Wärmehaushalt des Körpers
Temperaturregulationsstörungen – was tun?
Meine Frau (62) leidet an Parkinson. Nun wollen wir (teilweise) nach Thailand auswandern. Meine Frau fürchtet sich aber vor dem warmen Klima dort, denn sie schwitzt oft stark. Gibt es Möglichkeiten, die Temperaturregulation besser in den Griff zu bekommen?
Forschungsergebnisse der letzten Jahre, gerade auch am Menschen, haben klar gezeigt, dass bei der Parkinsonkrankheit nicht nur die Nervenzellen des dopaminergen Systems in der Substantia nigra absterben, sondern dass auch andere Neurotransmittersysteme betroffen sind. So gehen beispielsweise auch noradre¬nerge und serotonerge Nervenzellen vorzeitig zugrunde – und dies auch schon in frühen Krankheitsstadien. Diese Störungen sind sowohl in den Regulationszentren des Hirnstammes als auch in den peripheren Nervenganglien zu beobachten.
Daraus resultieren verschiedene der sogenannten nicht motorischen Symptome von Parkinson – so auch die Schweisssekretionsstörung. Diese äussert sich in einer generell vermehrten Talgsekretion der Haut, vor allem im Bereich von Gesicht und Brustrinne, einerseits sowie einer verstärkten Schweissneigung im Rahmen der Temperaturregulation bei warmem Wetter (speziell bei feuchtem Klima) andrerseits. Da es sich hier um die Folge einer Störung eines komplexen nervlichen Regelkreises handelt, ist die Therapie schwierig und eine gezielte medikamentöse Therapie ist nicht bekannt.
Man hat aber beobachtet, dass das Schwitzen vor allem in den Off-Phasen verstärkt ist und teils parallel geht mit den motorischen Schwankungen. Das heisst auch, dass man mit den üblichen Antiparkinsonmedikamenten die Motorik optimieren sollte, mit der Hoffnung, dass mit geringeren Wirkungsschwankungen und weniger Off-Phasen auch das Schwitzen positiv beeinflusst werden kann. Prof. Dr. med. Mathias Sturzenegger
Wärme-Kälte-System total durcheinander
Bei meinem Partner (67) ist das Wärme-Kälte-System völlig durcheinander. Manchmal schwitzt er tagsüber oder auch nachts derart stark, dass er die Wäsche wechseln muss. Kann man dagegen etwas tun?
Störungen der Temperaturregulation können bereits zu Beginn der Erkrankung auftreten. Vermutlich gehen die Schweissausbrüche parallel mit den Phasen schlechter Beweglichkeit einher. Besprechen Sie mit dem behandelnden Arzt die Medikation, vielleicht lässt sich da noch eine bessere Einstellung finden. Achten Sie bei Kleidung und Bettwäsche auf Naturfasern, diese nehmen den Schweiss besser auf als Kunstfasern. Die nächtlichen Schweissausbrüche können tatsächlich sehr störend sein, oft bleibt da nur der Wäschewechsel. Der Sommer kann für Parkinsonbetroffene eher anstrengend sein. Sie sollten daran denken, wegen dem vermehrten Schwitzen genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Abzuraten ist von einem Saunabesuch. Helen Fuchser Möhl, diplomierte Pflegefachfrau
Schweissattacken
Seit einiger Zeit leide ich unter Schweissattacken, was nicht nur ich, sondern auch meine Frau sehr störend finden. Was kann ich dagegen tun?
Die parkinsonsche Krankheit verursacht oft Störungen in der Regulation der Körpertemperatur, ca. zwei Drittel der Betroffenen beschreiben Schweissstörungen. Beobachten Sie mit Aufmerksamkeit, ob Ihre „Attacken“ zusammen mit einer motorischen „Blockade“, mit unwillkürlichen Bewegungen oder zu besonderen Tageszeiten auftreten. In diesem Fall könnte der behandelnde Arzt Ihre Situation durch eine Anpassung der Medikamente deutlich verbessern. Zudem könnten einfache klinische Massnahmen (warmes oder feuchtes Klima vermeiden, keine Anstrengungen in warmer Umgebung, Tragen von frischer und atmungsaktiver Kleidung, genügend Flüssigkeitszufuhr) gegen das übermässige Schwitzen sehr helfen.
Sollte keine dieser Massnahmen wirksam sein, könnte die Indikation für eine Betablockerbehandlung mit Ihrem Arzt diskutiert werden. Ihr Arzt sollte auch andere Ursachen Ihrer Beschwerden (wie z.B. Schilddrüsen-Überfunktion, oder eine chronische Infektion) ausschliessen.
Bei einer in einzelnen Körperteilen lokalisierten, übermässigen Schweissproduktion (bei Parkinson selten) könnte man auch die lokale Behandlung mit Botulinumtoxin erwägen, das eine „Lähmung“ der Schweissdrüse verursacht. Dr. med. Fabio Baronti
Schweissausbrüche
Seit einiger Zeit habe ich nachts starke Schweissausbrüche. Was kann ich tun?
Schweissausbrüche, über die etwa zwei Drittel der Parkinsonbetroffenen klagen, treten individuell während Blockaden genauso auf wie während Dyskinesien, und das sowohl tagsüber als auch nachts. In jedem Fall sind das Schwitzen, die nasse Kleidung und Bettwäsche sehr unangenehm. Bei vielen Betroffenen finden die Schweissausbrüche in der Nacht statt, weshalb diese ihre Nacht- und Bettwäsche mehrmals wechseln müssen.
Gegen das unangenehme Gefühl der schweissigen Haut hilft Sport-Funktionswäsche – auch als Nachtkleidung! Deren spezielles Material leitet den Schweiss von der Haut weg an die Kleideroberfläche. Gute Funktionswäsche hat ihren Preis, erhältlich ist sie im Sportgeschäft. Des Weiteren empfehle ich Bettwäsche aus Mikrofaser. Diese ist sehr saugfähig und gibt länger ein trockenes Gefühl. Am Morgen müssen sie diese gut auslüften!
Sie können versuchen, die nächtlichen Schweissausbrüche zu mildern, indem Sie abends 40 Tropfen Salvia einnehmen, aufgelöst in wenig lauwarmem Wasser. Das Salbeipräparat hilft gegen Schwitzen und ist auch für die Mundpflege gut geeignet. Alternativ nehmen Sie 3 Mal täglich 5 bis 20 Tropfen ein. Elisabeth Ostler, diplomierte Pflegefachfrau HF, Parkinson Nurse

