRI, PET, oder SPECT - Tests werden eher in Ausnahmefällen und nur bei fraglicher Diagnose eingesetzt. 

Von den vier Kardinalsymptomen Tremor, Rigor, Akinese und Posturale Instabilität müssen mindestens zwei nachweisbar sein, eines davon in der Regel die Akinese. Das Ansprechen auf L-Dopa (oder Apomorphin) ist eines der Diagnosekriterien eines idiopathischen Parkinsonsyndroms. Ein positiver Test beweist aber nur das Ansprechen einiger Symptome auf L-Dopa und nicht die Diagnose.

Magazin Parkinson

Das viermal jährlich erscheinende Magazin Parkinson informiert über die Veranstaltungen und Aktivitäten von Parkinson Schweiz. Darüber hinaus finden Sie im Magazin die neuesten Nachrichten zu Diagnose, Therapie & Pflege, Forschung und Alltag. Tipps zu Aktivitäten und Hilfsmitteln, die Veranstaltungs-Agenda und die Sprechstunde mit den Ärzten des Fachlichen Beirates runden das Magazin ab.

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